Juli 2014: Viel Regen, aber vor drei Jahren war es noch kühler!

Gigantische Regenmengen verursachten in diesem Monat in vielen Teilen der Schweiz Überschwemmungen und Murgänge. Stellenweise fielen mehr als 400 Millimeter Regen, auf dem Moléson gab es viermal soviel Regen, wie sonst im Juli. – Überraschend: Vor drei Jahren war der Juli noch rund ein Grad kühler!

Regen, Regen, Regen. Statt Sommerlust gab es im Juli 2014 Regenfrust. Nicht nur das: Verbreitet sorgten die heftigen Regengüsse für Überschwemmungen und Murgänge. Die grössten absoluten Niederschlagsmengen gab es auf dem Moléson im Kanton Freiburg und auf dem Säntis. Dort wurden je etwa 440 Millimeter Regen verzeichnet. Oberhalb der 400 Millimeter-Marke lagen auch noch die Messstationen auf dem Titlis und auf dem Napf, der Wasserscheide zwischen den beiden Unwettergebieten Emmental und Entlebuch.

Teilweise überfluteter Gehweg bei Bern.

Bildlegende: Hochwasser Bern Schon am 13. Juli trat die Aare bei Bern teilweise über die Ufer. David Volken

Auch im Süden riesige Regenmengen

In bewohnten Gegenden lag der maximale Messwert bei rund 380 Millimetern Regen in Stabio bei Chiasso. Dort machte sich vor allem der Starkregen vom 28. auf den 29. Juli bemerkbar, der allein rund 150 Millimeter zum Monatstotal beitrug. Mehr als 350 Millimeter Monatsniederschlag wurden aber auch in Plaffeien (FR), in Engelberg (OW), in Langnau im Emmental und in Lugano verzeichnet. Örtlich gab es mit Sicherheit noch grössere Regenmengen. Da gerade Starkniederschlagszellen aber zum Teil sehr geringe Ausdehnungen haben, können sie nie vollständig erfasst werden. Ein solches Ereignis suchte die Region Schangnau am 24. Juli heim. Dabei kam es an der Emme zu einem statistisch 300-jährigen Hochwasser.

Ein brauner Strom wälzt sich durch die Gemeinde Schüpfheim.

Bildlegende: Unwetter Schüpfheim Am 28. Juli führte ein Unwetter in Schüpfheim zu Überschwemmungen. Martina Müller

Teilweise nassester Juli seit Messbeginn

Vor allem in der Nordwestschweiz, dem Jura entlang, im Wallis sowie an den Voralpen, vom Greyerzerland bis in den Kanton Obwalden, war es der nasseste Juli seit Beginn der jeweiligen Aufzeichnungen. Besonders eindrücklich: In Engelberg wurde selbst der Rekordjuli aus dem Jahre 1891 noch um gut 30 Millimeter übertroffen.

Kühl und doch bis knapp 35 Grad

Es erstaunt kaum: Bei Dauerregen war es kühl. Auf der Alpennordseite lagen die Temperaturen im Bereich des Durchschnitts der wissenschaftlich-relevanten Periode 1961 – 1990, im Tessin war es leicht zu kühl. Nimmt man als Referenz den Erwartungswert der Jahre 1981 bis 2010, war es im Norden 1, im Süden 1,5 Grad zu kühl. Dieser kühle Juli ist in der jüngsten Vergangenheit kein Einzelfall. Schon 2011 war der Juli eine kühle Angelegenheit. Damals lagen die Temperaturen im Norden sogar noch ein Grad tiefer, und auch im Juli 2012 war es ähnlich kühl wie jetzt. Dass die Monatstemperaturen nicht noch tiefer lagen, war vor allem einer kurzen Hitzeperiode Mitte Monat zu verdanken. Am 19. Juli stieg das Thermometer in Bad Ragaz bis auf 34,9 Grad. Ähnlich heiss war es mit Föhnunterstützung auch in Chur mit 34,7 Grad. Schon am Vortag wurden in Sitten 34,0 Grad registriert. Bescheiden dagegen die Südschweiz: Dort lag die Höchsttemperatur nur gerade bei 30,7 Grad gemessen in der Magadinoebene.

Regenvorhang über Basel.

Bildlegende: Schauer über Basel Am 6. Juli entlud sich ein heftiger Schauer über Kleinbasel. Anton Schöpfer

Sonne war ganz schlecht drauf

Wenig verwunderlich ist auch, dass es nur selten sonnig war. An vielen Orten gab es nur 70 Prozent des üblichen Sonnenscheins. Krass fällt vor allem der Vergleich zum Vorjahr aus. Damals gab es an vielen Orten doppelt so viel Sonnenschein wie 2014, in Chur beträgt der Unterschied rund 130 Stunden. So trüb wie jetzt war der Juli zum Teil seit 1987 nicht mehr.