War der Juni bis jetzt wirklich so mies?

Der Juni 2015 präsentierte sich bis jetzt als graue Maus. Bestenfalls war die Sonnenscheindauer biederer Durchschnitt, und verbreitet war es nass. Trotz allem ist es mild. Die Nachmittagstemperaturen liegen meist 2,5 Grad über dem Schnitt, und in Zürich gab es bereits 9 Sommertage.

Letzte Woche titelte die Boulevardpresse: „Es reicht mit schlechtem Wetter.“ Gleichzeitig wurde andernorts über die Schafskälte gejammert. Da stellt sich für den Meteorologen die Frage: Was ist schlechtes Wetter, und war es wirklich so schlecht?

Am 7. Juni gab es über dem Vierwaldstättersee strahlenden Sonnenschein.

Bildlegende: Die Ausnahme Am 7. Juni gab es über dem Vierwaldstättersee strahlenden Sonnenschein. Doreen Hug

Schon jetzt viel zu mild

Bis jetzt war der Juni nördlich der Alpen rund 2,5 Grad zu warm im Vergleich zur Referenz 1961 bis 1990 und selbst im Vergleich zum Erwartungswert 1981 bis 2010 war es ungefähr 1,5 Grad wärmer als üblich. In der Romandie war es zum Teil sogar mehr als 3 Grad wärmer als sonst zu dieser Jahreszeit. Der Wärmeüberschuss hat im Übrigen nicht nur mit den warmen Nächten zu tun. Auch die Nachmittagstemperatur war in Zürich beispielsweise 2 Grad höher als sonst im Juni.

Sommertage und Hitzetage: alles ok!

Im Norden der Stadt Zürich gab es schon jetzt 9 Sommertage im Juni 2015. Normal wären rund 7 Sommertage bis zum Monatsende. Allerdings: Seit dem Jahr 2000 war es nur 2001, 2005 und 2009 bescheidener mit den Sommertagen. Auch bei den Hitzetagen ist rein statistisch alles im grünen Bereich: 2 Hitzetage gab es schon im Juni 2015. Am 5. und 6. Juni wurden im Norden der Stadt Zürich Höchsttemperaturen von mehr als 30 Grad gemessen. Statistisch gibt es nur alle zwei Jahre schon einen Hitzetag im Juni. Letztmals war der Juni in Zürich im Übrigen 2009 hitzefrei.

Auch über Büsserach machte sich die Sonne am 12. Juni rar.

Bildlegende: Grau dominiert Auch über Büsserach machte sich die Sonne am 12. Juni rar. Hildegard Lieberherr

Wo liegt das Problem?

Warm ist nicht gleich warm! Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad werden nicht als wirklich warm wahrgenommen, wenn die Sonne fehlt. Richtiges Badewetter-Feeling kommt nur auf, wenn man sich an der Sonne auch wieder aufwärmen kann. Dazu gab es bis jetzt aber eindeutig zu wenig Sonnenschein. In weiten Teilen des Mittellandes liegen wir bis jetzt bei 60 bis 70 Prozent des üblichen Juni-Sonnenscheins. Da braucht es bis zum Monatsende noch einen gewaltigen Endspurt um wenigstens den Normwert zu erreichen.

Auf dem Bretzwilerstierenberg lag am 10. Juni Nebel.

Bildlegende: Juninebel Auf dem Bretzwilerstierenberg lag am 10. Juni Nebel. Franz Schweizer

Hat das Ganze System?

Milde, aber sonnenarme Sommer scheinen rein statistisch zuzunehmen. Auf der Messstation Zürichberg hat die Zahl der „trüben Tage“ seit Beginn des 20. Jahrhunderts im Sommer um rund 30 Prozent zugenommen. Als trüber Tag wird ein Tag mit weniger als 20 Prozent relativer Sonnenscheindauer ausgewiesen. Umgekehrt werden Tage mit mehr als 80 Prozent Sonnenschein als „heitere Tage“ gewertet. Dieser Wert ist umgekehrt um rund 30 Prozent gesunken. Gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Sommer noch gut 27 heitere Tage, also richtig sonnige Tage, sind es nun nur noch 20 Tage. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gab es nur noch zwei Sommer, die deutliche Abweichungen nach oben zeigten. Sowohl im Sommer 2003 als auch im Sommer 2013 gab es deutlich über 30 heitere Tage.

Ist eigentlich nur Physik

Das Phänomen überrascht nicht wirklich. Mit steigender Temperatur kann mehr Wasser verdunsten. Dies führt zu mehr Wasserdampf in der Atmosphäre und tendenzmässig zu mehr Bewölkung.

Der Himmel über Fehraltdorf wirkte am 22. Juni unfreundlich.

Bildlegende: Bedrohliche Wolken Der Himmel über Fehraltdorf wirkte am 22. Juni unfreundlich. Arthur Pfäffli

Findet der Sommer endlich in die Spur?

Am Mittwoch erreicht uns endlich wieder ein Hoch. Damit steigen die Temperaturen. Allerdings wird die Sommermarke von 25 Grad im östlichen Mittelland vorerst noch nicht erreicht, während es in der Romandie und im Wallis sommerlich weitergeht.