SKI-WM: Für Spannung ist weiterhin gesorgt. Auch meteorologisch.

Die Schweiz liegt wettermässig zwischen Hochs und Tiefs. In prognostischer Hinsicht eröffnet das den Raum für Fragen und Spekulationen. Wir geben Auskunft.

SRF Meteo erstellt an der Ski-WM detaillierte Wetterprognosen für die Rennleitung und für das OK. Die WM-Verantwortlichen interessieren sich ausschliesslich und nur für die Verhältnisse im Pistengelände auf der Corviglia zwischen Start und Ziel:

  • Wie hoch ist die Wolkenbasis
  • Wie steht es mit der Sicht auf den verschiedenen Pistenabschnitten
  • Woher und wie stark bläst der Wind?
  • Ist mit Schneefall zu rechnen – und wenn ja: wann und wieviel?
Ein riesiger raumfüllenden Computerschrank

Bildlegende: Diese Maschine vermag mehrere 1000 Billionen Operationen pro Sekunde zu bewältigen (2 x 3'593 Teraflops). ECMWF

Für die punkt- und zeitgenaue Beantwortung all dieser Fragen stützt sich SRF Meteo auf eine riesige Flut von Daten. Besonderes Gewicht tragen die computerberechneten Prognosen – die sogenannten Wettermodelle. Das wichtigste (weil insgesamt weltbeste) Wettermodell stammt vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen ECMWF.

Diese Daten nimmt der Meteorologe und erstellt mit seinem Wissen und mit seiner Erfahrung die Prognose für einen Punkt irgendwo auf dieser Welt. Wie eben für Salastrains.

Näherungen sind gut, aber nicht immer exakt.

Das globale Wettergeschehen ist von Natur aus extrem komplex. Die Berechnung des Wetters für die Zukunft ist es erst recht. Das künftige Verhalten von Wind und Wetter im dreidimensionalen Wetterraum kann daher niemals mit endgültiger Sicherheit über mehrere Tage im Voraus exakt berechnet werden. Wir Meteorologen erhalten daher stets nur Näherungen im Sinne einer „mutmasslichen“ Lage der Hochs, der Tiefs, der Fronten oder des Feuchtegehalts der Luft an einem bestimmten Ort. Je weiter hinaus die Prognose geht, desto grösser werden üblicherweise die Unsicherheiten. Manchmal gibt es selbst für den nächsten Tag noch Fragezeichen. Trotzdem: Dank der enormen Rechenleistung der modernen Wettercomputer wie derjenige vom ECMWF sind auch die Langfrist-Prognosen heutzutage um ein vielfaches besser als noch vor wenigen Jahrzehnten. Und sie werden immer besser!

Kombinationsrennen am Freitag: Wer gewinnt?

Am Freitag könnte der Wettkampf der Damen auf der Piste auch mit einem Wettkampf mit dem Wetter verbunden sein. Dann nämlich liegt die Schweiz am Rande eines Tiefs, das in rund 5000 Metern Höhe knapp westlich von uns vorbei schrammt. Was aber heisst „knapp“? Genau diese Frage beschäftigt derzeit die Meteorologen und das OK. Denn das ECMWF hat die Zugbahn des Tiefs offenbar (noch) nicht vollständig im Griff:

Eine Frage von ein paar 100 Kilometern.

100 Kilometer näher oder weiter weg vom Jura bedeuten für die Kombinationsrennen der Damen am Freitag ziemlich anderes Wetter. Im schlechtesten Fall bringt kräftiger Südwestwind wolkenreiche Schneeluft in den Pistenraum. Im besten Fall gewinnt die Sonne die Überhand. Noch ist dieses Rennen offen. Und selbst wenn das Tief näher kommt als derzeit erwartet, muss der Feuchteschub aus Süden noch nicht zwingend schon am Freitagvormittag im Oberengadin eintreffen.

Halten wir es also wie bei den Rennen: Wir drücken die Daumen – auf dass das Tief verliert!