Zum Inhalt springen

Header

Video
Drohende Hungersnot in Somalia
Aus SRF News Videos vom 11.09.2022.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 18 Sekunden.
Inhalt

Hungersnot in Ostafrika Warum bleibt der Regen aus?

Die Länder am Horn von Afrika erleben derzeit eine katastrophale Dürre, die sich über die letzten Jahre fortlaufend verschlimmert hat. Millionen von Menschen leiden an Hunger. Eine Ursache davon ist ein Windsystem über dem Indischen Ozean.

Vier Menschen helfen einer abgemagerten Kuh auf die Beine.
Legende: Menschen in Äthiopien unterstützen eine hungernde Kuh. Michael Tewelde/World Food Programme/REUTERS

Im Normalfall erlebt Ostafrika zwei Regenzeiten. Eine im Schweizer Frühling, auch bekannt als «langer Regen», und eine im Herbst, bekannt als «kurzer Regen». Seit Herbst 2020 ist in den Regenzeiten jeweils nur wenig Regen gefallen, was zu einer sich zuspitzenden Dürre geführt hat. Was steckt meteorologisch gesehen hinter der anhaltenden Trockenheit?

Tropische Wettersysteme

Auf- und Abwindzonen in den Tropen. Über Ostafrika befindet sich eine Abwindzone.
Legende: Die typischen Luftströmungen in den Tropen. Aufwindzonen sind eher regenreich, Abwindzonen regenarm. NOAA Climate.gov

Absinkende Luft bringt trockenes Wetter. Dies gilt für Hochdruckgebiete in der Schweiz und auch über Afrika. Während bei uns Starkwindzonen in der Höhe die Wetterküche dominieren, geht es in den Tropen subtiler zu und her. Entlang des Äquators befinden sich mehrere Auf- und Abwindgebiete, welche in Zellen organisiert sind. Üblicherweise liegt Ostafrika in einer schwachen Abwindzone, und ist demnach trockener als andere tropische Gebiete.

Einfluss der Ozeantemperatur

Die Regenwahrscheinlichkeit über Ostafrika wird entscheidend durch die Temperatur des angrenzenden Indischen Ozeans reguliert:

  • Ist der angrenzende Ozean überdurchschnittlich warm, führt dies zu mehr Feuchtigkeit, aufsteigender Luft und Regen.
  • Ist der Ozean jedoch eher kühl, verstärken sich die Abwinde über dem Horn von Afrika und Regen wird unterdrückt.

Diese Ozeantemperaturverhältnisse variieren über Jahre hinweg und können über den «Indian Ocean Dipole (IOD)» quantifiziert werden. Ist das Meer um das Horn von Afrika überdurchschnittlich warm, ist der IOD positiv. Bei unüblich kühlem Meer um Ostafrika ist der IOD negativ. Die untenstehende Grafik zeigt den Verlauf des IOD in den letzten Jahren.

Seit 2020 war der IOD lange Zeit in der negativen oder neutralen Phase. Daher die Schlussfolgerung: Niedrige Ozeantemperaturen haben Regen am Horn von Afrika über Jahre hinweg gehemmt. Der stark positive IOD im Jahr 2019 hatte in der Region noch zu Überschwemmungen geführt. Prognosen zeigen übrigens eine leichte Entspannung: Der IOD kehrt zurück in den neutralen Bereich.

Solidaritätstag der Glückskette

Um die Menschen in Ostafrika im Kampf gegen die Hungersnot zu unterstützen, organisiert die Glückskette am 23. November einen nationalen Solidaritätstag.

Andere Einflussfaktoren & Klimawandel

Box aufklappen Box zuklappen

Die Schwankungen im «Indian Ocean Dipole» sind nicht alleine für die Regenwahrscheinlichkeit in Ostafrika verantwortlich. Ebenfalls wichtig ist die «Madden-Julian-Oszillation». Dies sind eher kurzzeitige Variationen der tropischen Aufwinde (Link zu detaillierter Studie). Der IOD ist übrigens eng mit «El Niño/La Niña» verwandt.

Dürren in Ostafrika sind in den letzten Jahren oft vorgekommen. Ein Einfluss des menschengemachten Klimawandels ist jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen. Einzelne Studien haben einen Einfluss festgestellt, andere nicht.

Solidaritätstag der Glückskette am 23.11.2022

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen