Willkommener Regen

Der Regen der vergangenen 24 Stunden war für die Natur einen Segen. Für die Landwirtschaft kam der Regen aber eher spät. Zudem geht Trockenheit in einigen Regionen weiter, im Wallis bleibt die Waldbrandgefahr vielerorts hoch.

Karte der Regensumme in der Schweiz.

Bildlegende: Regensumme Die feuchte Luft wurde von Nordwesten her an die Alpen gedrückt. Entsprechend fiel der intensivste Regen am Alpennord... SRF

Vom Sonntagabend bis zum Montagnachmittag fielen am Alpennordhang vielerorts grosse Regenmengen. In einem Streifen vom Raum Interlaken über die Berge der Zentralschweiz bis zum Alpstein prasselten seit Sonntagabend 50 bis 90 mm Regen nieder. Diese grossen Niederschlagsmengen führten zu keinen grösseren Problemen: Erstens fiel der Regen sehr gleichmässig und zweitens hatten Böden und Gewässer nach dem trockenen Wetter genügend Platz für das viele Wasser.

Nass und trotzdem brandgefährlich

Feuerwehr an einem Berghang mit Bäumen. Es sind mehrere Rauchfahnen am Hang erkennbar.

Bildlegende: Waldbrandgefahr Besonders in den südlichen Wallisertälern bleibt die Waldbrandgefahr gross. (Archivbild) Keystone

Nicht alle profitierten gleichermassen vom Nass der letzten Stunden. Im Rhonetal und in den Vispertälern z.B. fiel deutlich weniger Regen. Ausgerechnet in den Regionen, in welchen der August schon besonders trocken war. Einige Lärchen und Laubbäume haben sich deshalb bereits herbstlich verfärbt und es besteht eine sehr hohe Waldbrandgefahr. Gemäss Philipp Gerold von der Dienststelle für Wald und Landschaft (VS) reduziert der Regen in diesen Regionen die Waldbrandgefahr nur geringfügig. Für eine deutliche Entspannung wären 30 bis 50 mm Regen nötig, gefallen sind 5 bis 25 mm. Das schwierige sei nun, so Gerold, dass in der öffentlichen Wahrnehmung nach dem Regen das Gefühl herrsche, die Gefahr sei gebannt. In den nächsten sonnigen und trockenen Tagen bleibt aber die Waldbrandgefahr sehr hoch.(www.vs.ch/de/web/sfp/incendi)

Schwieriges Landwirtschaftsjahr

Regennasse, reife Äpfel

Bildlegende: Die Letzten werden die Grössten sein. Äpfel, welche erst später geerntet werden, können vom Regen noch profitieren. Franz Schweizer

Der Regen kam für die Bauern etwas spät. Die Vegetation bereitet sich bereits auf den Herbst vor. «Als Faustregel im Pflanzenwachstum gilt: Ein Tag im August sind wie eine Woche im September», sagt Lukas Kilcher, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain (BL). Trotzdem sei der Regen willkommen, das Gras könne noch reagieren. Keinen Einfluss mehr hat der Niederschlag auf die in den nächsten Tagen geernteten Äpfel. Die Ernte wird wegen der übermässig nassen ersten und der eher trockenen zweiten Jahreshälfte in der Nordwestschweiz kleiner ausfallen als sonst. Später geerntete Äpfel hingegen können vom Regen noch profitieren und an Grösse und Erträgen zulegen. Generell sei es ein schwieriges Landwirtschaftsjahr gewesen, meint Kilcher. Das feucht-warme Wetter Ende Juni bis Juli habe z.B. den Populationsaufbau der Kirschessigfliege (KEF) stark begünstigt. Bei nicht mit Netzen bedeckten Kirschbäumen kam es zu grossen Ausfällen durch KEF; die Zwetschgen kamen glimpflich davon. Bei den Reben hat das Landwirtschaftliche Zentrum vor einer Woche mit einem flächendeckenden KEF-Monitoring und diversen On-Farm Bekämpfungsversuchen begonnen. Wegen dem nassen Wetter im Frühling und Frühsommer hatten sich auch Pilzkrankheiten stark ausgebreitet und die Blätter der Pflanzen zerstört. Dies vor allem auf Getreide- und Obstkulturen ohne oder mit nur wenig Pflanzenschutz. Die Trockenheit ab August hat nun die Jahresbilanz weiter verschlechtert.

Des einen Leid, des anderen Freud

Das trockene und sonnige Wetter ist aber nicht nur negativ. Viele Ausflugsgebiete, aber auch Badeanstalten konnten nach der miesen ersten Sommerhälfte zumindest teilweise die Verluste wieder wettmachen. Sie können sich auch auf die nächsten Tage freuen: Es wird wieder sehr warm und sonnig.