Stichwort: Tau Warum am Morgen alles nass ist

In den vergangenen Nächten konnte sich auf den Wiesen starker Tau bilden. Die Bedingungen dazu waren ideal. Nach warmen Tagen kühlte es in den klaren und immer noch langen Nächten stark ab, und so konnte sich auf den Oberflächen der Wiesen, aber auch auf Fahrzeugen viel Tau bilden.

Kühlt sich eine Luftmasse lange genug ab, erreicht sie ihren Taupunkt. Wird die sogenannte Taupunkttemperatur bei konstantem Druck unterschritten, kommt es zu Kondensation und der Wasserdampf wandelt sich zu Nebel um. Am Taupunkt beträgt die relative Luftfeuchtigkeit 100 Prozent. Je mehr Wasserdampf vorhanden ist, desto höher liegt die Taupunkttemperatur.

Grosse Wiese mit unzähligen Tautropfen auf jedem Grashalm.

Bildlegende: Tautropfen Auf jedem Grashalm sitzt ein Tautropfen. FB

Rasen voller Tautröpfchen

Bei Abkühlung in der Atmosphäre bildet sich Nebel. Kühlt eine Oberfläche unter den aktuellen Taupunkt der umströmenden Luft ab, so bildet sich an dieser Oberfläche Tau. Diese Taubildung war in den vergangenen Tagen jeweils in der Früh sehr gut zu sehen. Nach langen, klaren Nächten kühlte sich nicht nur die Atmosphäre in den unteren Luftschichten stark aus, sondern auch die Oberflächen, beispielsweise der Gräser, kühlten stark ab. So war am Morgen praktisch an jedem Grashalm ein Tautropfen zu beobachten. Gleichzeitig waren die Scheiben der Autos durch Tau meist nass.

Tulpen mit Tautropfen

Bildlegende: Abgesetzter Niederschlag Tautropfen fallen nicht, sondern bilden sich auf den Blattoberflächen. Franz Schweizer

Im Gegensatz zu Regen oder Niesel ist Tau aber kein fallender Niederschlag, sondern es ist eine Tropfenbildung an Ort und Stelle durch Kondensation. Man spricht von abgesetztem Niederschlag. Die Taubildung geht in der Regel langsam vor sich. Erst nach einer längeren Kondensationsphase bilden sich kleine (Tau)-Tröpfchen. Durch sogenannte Koaleszenz, also durch ein Zusammenfliessen solcher Kleinsttröpfchen, entstehen allmählich grössere Tropfen. Da gerade an Gräsern die Haftung (Adhäsions) gering ist, fallen die Tautropfen zu Boden. In Trockengebieten kann Tau im Laufe des Jahres einen grösseren Beitrag zur Niederschlagsmenge beisteuern. In unseren Gefilden geht man davon aus, dass der Beitrag des Taus am Gesamtniederschlag in der Grössenordnung von 5 Prozent liegt.

Mit Verdunstung kühlt es nochmals ab

Mit den ersten Sonnenstrahlen verdunsten die Tautröpfchen sehr schnell. Da diese Verdunstung allerdings Energie benötigt, kommt es mit der aufgehenden Sonne zu einer weiteren Abkühlung der überströmenden Luft. Dies ist der Grund, wieso die Tagestiefsttemperaturen jeweils erst etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang erreicht werden.

Noch eine Möglichkeit zur Taubildung

Bei der beschriebenen Taubildung der letzten Tage handelt es sich um Strahlungstau. Es gibt aber auch noch eine zweite Möglichkeit der Taubildung: den sogenannten Advektionstau. Haben sich nach einer langen Kaltphase Oberflächen stark ausgekühlt und folgt dann feuchtwarme Luft kann sich an den Oberflächen ebenfalls Tau bilden. Dieser sogenannte Advektionstau kann noch deutlich stärker ausfallen als der Konvektionstau, da grundsätzlich eine grössere Übersättigung möglich ist.