Wird 2015 das wärmste Jahr in der Schweiz?

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts stagnierten sowohl global wie auch in der Schweiz die Temperaturen. Jetzt steigen sie wieder an. 2014 war bis jetzt das wärmste Jahr in der Schweiz, und nun liegen die Temperaturen nach den ersten neun Monaten noch höher als im Vorjahr.

Das Jahr 2014 war das bisher wärmste in der Schweiz seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahre 1864. Der vorherige Höchstwert, der erst aus dem Jahre 2011 stammte, wurde nochmals knapp übertroffen. Nach dem Hitzesommer ist jetzt auch das Jahr 2015 auf neuem Rekordkurs. Selbst ein kühler September änderte daran nur wenig. Im Locarno und Lugano waren die ersten 9 Monate rund 0,8 Grad wärmer als im Vorjahr. Auch in Genf lagen die Temperaturen in den ersten drei Quartalen weiter über den Werten des Vorjahres. Dort beträgt der Temperaturüberschuss rund 0,4 Grad. In Bern, Sitten oder auch in Zürich war die Periode Januar bis September ebenfalls wärmer als die Vergleichsperiode 2014.

Im Tessin waren die ersten 9 Monate rund 0,8 Grad wärmer als im Vorjahr, im Bild Brissago.

Bildlegende: Im Tessin waren die ersten 9 Monate rund 0,8 Grad wärmer als im Vorjahr, im Bild Brissago. Felix Rutz

Abgerechnet wird am Silvester

Noch bleiben drei Monate bis zum Jahresende. Dabei ist zu beachten, dass im Vorjahr sowohl der Oktober als auch der November extrem warm waren und sich im absoluten Rekordbereich bewegten. Im Süden gab es auch im Dezember noch neue Rekorde, während im Norden die Altjahreswoche eisig war, und die Temperaturen markant zurückgingen. So erstaunt es nicht, dass nach 9 Monaten die Temperaturen im Jahr 2007 noch bedeutend höher waren als in diesem Jahr. Danach folgte aber ein kalter Herbst und so gehörte 2007 nicht mehr zu den wärmsten Jahren.

Mit der allgemeinen Erwärmung schmelzen auch die Gletscher immer stärker, hier der Gemsfairenstock.

Bildlegende: Gletscherschmelze Mit der allgemeinen Erwärmung schmelzen auch die Gletscher immer stärker, hier der Gemsfairenstock. Christoph Diener

Neue Warmphase ist wohl kaum zu leugnen

Am Ende des 20. Jahrhunderts stiegen die Temperaturen weltweit deutlich an. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts folgte sowohl global, wie auch in der Schweiz, eine Stagnation der Temperaturen, allerdings auf extrem hohem Niveau. Diese Stagnation wurde in dieser Form von den Klimamodellen nicht vorausgesehen. Seit Beginn der 10er-Jahre ist nun wieder ein Ansteigen der Temperaturen zu beobachten. So waren in der Schweiz 2011 und 2014 die wärmsten Jahre und in der Arktis wurde 2012 ein absolutes Minimum des Meereises beobachtet. Nach 2007 war die Eisbedeckung in diesem September die drittkleinste. Erst vor einigen Tagen meldete der amerikanische Wetterdienst NOAA, dass der Monat Juli weltweit der wärmste überhaupt gewesen sei. Die amerikanischen Wissenschaftler gehen davon aus, dass 2015 global zum wärmsten Jahr der neueren Geschichte werden dürfte. Sie machen einerseits das Klimaphänomen El Nino im Pazifik dafür verantwortlich, anderseits die hohen Meerestemperaturen. Von einer raschen Abkühlung der Weltmeere wird zurzeit nicht ausgegangen. Tiefere Oberflächentemperaturen der Weltmeere wurden im Übrigen auch für die Stagnation der globalen Temperatur während dem vergangenen Jahrzehnt verantwortlich gemacht.