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SRG-Umfrage: Ja-Mehrheit für Verhüllungsverbot
Aus Tagesschau vom 29.01.2021.
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Umfrage zu den Abstimmungen Initiative zum Verhüllungsverbot startet mit Ja-Mehrheit

  • 56 Prozent wollen der Initiative für ein Verhüllungsverbot gemäss SRG-Umfrage zustimmen, 40 Prozent sind dagegen.
  • Die meisten haben sich ihre Meinung bereits gebildet: nur 4 Prozent sind noch unentschlossen.
  • Es zeichnet sich ein Graben zwischen links und rechts ab: Die Wählerschaft der SP und Grünen lehnen die Initiative ab, Sympathisanten der anderen Parteien sagen Ja.

Hätte die Schweiz bereits am 18. Januar über die Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot» abgestimmt, wäre diese deutlich angenommen worden. Zu diesem Ergebnis kommt die erste Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der SRG SSR.

Die Stimmabsichten lassen sich klar anhand der Sympathien für die Parteien festmachen. So sind Stammwähler der SP und der Grünen klar gegen das Verhüllungsverbot, die Sympathisanten aller anderen Parteien sind in der Mehrheit für die Initiative.

Im höchsten ist die Unterstützung bei der SVP: nur 8 Prozent ihrer Anhängerinnen und Anhänger lehnen ihre eigene Initiative ab. Bei der GLP halten sich Unterstützerinnen und Unterstützer mehr oder weniger die Waage.

Martina Mousson von gfs.bern sieht neben dem scharfen Graben zwischen links und rechts vor allem bei der FDP und bei der GLP einen Elite-Basis-Konflikt: «Die Wählerschaften dieser Parteien wollen anders stimmen, als die Mehrheit dieser Parteien im Nationalrat. Deshalb ist hier noch mit Bewegung zu rechnen.»

Die Jungen lehnen die Initiative ab

Auffallend ist weiter, dass Bildungsstand und Alter einen massgeblichen Einfluss auf die Stimmabsicht haben. So lehnen unter 40-Jährige die Initiative mehrheitlich ab. Je höher die Ausbildung der Stimmberechtigten, desto knapper fällt zudem die Zustimmung zum Verhüllungsverbot aus.

Weiter fällt die Zustimmung in der Romandie und in der italienischsprachigen Schweiz höher aus als in der Deutschschweiz.

Die Meinungen scheinen verhältnismässig früh bereits gemacht, was sich einerseits in der kleinen Gruppe an Unentschlossenen ausdrückt.

Andererseits sind auch die Argumente für ein Ja oder ein Nein bereits gut verankert. Eines der am besten verfangenden Argumente für ein Ja ist gemäss Umfrage die Sicherheit. Dazu sagt Mousson: «Es geht eben nicht nur um die Burka, sondern auch um vermummte Demonstranten. Hier haben die Initianten offenbar ein starkes Argument.

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Martina Mousson: «Sicherheit ist starkes Argument der Initianten»
Aus News-Clip vom 28.01.2021.
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Ein wichtiges Argument gegen die Initiative ist hingegen, dass Frauen durch das Burka-Verbot vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden könnten. Trotzdem befürworten auch die Frauen mehrheitlich die Initiative. «Das ist insofern bemerkenswert, als Frauen bei rechten Initiativen in der Regel kritischer sind als Männer», sagt Mousson.

Die Politologin sieht auch keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen der aktuellen Maskenpflicht während der Pandemie und der Zustimmung zur Vorlage. «Die Initianten haben schon früh klargemacht, dass Hygienemasken vom Verbot nicht tangiert sein werden.»

Ob sich die Zustimmung bis zum Abstimmungstermin am 7. März wird halten können, muss sich aber noch zeigen. Die Forscher von gfs.bern kommen zum Schluss, dass die Unterstützung zwar mehrheitlich gefestigt sei – insbesondere bei SVP-nahen und regierungskritischen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern.

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Martina Mousson zum möglichen Abstimmungsausgang
Aus News-Clip vom 28.01.2021.
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Weniger deutlich sei die Unterstützung im Umfeld der FDP, der Mitte und der GLP. Da der Abstimmungskampf eben erst richtig losging, erwarten die Forscher vor allem hier noch Bewegung. «Nach der ersten Umfrage ist es schwierig eine Prognose zur Entwicklung zu machen. In einem Monat wissen wir dann mehr. In der Regel baut sich bei Initiativen jedoch ein Nein über den Verlauf der Kampagne auf», schliesst Mousson.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die Umfrage ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 11. und 24. Januar 2021 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 9067 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Telefonisch befragt wurden 1206 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 705 Personen aus der Deutschschweiz, 301 aus der Romandie und 200 aus der italienischsprachigen Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Bei 1206 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 7861 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Die Aufteilung der online Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 7089 Personen in der Deutschschweiz, 121 in der Romandie und 651 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger ältere Personen als jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern führt zwei Umfragen zur Abstimmung vom 7. März 2021 durch. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Abstimmungsspecial

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Abstimmungsspecial

News und Hintergrund zu den Abstimmungen und Wahlen vom 7. März 2021

SRF 4 News, 29.01.2021, 06.00 Uhr

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Es ist augenfällig, dass diese Initiative bis weit in die Mitte hinein grosse Unterstützung geniesst. Dies hat damit zu tun, dass sie den multikulturellen Toleranznarrativ durchbricht und die wesentliche Frage stellt, wie halten wir es mit der Toleranz von Intolerantem. Die Burka/Niqab sind kein Zeichen liberalen Denkens der Trägerinnen, sondern Uniform des extremen Islamismus. Man mag Toleranz gegenüber der Intoleranz fordern, angesichts von Morges, Marseille, Paris usw erscheint dies naiv!
  • Kommentar von Kurt Eberlin  (KE)
    Es gibt Gründe dafür und dagegen... Was mich aber an dieser Initiative ärgert ist, dass die Parteien (Politiker) hier viel Zeit und viel Geld für Vorgänge im tief privaten Umfeld/Meinung von Menschen finden. In einer Pandemie aber ziehen Sie den Schwanz ein, wenn es darum geht Mietern zu helfen, hier darf dann nicht in privatrechtliche Verträge eingegriffen werden...
  • Kommentar von Walter Dobler  (Guck)
    Ich bin gegen diese Intiative. Auch wenn ich durchwegs für ein Verhüllungsverbot bin, bin ich zunehmend dagegen, dass man solche Anliegen in der Verfassung festhält. Sind wirklich Kleidungsbestimmungen und Bauverbote (Minarett Initiative) verfassungswürdig? Den Politikern, die sagen, es gebe eben nur Verfassungsinitiativen stelle ich die Frage, ob sie schon je versucht haben, Ihre Anliegen auf gesetzesebene zu plazieren.