Juli 2015: ein Monat der meteorologischen Superlative!

Der Juli 2015 war an einigen Orten, vor allem im Süden und Westen, der heisseste Monat seit mehr als 150 Jahren. In Genf wurde mit 39,7 Grad auch die höchste Temperatur auf der Alpennordseite verzeichnet. Dazu war es sehr trocken, besonders im Kanton Freiburg liegen die Werte nahe am Juliminimum.

Im Juli 2015 konnte mancher warme Abend genossen werden, so am 17. Juli am Zugersee.

Bildlegende: Tolle Sommerabende Im Juli 2015 konnte mancher warme Abend genossen werden, so am 17. Juli am Zugersee. Simon Andrews

Am Freitagabend geht aus meteorologischer Sicht ein Rekordmonat zu Ende, der in aller Munde war. Im Mittel war es im Norden rund 4,5 Grad und im Süden 5 Grad zu heiss im Vergleich zur klimatologisch relevanten Referenz 1961 – 1990. Im Mittel- und Südtessin war es verbreitet der heisseste Monat überhaupt seit Messbeginn, ebenso am westlichen Genfersee, in Teilen des Rhonetals und teilweise auch im Engadin und in den Bündner Südtälern. In weiten Teilen der Deutschschweiz verhinderte allerdings die eher kühle letzte Juliwoche absolute Monatshöchstwerte.

Die Hitze im Gebirge sorgte für eine rasche Ausaperung und starke Gletscherschmelze. Bild vom Lötschenpass.

Bildlegende: Ausaperung Die Hitze im Gebirge sorgte für eine rasche Ausaperung und starke Gletscherschmelze. Bild vom Lötschenpass. Franz Schweizer

Temperaturhöchstwerte in Hülle und Fülle!

Nicht nur die Monatsmitteltemperaturen sorgten für Rekorde, auch alle übrigen Temperaturwerte lagen auf Rekordniveau. Die absolute Höchsttemperatur von 41,5 Grad, gemessen am 11. August 2003 in Grono, wurde allerdings nicht übertroffen. 39,7 Grad am 7. Juli in Genf bedeuteten aber einen neuen Höchstwert für die Alpennordseite. Der alte Rekordwert für den Norden lag mit 38,9 Grad fast ein Grad tiefer, gemessen am 28. Juli 1921 ebenfalls in Genf. In Davos, Arosa, Engelberg, Bern, Freiburg, Neuenburg, Langnau im Emmental, Sitten, Aigle (VD), und Nyon wurden wie in Genf ebenfalls absolute Höchsttemperaturen für den jeweiligen Standort registriert. Besonders eindrücklich war die Hitzewelle in Genf. Von den 10-höchsten in der Calvinstadt je gemessenen Temperaturen stammen allein 5 aus dem Juli 2015.

Hitzetage und Tropennächte

Südlich der Alpen war die Hitzespitze nicht ganz so hoch wie im Norden. Die feuchtere Mittelmeerluft verhinderte absolute Rekorde. Die höchste Temperatur wurde im Süden erst am 22. Juli mit 36,8 Grad in Locarno-Monti erreicht. Immerhin die dritthöchste je in Locarno registrierte Temperatur. Die ausgewogene schwüle Sommerhitze sorgte aber für andere Extremwerte. In Locarno und Chiasso gab es in diesem Monat 23 Hitzetage, also Tage mit mehr als 30 Grad. In weiten Teilen des Tessins war sogar jeder Tag ein Sommertag. Die Schwüle machte sich auch in der Nacht bemerkbar. In Locarno wurden 22 Tropennächte verzeichnet, in Lugano 21, also Nächte in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sank. Hitze am Tag und schwül-warme Nächte führten noch zu einem anderen Rekord. In Lugano wurde am 21. Juli eine durchschnittliche Tagestemperatur von 28,5 Grad gemessen, auch dies ein neuer Rekord. Ebenfalls Eingang in die Rekordliste finden die 15 Hitzetage am Stück in Sitten.

In der ersten Julihälfte war es oft wolkenlos. Sonnenaufgang am 17. Juli auf dem Säntis

Bildlegende: Sonne von früh bis spät In der ersten Julihälfte war es oft wolkenlos. Sonnenaufgang am 17. Juli auf dem Säntis Josef Lussmann

Sonne wie noch nie

Im ganzen Land machte die Sonne massiv Überstunden. Auf dem Chasseral und in Neuenburg ist der Juli 2015 jetzt schon der sonnigste Monat überhaupt! Auch am Genfersee dürfte es zumindest der sonnigste Juli, teilweise aber auch dort der sonnigste Monat seit Beginn der systematischen Messungen werden. Absolut gesehen liegt Nyon an der Spitze mit jetzt schon mehr als 320 Stunden Sonnenschein. In der Deutschschweiz wurden die maximalen Sonnenscheinwerte, die meist aus dem Juli 2006 stammen, nicht erreicht.

Hitze, Sonne und fehlender Regen sorgten für grosse Trockenheit, so im Emmental.

Bildlegende: Trockenheit Hitze, Sonne und fehlender Regen sorgten für grosse Trockenheit, so im Emmental. Rudolf Klaey

Zu trocken und doch Unwetter

Im ganzen Land war es viel zu trocken, und es herrscht teilweise immer noch Waldbrandgefahr. Immerhin führte der Regen der vergangenen Tage zu einer leichten Entspannung. Vor allem im Kanton Freiburg bewegt sich die Niederschlagsmenge im Bereich des Juliminimums. Heftig waren dagegen einzelne Gewitter. So gingen im Bleniotal in einer einzigen Stunde 70 Millimeter Regen nieder, insgesamt fielen dort rund 180 Millimeter Niederschlag. Grosse Schäden verursachten die Gewitter im Unterengadin, vor allem im Val S-charl. Der Regenmesser in Scuol wurde von den Gewittern aber nur gestreift und so sind dort die Messwerte nicht repräsentativ für die Region.

Zum Monatsende gab es immer häufiger dicke Wolken, wie hier im Melchtal am 25. Juli.

Bildlegende: Wolkiges Ende Zum Monatsende gab es immer häufiger dicke Wolken, wie hier im Melchtal am 25. Juli. Ursula Wicki

Wann kommt der Sommer zurück?

Der Juli geht im Norden eher kühl zu Ende und auch der 1. August wird wettermässig keine Offenbarung. Ab Sonntag kommen wir wieder in deutlich wärmere Luft und am Montag dürfte an vielen Orten die 30 Gradmarke wieder übertroffen werden.