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Hitzewelle über der Schweiz
Aus Die Wetterwoche vom 19.06.2022.
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Juni-Hitzewelle Bullenhitze und Tropennacht

Seit Mittwoch plagt uns eine Hitzewelle. Am Freitag wurden in Biasca 36,6 Grad erreicht, und am Samstag waren es in Basel 35,5 Grad. An vielen Orten folgte eine Tropennacht. Die Temperaturen sanken dabei nicht unter 20 Grad. Mit aufkommendem Föhn könnte es am Sonntagnachmittag noch heisser werden.

Badende im Rhein bei Basel, dahinter das Münster.
Legende: Stopp der Hitze Abendliche Abkühlung im Rhein bei Basel. Tagsüber zeigte das Thermometer bis 35,5 Grad. Peter Wehrli

Seit Mittwoch liegen die Nachmittagstemperaturen in der Schweiz meist über 30 Grad. Einen ersten Vorgeschmack auf die Hitzewelle gab es schon am Mittwochnachmittag in Sitten mit 34,4 Grad. Am Freitag wurde es mit Nordföhn vor allem im Süden extrem heiss. Mit 36,6 Grad in Biasca, dies dank Nordföhnunterstützung, wurde die höchste Juni-Temperatur seit Messbeginn aufgezeichnet. Allerdings wird erst seit September 2017 in Biasca gemessen. Am Samstag wurde es vor allem im Norden heiss. In Basel zeigte das Thermometer 35,5 Grad. Das war der bisher höchste Wert nördlich der Alpen im Jahr 2022. Sehr heiss war es aber auch in Visp mit 35,4 Grad und in Delsberg mit 35,0 Grad. Teilweise wurden auch noch höhere Werte gemeldet, diese wurden aber nicht auf einer offizielle Station mit Referenz gemessen.

Vom Napf ist der Blick Richtung Sonnenaufgang gerichtet.
Legende: Napf Auf dem Napf war es die ganze Nacht nie kälter als 18,2 Grad, für eine Tropennacht reichte es knapp nicht. Elias Frey

Die Nacht der Nächte

An zahlreichen Orten in der Schweiz gab es in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine sogenannte Tropennacht. Das heisst, die Temperatur sank die ganzen Nacht nicht unter 20 Grad. In den Föhngebieten und in leicht erhöhten Lagen fiel die Temperatur zum Teil nicht unter 22 Grad, so in Bad Ragaz/SG und in Sevelen/SG oder auch in Evionnaz/VS. Auch am Genfersee und am Neuenburgersee gab es eine Tropennacht oder auch auf den Jurahöhe, so in Rünenberg/BL. Noch spektakulärer als die Minimumtemperatur war aber die Situation am Morgen um 4 Uhr. In Gersau wurden zu jenem Zeitpunkt 28,5 Grad gemessen, in Sevelen 27,3 Grad.

Nahezu wolkenloser Lago Maggiore am Freitag.
Legende: Locarno/TI Mit Nordföhn gab es am Freitag in Locarno 31,3 Grad. Irene Eichhorn

Potential für den Rekord

Die Tropennacht bietet auch eine Rampe für Rekordtemperaturen. Beträgt die Frühtemperatur nicht 10 Grad, sondern mehr als 20 Grad werden am Nachmittag automatisch höhere Temperaturen erreicht. Schon am frühen Nachmittag um 1 Uhr wurden beispielsweise in Genf 34,4 Grad gemessen, aber auch in Sevelen zeigte das Thermometer 34,0 Grad. Im Laufe des Nachmittages werden nochmals verbreitet Höchstwerte zwischen 32 und 36 Grad erwartet, in den Föhngebieten, zum Teil aber auch dem Jura entlang, liegen 37 Grad drin. Dies würde ein neuer Rekord für den Monat Juni in unserem Land bedeuten. Auch zu Beginn der kommenden Woche geht es mit Temperaturen von mehr als 30 Grad weiter. Für absolute Höchstwerte dürfte es aber knapp nicht mehr reichen.

Wolkenloser Walensee
Legende: Walenstadt Am Samstag war es an vielen Orten lange Zeit wolkenlos. Peter Eicher

Was war bis jetzt die höchste Juni-Temperatur?

In der offiziellen Statistik des staatlichen Wetterdienstes werden die 36,9 Grad vom 27. Juni 1947 in Basel immer noch als Rekord geführt. Allerdings war damals die Messtechnik ganz anders und lässt sich nicht mit der heutigen Instrumentierung vergleichen. Mit der früheren Messtechnik lagen Höchsttemperaturen automatisch höher. Während der letzten Juni-Hitzewelle im Jahre 2019 wurden am 28. Juni in Sitten ebenfalls 36,9 Grad und am 30. Juni sogar 37,0 Grad gemessen. Diese Werte wurden aber nachträglich nach unten korrigiert, da die Station am Flughafen Sitten nicht mehr der internationalen Referenz entsprach.

Blick auf den Märjelensee.
Legende: Fiescheralp/Märjelensee. Die Alpen sind weitgehend ausgeapert. Kein Wunder, die Nullgradgrenze liegt bei rund 4300 Metern. Klaus Minnig

Die heisseste Zeit des Jahres folgt noch

Absolute Höchsttemperaturen im Juni sind eher selten. Die heisseste Phase des Jahres wird in der Regel erst während der Hundstage zwischen dem 23. Juli und dem 23. August erreicht. Analysiert man die Jahreshöchstwerte in der Schweiz im 21. Jahrhundert noch etwas genauer, dann ist zu sehen, dass neun Mal der Jahreshöchstwert im Juli auftrat, acht Mal im August und nur 5 Mal im Juni und auch die absoluten Höchstwerte waren im Juli und August deutlich höher als im Juni. Für August liegt der absolute Höchstwert bei 41,5 Grad (2003) und im Juli waren es 39,7 Grad (2015). Da nehmen sich die aktuellen Temperaturen eher bescheiden aus.

Woher stammt die Hitze?

Seit Tagen befindet sich ein Tiefdruckgebiet vor der portugiesischen Atlantiküste, dort wo sich eigentlich das klassische Azorenhoch zu diesem Zeitpunkt befinden sollte. Die Folge davon ist, dass sich von Spanien bis zu den Alpen in den letzten Wochen immer wieder Südströmungen einstellen konnten. Diese brachten schon vor rund einem Monat die ersten Hitzetage in der Schweiz. Spanien leidet seit Tagen unter Dauerhitze. Im Raum Sevilla – Cordoba werden fast konstant Temperaturen um 40 Grad erreicht mit Höchstwerten bis 43 Grad. Da sich das Tiefdruckgebiet jetzt Richtung Biskaya verschiebt, kommt diese Hitze nun Richtung Alpenraum voran. Da die Sonne bei uns aber nicht ganz so steil steht wie in Spanien, werden nicht ganz so hohe Maximaltemperaturen erreicht. Am Samstag verschob sich das Zentrum der Hitze von Südspanien nach Südwestfrankreich. In Biarritz wurden 43 Grad gemessen. Aber auch nahe der Schweizer Grenze gab es 37 Grad, so beispielsweise in Colmar im Elsass.

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