Kälte- und Wärmeempfinden

Der Windchill und die gefühlte Temperatur sind konstruierte Messgrössen, die versuchen dieses Empfinden in einer Zahl wiederzugeben. Ersteres berücksichtigt abgesehen von der Temperatur nur den Wind, letzteres umfasst allerlei Messgrössen.

Ein kleiner Junge steht vor einem Fenster. Es ist von der Feuchtigkeit beschlagen. Draussen an der Hauswand ist ein Thermometer zu sehen. Es zeigt -20 Grad.

Bildlegende: Die gefühlte Temperatur kann in Mitteleuropa bis 15 Grad von der gemessenen Temperatur abweichen. Keystone

Das wechselhafte Wetter in diesen Tagen stellt so manch ein Wintersportler oder Fasnächtler vor die schwierige Wahl der angemessen warmen Winterbekleidung. Mal ist es mild, mal ist es unangenehm nass und kalt. Mal peift einem ein stürmischer Wind um die Ohren, mal ist es windstill. Verantwortlich dafür ist die westliche Höhenströmung über Mitteleuropa, die je nach Richtung des Bodenwindes abwechselnd mal sehr milde, mal etwas kühlere Atlantikluft heranführt. Die Luftdruckgegensätze zwischen Nord- und Südeuropa sind dabei gross und damit auch die Gefahr von Winterstürmen. Ob es am kommenden Montag jedoch zu einem ausgewachsenen Sturm in der Schweiz kommt, ist allerdings noch offen.

Bei dieser unbeständigen und «ungemütlichen» Grosswetterlage stimmt die vom Thermometer tatsächlich angezeigte Temperatur und die gefühlte Temperatur häufig nicht überein. Grund dafür ist ein von Person zu Person unterschiedliches Kälte- und Wärmeempfinden. Der Windchill und die gefühlte Temperatur sind konstruierte Messgrössen, die versuchen dieses Empfinden in einer Zahl wiederzugeben.

Windchill

Bei starkem Wind fühlt sich die Temperatur niedriger an als die tatsächlich gemessene Temperatur. Grund dafür ist der grössere Wärmeverlust der Haut. Wird die warme Luft an der Hautoberfläche vom kühlen Wind weggeblasen, verliert der Körper kontinuierlich Wärme. Die Luft fühlt sich kälter an.

Während für den Fasnächtler in Luzern der Windchill die nächsten Tage kaum eine Rolle spielt, muss der Wintersportler auf dem Titlis sich warm einpacken. Mit Spitzenböen von 107 km/h am Montag und Höchstwerten von -6 Grad, würde sich dies auf dem Gipfel nach -20 Grad anfühlen!

Gefühlte Temperatur

Im Extremfall kann der Unterschied zwischen gemessener und gefühlter Temperatur in Mitteleuropa bis 15 Grad betragen. Dies aber nicht nur wegen des Windeinflusses. Andere ebenso zentrale Einflussfaktoren sind Luftfeuchtigkeit, direkte Sonneneinstrahlung, Bewölkung, Aktivitätsgrad des Menschen, Körpergrösse, Gewicht und Bekleidung. All diese Grössen fliessen bei der Berechnung der gefühlten Temperatur mit ein und sollten bei der Kleiderauswahl berücksichtig werden.