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International 10 Milliarden warten auf Griechenland

Athen darf auf weitere Finanzspritzen aus der EU hoffen. In den nächsten Tagen wird die Troika vor Ort die Finanzen überprüfen. Erfüllt Griechenland die Forderungen, werden voraussichtlich im Frühsommer Gelder fliessen.

Nach monatelangem Poker mit den internationalen Geldgebern kann das krisengeschüttelte Griechenland auf weitere Milliardenhilfen hoffen.

Die Euro-Finanzminister kündigten eine Rückkehr der Troika-Kontrolleure nach Athen in den kommenden Tagen an. «Wenn jeder seine Arbeit macht, kann die Überprüfung im März abgeschlossen werden», sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Erst nach einem positiven Troika-Votum können neue Mittel aus dem Hilfsprogramm fliessen. Auf europäischer Seite stehen derzeit 10,1 Milliarden Euro bereit.

Talsohle durchschritten?

Tatsächlich könnte die Talsohle in Griechenland durchschritten sein: Laut derzeitigen Schätzungen weist der griechische Staatshaushalt für 2013 erstmals seit Jahren einen Primärüberschuss aus. Das bedeutet, dass der griechische Staat weniger ausgegeben hat als eingenommen – wenn man die Zinszahlungen für die rund 240 Milliarden Euro Schulden ausklammert. Bezieht man die Schuldzinse mit ein, lag das Defizit Griechenlands im letzten Jahr bei vorläufig geschätzten 2,2 Prozent des BIP.

Griechenland braucht Wirtschaftswachstum

Das sei durchaus ein positives Zeichen vor dem Besuch der Troika, sagt Gerd Höhler gegenüber SRF. Er ist Journalist und lebt in Athen. Tatsächlich sei die griechische Wirtschaft letztes Jahr statt um die erwarteten 4,2 Prozent «nur» um 3,7 Prozent geschrumpft. Die Regierung hoffe für 2014 nun gar auf ein Wachstum der Wirtschaft.

«Wenn die Wirtschaft wächst, kann man nicht nur Schulden abbezahlen, dann sinkt auch automatisch die Schuldenquote», führt der Journalist aus. Insofern sei das Wachstum der Schlüssel für Griechenland. Hier sei vor allem das Wachstum bei den Investitionen von entscheidender Bedeutung.

Antonis Samaras hält mit der Hand die Unterlippe und schaut in die Kamera, im Hintergrund eine EU-Flagge
Legende: Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras wartet auf das grüne Licht der Troika. Reuters

Hilfsprogramm im Umfang von 240 Milliarden Euro

Griechenland hatte die Zusage für internationale Hilfsprogramme mit einem Umfang von insgesamt rund 240 Milliarden Euro erhalten. Auf europäischer Seite läuft das Programm Ende dieses Jahres aus, der Internationale Währungsfonds (IWF) ist hingegen noch bis Anfang 2016 in der Pflicht.

Die Eurostaaten machten am Montag zudem deutlich, dass sie es bei möglichen Zusatzhilfen für Athen überhaupt nicht eilig haben. «Es gibt keinen dringenden Grund, über die Zukunft und eine Nachfolge des Programms vor der zweiten Jahreshälfte zu debattieren», resümierte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem.

Die Kassenhüter umschiffen damit die Europawahlen vom 22. bis 25. Mai. Es wird befürchtet, dass euroskeptische Parteien von dem seit Jahren dauernden Griechenland-Debakel profitieren könnten.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Griechenland versinkt in den Schulden und Schuldzinsen und sollte dann noch mehr Schulden aufnehmen? Ticken wir nicht mehr richtig? Wo ist da blos die Menschenwürde geblieben - Ein Leben ohne Schulden!
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  • Kommentar von Markus Guggisberg, Busswil
    Denn selbst wenn Griechenland erneut Hilfen erhält, ein gewichtiges Problem bleibt: der gewaltige Schuldenberg des Landes von über 300 Milliarden Euro. Die Verschuldungsquote dürfte in diesem Jahr auf fast 176 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen. Das ist fast dreimal so viel wie im Vertrag von Maastricht eigentlich erlaubt ist – und mehr als doppelt hoch wie die deutsche Quote !!!
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  • Kommentar von Hans Laban, Luzerner-Hinterland
    Vor wenigen Tagen hiess es in de News, dass Griechenland aus dem Schneider sei und kein weiteres Geld von der armen EU benötige. Das Ganze stinkt echt zum Himmel.
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Es gibt nicht ohne Grund den Spruch "wes Brot ich ess, des Lied ich sing". Man könnte sich streiten ob wir eine kranke Manipulations- oder Heuchler-Gesellschaft sind. Oder beidens.
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