Annäherung in Storskog dank Visumsfreiheit

Auf der Kola-Halbinsel am Rand der Arktis grenzen Norwegen und Russland aneinander. Eigentlich eine Schengener Aussengrenze, die streng bewacht werden sollte. Doch die beiden Länder haben die schrittweise Einführung der Visumsfreiheit beschlossen. SRF-Korrespondent Bruno Kaufmann war vor Ort.

Der Kontrollpunkt Storskog beim Kloster Boris Gleb. Hier mitten im tiefen arktischen Wald wurden im Kalten Krieg gefangengenommene Agenten zwischen den Supermächten ausgetauscht. Hier war der Kalte Krieg kälter als irgendwo sonst in Europa.

Über die Grenze einkaufen

Und kalt ist es hier auch heute noch. Mindestens jetzt mitten im dunkelsten Polar-Winter. Doch trotz Temperaturen von bis zu minus 40 Grad stauen sich hier an diesem Tag Autos, Busse und Lastwagen. Trend steigend, wie der norwegische Chef des schwerbewachten Grenzpostens, Stein Hansen, bestätigt.

«Das hätte niemand für möglich gehalten. Vor vier Jahren registrierten wir hier in Storskog gerade einmal 100´000 Grenzpassagen pro Jahr, in diesem Jahr sind es schon mehr als 300’000», sagt der oberste Beamte entlang der 196 Kilometer langen Grenze zwischen dem norwegischen Kirkenes und dem russischen Murmansk.

Der Grund für diesen Aufschwung heisst Visumsfreiheit. Sie wurde im letzten Jahr probehalber für eine Zone von 30 Kilometern beidseitig der Grenze eingeführt und erlaubt es einer Ortsbevölkerung von gut 60´000 Menschen, schnell mal auf der anderen Seite einzukaufen – oder Freunde zu besuchen. Und dies obwohl aus sicherheitspolitischen Gründen der Grenzstreifen bis heute vermint ist und wie in Sowjetzeiten mit Stacheldrahtzäunen gesichert ist.

Schrittweise Öffnung

Der Versuch mit der begrenzten Visumsfreiheit ist so positiv ausgefallen, dass die betroffene Zone nun bald ausgedehnt werden soll, erklärt die für Nordostnorwegen zuständige Polizeichefin, Ellen Katrine Haetta:

«Nur ein einziges Mal hat bislang jemand die geltenden Bestimmungen verletzt, deshalb soll die Grenze nun noch offener werden», sagt Haetta. Und macht damit der Bevölkerung auf beiden Seiten der einst so hermetisch abgeschlossenen Grenze ein willkommenes Weihnachtsgeschenk.

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