«Objektive» Kriterien für den Winter

Der milde Schweizer Winter 2015/16 ist auf Rekordkurs, aber wann ist aus objektiver Sicht ein Winter kalt, normal oder mild?

Subjektiv, der gefühlte Winter

Zitat: Hamburger Abendblatt 26.02.2010: «Wochenlang schien der Winter kein Ende zu nehmen. Trotzdem erreichen die Frostmonate in der Rangliste der kältesten Winter nur Platz 20». In der Schweiz war es damals ebenfalls sehr kalt.

Objektiv: die Kältesumme

Sie wird aus der Summe aller negativen Temperaturmittel zwischen dem 1. November und dem 31. März gebildet.

Zum Beispiel: Ergibt sich an einer Messstation aus der Mittelung der Temperaturen vom Morgen, Mittag und Abend -3.4 Grad, wird genau dieser Werte (3.4) zur allenfalls schon bestehenden Kältesumme addiert.

In der Vergangenheit (1755 bis 2000) wurde ein Winter mit Kältesumme 100 als extrem milder Winter eingestuft. Die Kältesumme für einen strengen Winter musste mindestens bei 300 liegen. Im nun veränderten Klima sollte man diese Einteilung besser neu überdenken.

Kenngrösse eines Winters

unter 100
sehr milder Winter
100 bis 200
normaler Winter
201 bis 300
mässig strenger Winter
301 bis 400
strenger Winter
über 400sehr strenger Winter

Nach dieser Einstufung gab es im Schweizer Mittelland - im Jahr der Seegfrörni 1962/63 - den letzten wirklich sehr strengen Winter.

Trotz Ausnahmen - klarer Trend zu milderen Wintern

Wintertrend

Bildlegende: Wintertrend Annalen der Meteorologie

Vor der Jahrtausendwende gab es zwar auch milde Winter, in der Regel waren die kalten Winter in der Überzahl und es ergab sich kein deutlicher Trend. In den vergangenen fünf Jahrzehnten haben sich die Verhältnisse, wie dies die Abbildung zeigt, langsam umgedreht. Die Kältesummen der Winter sind nun mehr oder weniger rasch am sinken.

Winters 2015/16: eine Zwischenbilanz

Verbreitet winterlich war es bis jetzt nur während einer kurzen Kältephase im Januar. Vom 17. bis zum 19. Januar sackten die Mitteltemperaturen im Flachland 3 bis 8 Grad unter dem langjährigen Schnitt.

Nach diesem «Blitzwinter» ging es mild, teils stürmisch aber auch nass weiter. In der Bodenseeregion und in der Nordwestschweiz wurden 100 Jahre alte Niederschlagsrekorde übertroffen. Im Süden besteht hingegen immer noch ein Niederschlagsdefizit.

Im aktuell extrem milden Winter beträgt die Kältesumme in Basel um 8, in Zürich rund 14, in Bern etwa 17 und in St. Gallen nur 22. Selbst wenn im März noch Kältephasen kommen, einen Winter im herkömmlichen Sinn gibt es diesmal nicht!