Malojawind - der verkehrte Talwind

Der Malojawind ist eigenwillig. Der thermische Wind bläst im Gegensatz zu allen anderen Talwinden talabwärts. Mit einer Windstärke von 3 bis 6 Beaufort füllt er die Segel und Drachen aller Wassersportler im Oberengadin.

Es ist der Malojawind, der Silvaplana zum Mekka für Wassersportler macht. Windsurfer, Kiter und Segler nutzen vor allem in den Hochsommermonaten Juli und August die Kraft des thermischen Windes und tragen regelmässig Regatten aus. Es ist ein eigenwilliger Wind, der eigentlich in die falsche Richtung bläst. Man erinnere sich, in der Schule hiess es: «der Talwind bläst tagsüber talaufwärts und der Bergwind nachts talabwärts». Beim Malojawind ist es genau umgekehrt, anstatt talaufwärts, weht er tagsüber talabwärts. Der Grund liegt in der Topographie. Den Impuls des Windes muss man im Bergell suchen. Das Oberengadin mit über 50 Kilometern Länge sinkt von Maloja bis Zernez nur rund 350 Meter. Das Bergell hingegen steigt von Chiavenna bis Maloja über eine Länge von 20 Kilometern von 300 Metern auf 1800 Meter über Meer an. Das zur Sonne steil stehende Gelände vom Bergell heizt sich am Morgen rasch auf und es entsteht ein Wärmetief über den Felsplatten vom Malojapass. Der Talwind kommt schon früh und kräftig in Gang.

Da das Oberengadin in Richtung Bergell keinen Talabschluss besitzt, kann die relativ kühle Luft ungehindert über den Malojapass in Richtung Silsersee, Silvaplanersee und St. Moritzersee ausströmen. Bis nach Pontresina kommt der Malojawind nur selten. Der Luftstrom wird zusätzlich durch die im Oberengadin hangaufwärts wehenden Winde angesogen. Der Motor des kuriosen Windes ist die Sonne. So wie bei allen anderen thermischen Windsystemen braucht es grundsätzlich Hochdrucklagen mit guter Sonneneinstrahlung. An typischen Malojawind-Tagen gibt es auf dem Silvaplanersee zwischen 4 und 5 Beaufort mit Böen um 6 Beaufort (Windstärke). Dies entspricht Böen von knapp 50 Kilometer pro Stunde. Meist setzt der Wind bereits kurz vor Mittag ein und legt dann rasch an Kraft zu. Erst ab dem späteren Nachmittag lässt die Kraft des Windes allmählich nach. Wie fast alle thermischen Windsysteme sind sie extrem anfällig auf «Störungen». Störungen sind facettenreich und können einen abschwächenden oder aber auch verstärkenden Effekt auf den Wind haben. So gelten zum Beispiel der Aufzug von Wolken oder eine Höhenströmung aus nördlicher bis südöstlicher Richtung als eher abschwächend. Verstärkt wird der Wind oft bei einer westlichen bis südwestlichen Höhenströmung. Das Oberengadin hat zwar auch einen talaufwärts wehenden Wind (genannt «Brüscha»), er ist aber schwach. Wegen der geringen Neigung von Zernez bis Maloja hat die «Brüscha» keine Chance gegen den talabwärts wehenden Malojawind.

Nächste Woche herrschen wieder gute Bedingungen für Malojawind

In den letzten sonnigen Sommerwochen funktionierte der Malojawind oft sehr gut. Bis Montag ist die Wetterlage im Oberengadin eher unstabil. Danach liegen wir grundsätzlich wieder im Hochdruckeinfluss und ab Dienstag oder Mittwoch wird der Malojawind zusätzlich durch die südwestliche Höhenströmung unterstützt.