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10 Tage Lockdown Wie die Massnahmen in Österreich wirken

Seit über einer Woche sind in Österreich die Schotten dicht. Wir zeigen, wie sich die Corona-Zahlen seither entwickeln.

Geschlossene Beizen, leere Kinosäle, verlassene Weihnachtsmärkte: Seit zehn Tagen nun befindet sich Österreich wieder im Lockdown. «Wir wollen keine fünfte Welle, wir wollen keine sechste und siebte Welle», begründete der österreichische Bundeskanzler Alexander Schallenberg die drastischen Massnahmen. Doch wie haben sich seither die Fallzahlen in unserem Nachbarland entwickelt?

Sinkende Fallzahlen

Ein Blick auf die Grafik zeigt, dass schon kurz nach Inkrafttreten des Lockdowns am 22. November die Zahl der Neuansteckungen zu sinken begann. Aufgrund des geringen Zeitabstandes wird diese Massnahme alleine kaum für den Rückgang verantwortlich sein. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass die bereits in den Vorwochen getroffenen Massnahmen – darunter der Lockdown für Ungeimpfte vom 15. November und die Einführung der 2G-Pflicht – ihre Wirkung zeigen.

Während der Bundesrat hierzulande versucht, die Fallzahlen mit milderen Massnahmen einzudämmen, gleicht sich die Zahl der Neuinfektionen in der Schweiz immer mehr mit derjenigen unseres Nachbarn an. Am Mittwoch vermeldete das BAG 10'466 neue Corona-Fälle, während das österreichische Innen- und Gesundheitsministerium 10’367 Fälle kommunizierte.

Österreich ist mit 8.9 Millionen Einwohnern leicht grösser als die Schweiz (8.6 Millionen). Eine Unsicherheit in diesen Vergleich bringt jedoch die unterschiedliche Positivrate – also der Anteil der positiven Tests an allen durchgeführten Tests eines Tages: In der Schweiz liegt diese bei hohen 17.3 Prozent, in Österreich bei 2.6 Prozent. Gemäss der WHO deutet eine hohe Positivrate auf eine höhere Dunkelziffer bei Infektionen hin.

Video
So ist Österreich in den landesweiten Lockdown gestartet
Aus Tagesschau vom 22.11.2021.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 5 Sekunden.

Situation in Spitälern weiterhin dramatisch

Was die Spitaleinweisungen angeht, konnten die österreichischen Massnahmen noch nicht den gleichen Effekt bewirken. Bei früheren Lockdowns haben wir jedoch gesehen, dass sich neue Massnahmen zunächst auf die Fallzahlen und erst später auf die Hospitalisierungen auswirken. «Der Bremsweg bei einem Lockdown ist lang. Erst sinken die Inzidenzen, dann die Zahl der Intensivpatientinnen und -patienten», erklärte die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer vergangene Woche gegenüber SRF.

Der Lockdown würde zwar mittlerweile seine Wirkung zeigen, doch die Lage in den Spitälern sei dramatisch, schildert der Grüne Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein die Lage im Hauptausschuss des Parlaments. Triagen würden bereits nicht nur bei leichten Operationen, sondern auch bei jenen für Krebspatienten stattfinden, sagte der Minister. In manchen Fällen müsse darüber entschieden werden, welcher Patient mehr Überlebenschancen habe.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums befinden sich derzeit 3302 Corona-Patienten in einem Spital. Von ihnen werden 648 auf der Intensivstation behandelt. Diese Zahlen sind in der Schweiz (noch) tiefer. Das BAG meldete am Mittwoch 1335 Personen, die wegen Covid-19 in einem Spital behandelt werden. Auf den Intensivstationen befinden sich 233 Corona-Patienten.  

Steigende Impfungen

Für die dramatische Situation in den österreichischen Spitälern ist insbesondere die tiefe Impfquote verantwortlich. Gemäss einem Bericht des Gesundheitsministeriums waren vor Wochenfrist knapp drei Viertel der Intensivpatienten gar nicht oder unvollständig geimpft. Mit einer Quote von 66 Prozent vollständig Geimpften ist das Land in Sachen Impfen ähnlich unterwegs wie die Schweiz (65.67 Prozent).

Immerhin konnten die getroffenen Massnahmen der letzten Wochen die Zahl der Erstimpfungen etwas in die Höhe treiben. So nahmen die verabreichten Impfungen ab Anfang November, als in Österreich die 2G-Regel eingeführt wurde, wieder zu. In der Schweiz war dies im September, als die Zertifikatspflicht ausgeweitet wurde, der Fall. Der steile Anstieg der Impfzahlen ist in beiden Ländern jedoch vor allem mit den Booster-Impfungen zu begründen. Vergangenen Freitag wurden in Österreich über 117'000 Dritt-Impfungen verabreicht – Rekord. In der Schweiz werden derzeit im Schnitt 42'000 Menschen pro Tag geimpft (Erst-, Zweit-, und Dritt-Impfungen).

Vorsichtig optimistische Prognosen

Um die Zahl der Erst-Impfungen langfristig zu steigern, hat Österreich eine Impfpflicht beschlossen. Sie wird am 1. Februar in Kraft treten. Die Details dazu sollen nächste Woche bekannt gegeben werden. Das Ende des Lockdown ist auf den 12. Dezember geplant. Aus Wirtschaftskreisen kam jedoch die Forderung, den Handel bereits früher wieder zu öffnen.

Für vorsichtigen Optimismus sorgt das Covid-Prognosekonsortium am Mittwoch mit seiner Beurteilung der Lage. Das Gremium aus Experten verschiedener Universitäten glaubt, dass sich der aktuelle Lockdown in den kommenden Wochen positiv auf das Infektionsgeschehen und die überlasteten Spitäler auswirken werde.

Tagesgespräch, 24.11.2021, 13:00 Uhr;

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51 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community. Als direktes Nachbarland ist es klar, dass Österreich auch bei uns zu reden gibt. Wir bedanken uns für die spannenden Kommentare und wünschen einen schönen Abend.
  • Kommentar von Nina Mathis  (Nina M.)
    Herr Bünzli wenn sie so gut Bescheid wissen, wieviel IPS Better hatte den die Schweiz 2015 und 2017, verglichen zu jetzt? Wenn wir die Betten von heute auf damals nehmem, sind es auch zu wenige. Zusätzlich haben wir auch noch einen Bevölkerungszuwachs.
  • Kommentar von Uwe Frings  (Baggi)
    Ohne Lockdown wird viel getestet,
    mit Lockdown wenig, da die Leute zu Hause sind.
    Logisch, dass bei mehr testen mehr Corona zum Vorschein kommt!