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Martina Mousson: «Die Frage ist, wie viel über die Ziellinie gebracht werden kann»
Aus News-Clip vom 17.11.2020.
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Vor der Schlussmobilisierung Trotz Nein-Trend Mehrheit für Konzernverantwortungs-Initiative

  • Anfang November hätte eine Mehrheit der Stimmberechtigten für die Konzernverantwortungs-Initiative gestimmt.
  • 46 Prozent wären «bestimmt» und 11 Prozent «eher» dafür gewesen und unterstützen somit die Initiative mit 57 Prozent Ja-Stimmen.
  • Die Gegner der Vorlage konnten seit der 1. SRG-Trendumfrage im Oktober acht Prozentpunkte aufholen und liegen bei 41 Prozent.
Konzernverantwortungs-InitiativePersönliche Stimmabsichten (in Prozent)bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 11. November 2020 Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSR32921146

Gemäss der 2. SRG-Trendumfrage von Anfang November konnte die Konzernverantwortungs-Initiative seit der 1. Umfrage im Oktober (63 Prozent Ja) im Verlauf der Abstimmungskampagne eine Ja-Mehrheit (57 Prozent) halten. Waren im Oktober noch 18 Prozent «eher dafür», schrumpfte dieser Anteil inzwischen auf 11 Prozent. Zusammen mit den noch Unentschiedenen (zwei Prozent) werden sie für den Ausgang der Abstimmung entscheidend sein.

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Die Ergebnisse der zweiten SRG-Umfrage zu den Abstimmungen vom 29. November
Aus Tagesschau vom 18.11.2020.
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Während der inzwischen intensivierten Abstimmungskampagne konnten die Gegner der Vorlage acht Prozentpunkte aufholen und die Befürworter verloren sechs Prozentpunkte. Somit läuft der Trend bei der Meinungsbildung in Richtung eines Neins, aber die Unterstützer der Konzernverantwortungs-Initiative haben nach wie vor eine Mehrheit.

Es zeigt sich, dass bei der fortgeschrittenen Meinungsbildung die ablehnenden Argumente seit Oktober die noch Unentschlossenen stärker überzeugt haben.

23104184532921146bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 11. November 2020Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSRKonzernverantwortungs-InitiativeTrend in den Stimmabsichten (in Prozent)10. Oktober8. November

Der Nein-Trend ist eine sehr typische Situation für eine Volksinitiative, sagt Politikwissenschaftlerin Martina Mousson von gfs.bern. Die Konzernverantwortungs-Initiative sei mit viel Zustimmung gestartet und könne einen guten Sockel davon halten. Aber «die tendenzielle Zustimmung bricht aktuell etwas weg und die grosse Frage ist, wie viel davon kann über die Ziellinie getragen werden.»

Parteibindung entscheidet

Parteipolitisch betrachtet ist die Konzernverantwortungs-Initiative ein Anliegen von links, das von Mitte-rechts abgelehnt wird. Seit der Umfrage im Oktober haben sich die Meinungen in den beiden politischen Lagern weiter gefestigt.

Die Frage ist, wie viel von der Zustimmung über die Ziellinie getragen werden kann.
Autor: Martina MoussonPolitikwissenschaftlerin gfs.bern

In der politischen Mitte sind die Anhänger der CVP «gekippt» – sie orientieren sich gegenüber der ersten Umfrage aktuell an der Parole der Mutterpartei; das zeigt der Nein-Trend von 49 Prozent bei 47 Prozent Ja-Anteil.

Der stärkste Umschwung zu einem Nein-Trend zeigt sich bei den Parteiungebundenen. Deren Nein-Anteil hat sich innerhalb eines Monats von 21 auf 41 Prozent fast verdoppelt.

bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 11. November 2020Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSR1218888391341393185733144113859143121217102116034751242Konzernverantwortungs-InitiativeStimmabsichten nach Parteibindung (in Prozent)GrüneSPGLPCVPFDPSVPkeine Partei

Frauen sagen deutlich Ja

Der grösste Graben bei den Meinungen zur Konzernverantwortung besteht zwischen den Geschlechtern. «Der Geschlechterunterschied bleibt bestehen und ist wirklich bemerkenswert. In der ersten Trend-Umfrage vom Oktober war es noch so, dass Frauen [72 %] deutlicher für die Konzernverantwortungs-Initiative waren als Männer [55 %]», sagt Mousson.

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Martina Mousson: «Der Geschlechterunterschied bleibt bestehen – das ist bemerkenswert»
Aus News-Clip vom 17.11.2020.
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«Mittlerweile hat der Nein-Trend in beiden Geschlechtergruppen bei den Männern zu einer Patt-Situation geführt [49 % Ja]. Bei den Frauen aber hält sich eine deutliche Ja-Mehrheit [54 %].»

MännerFrauenbestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 11. November 2020Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSRKonzernverantwortungs-InitiativeStimmabsichten nach Geschlecht (in Prozent)4092113824821254

Entscheiden wird das Ständemehr

Es könnte also trotz allem knapp werden. Sollte es tatsächlich zu einem Ja-Volksmehr kommen, entscheidet bei Volksinitiativen aber immer auch das Ständemehr, betont Mousson: «Wir werden in diesem Fall besonders auf die Kantone der Zentral- und Südostschweiz schauen müssen, weil sie in dieser Frage quasi als ‹swing states› bezeichnet werden könnten.» Das aktuelle Stimmenverhältnis (Ja-Mehrheit) und die Meinungsbildung (Nein-Trend) seien gegenläufig und liessen damit den Abstimmungsausgang offen.

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Martina Mousson: «Für das Ständemehr werden wir auf die Südostschweizer Kantone schauen müssen»
Aus News-Clip vom 17.11.2020.
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Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die 2. Trendumfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 2. und 11. November 2020 durchgeführt. Insgesamt sind die Antworten von 10'069 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt worden.

Telefonisch befragt wurden 1412 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 710 Personen aus der Deutschschweiz, 400 aus der Romandie und 302 aus der italienischsprachigen Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.7 Prozentpunkte. Bei 1400 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.3 und 52.7 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich beantworteten mehrere tausend Personen die Trendumfrage online. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 8'657 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Nach Sprachregionen sind die online Befragten verteilt wie folgt: 7120 Personen in der Deutschschweiz, 2210 in der Romandie und 739 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger Pensionierte als Jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern veröffentlicht zwei Umfragen im Oktober und Anfang November zur Abstimmung vom 29. November 2020. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung. Allerdings sind bei zwei Befragungen Aussagen über einen Trend möglich.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website von gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

HeuteMorgen, 18.11.2020, 06:00 Uhr

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110 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Bühler  (Walter Bühler)
    Ein klares "nein", der Gegenvorschlag ist ein Weg in die richtige Richtung!!
    Wieso liebes SRF sprechen sie so wenig über den Gegenvorschlag!!!!
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  • Kommentar von Michael Schwyzer  (Michael Schwyzer)
    Stell dir für 1 min. vor, du lebst neben einer Zementfabrik, die deine ganze Gemeinde verpestet. Deine Lunge wird langsam zuzementiert und deine zum Trockenen aufgehängen Kleider auch. Der verantwortliche Schweizer Konzern ignoriert den Protest und nutzt das korrupte Rechtssystem, um lokale Klagen grundlos abzuweisen. Dann hörst du gesunde und zufriedene Schweizer*innen, die neben einer Zementfabrik mit Filter wohen, sagen, die KVI sei zu extrem und gefährde ihre Firmen durch böswillige Klagen.
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  • Kommentar von Michael Schwyzer  (Michael Schwyzer)
    Liebe Gegner*innen: Lest doch mal selber den Initiativtext, anstatt der Konzernlobby und ihrem Propaganda-Büro auf den Leim zu gehen!

    Es haftet nur, wer seine* Sorgfaltspflicht vernachlässigt und nur dann, wenn ein kontrolliertes Unternehmen tatsächlich einen Schaden verursacht hat. Das muss der direkt geschädigte Kläger* beweisen.

    Und die allermeisten Schwizer Firmen betrifft dies gar nicht, weil sie keine ausländischen Firmen kontrollieren. Sie müssen nur eine Sorgfaltsprüfung vornehmen.
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