Frühling 2017: Petrus hatte den Fahrplan nicht im Griff

Das Wetter tanzte im Frühling 2017 total aus der Reihe. Im März war es so mild wie kaum je zuvor. Im April folgte strenger Frost und alles verfror. Dafür starteten wir Ende Mai gleich in den Hochsommer durch. Trotz allem: Die Sonne hatte ein Auge auf uns geworden.

Blühende Magnolie.

Bildlegende: Frühe Blüte Schon Ende März blühten in Riehen die Magnolien. Luciano Moraschinelli

Der Ablauf des Frühlings stimmte 2017 überhaupt nicht. Im März wurden wir mit viel Sonnenschein und Wärme verwöhnt. Es war nach 1994 der zweitwärmste März seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. Auch die erste Aprilhälfte war noch überdurchschnittlich warm. Dafür wurden wir in der zweiten Aprilhälfte im wahrsten Sinne des Wortes bestraft.

Riesige Schneeflocken gingen am 19. April in Thun nieder.

Bildlegende: 19. April! Flockentanz in Thun am 19. April. Werner Zwahlen

Ostern brachten den Winter zurück

Pünktlich an Ostern kam dann der ganz grosse Umschwung. Schon am Ostersonntag fiel am Abend Schnee bis auf 800 Meter herunter. Am Dienstag und Mittwoch fiel dann Schnee bis ins Flachland. In der Nacht auf Donnerstag klarte es auf, und es folgten drei Nächte mit Monsterfrost. Schon am Donnerstagmorgen gab es in Visp -5,5 Grad. So kalt war es in Visp im April noch nie. Am schlimmsten war aber generell der Freitagmorgen, 21. April: In Welschenrohr wurden -7,2 Grad gemessen, im Ebnat-Kappel -6,2 Grad. Ganz arg waren aber vor allem die Bodentemperaturen. 5 Zentimeter über dem Boden wurden in Visp -12,9 und am Flughafen Zürich -10,6 Grad gemessen. Kein Wunder nahmen die Kulturen extremen Schaden. Damit nicht genug: In Basel lagen am Morgen des 26. Aprils 2 Zentimeter Neuschnee. Das war der zweitspäteste Termin mit Neuschnee am Rheinknie. Damit hatte der Winter aber immer noch kein Ende. Am 10. Mai gab es mit -0,5 Grad in Mosen am Hallwilersee nochmals Hüttenfrost.

Feuertöpfe zwischen den Rebstöcken

Bildlegende: Frostschutz Mit Feuer versuchten die Rebbauern ihre Pflanzen zu schützen, wie hier in Jenins Clementine Dönz

Mit den Eisheiligen wurde es wieder warm

Dann drehte die Witterung allmählich wieder auf warm. Am 24. Mai gab es im Süden den ersten Hitzetag und am 27. Mai wurde auch im Norden die Hitzemarke von 30 Grad überschritten. In Sitten wurde ein Wert von 31,8 Grad gemessen. Das war in Sitten der zweithöchste Maiwert seit Beginn der Messungen.

Insgesamt viel zu warm

Trotz Monsterfrost war der Frühling deutlich zu warm. Im Vergleich zur klimatologisch relevanten Norm der Jahre 1961 bis 1990 war es im Norden rund 2, im Süden fast 3 Grad zu warm. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Temperaturen 1 bis 1,5 Grad höher.

Niederschläge uneinheitlich

Das Niederschlagsverhalten war genau so unterschiedlich, wie das Wetter im Frühling 2017. Der Westen und Nordwesten sowie das Südtessin waren zu trocken, sonst war es meist zu feucht. Ganz so einfach lässt sich die Sache aber nicht abhandeln. Vor Ostern gab es nach einer langen Trockenperiode beidseits der Alpen Waldbrände. Am meisten betroffen war die Alpensüdseite. Dies, obwohl es dort anfangs März noch starke Niederschläge gab und im obersten Maggiatal im März 355 Millimeter Niederschlag verzeichnet wurden.

Sonnenaufgang im Gürbental mit etwas Bodendunst

Bildlegende: Sonniger Frühling Insgesamt war der Frühling 2017 sehr sonnig. Franziska Zumstein

Die Sonne schaute immer wieder vorbei

Der Frühling war in der ganzen Schweiz deutlich zu sonnig. Vielerorts gab es 150 Stunden Sonnenschein mehr als in einem Durchschnitts-Frühling. Massgeblich Anteil an diesem Plus hatte der Monat März, wo es beispielsweise in St. Gallen rund 170 Prozent der üblichen Sonnenstunden gab. Vom Rekord-Frühling 2011 sind wir allerdings ziemlich weit entfernt. In Basel wurden damals nochmals 120 zusätzliche Sonnenstunden gezählt.

Was verspricht der Sommer?

In den kommenden Tagen geht es sommerlich weiter. Allerdings muss ab Dienstag immer wieder mit Schauern und Gewittern gerechnet werden. Ein Kälteeinbruch ist nach heutigen Modellen noch länger nicht in Sicht, entsprechend dürfte es auch am Pfingsten warm weiter gehen. Zuverlässige Saisonprognosen sind aber weiterhin nicht zu machen.