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International 100 Jahre Verdun: Gedenken an die Toten

François Hollande und Angela Merkel gedenken der blutigen Schlacht von Verdun, bei der vor 100 Jahren 300'000 deutsche und französische Soldaten starben.

Legende: Video Gedenken als Bekenntnis zur deutsch-französischen Freundschaft abspielen. Laufzeit 1:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.05.2016.

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef François Hollande haben in Ostfrankreich der Schlacht von Verdun vor 100 Jahren gedacht. Während der Schlacht wurden 1916 im Ersten Weltkrieg über 300'000 Soldaten aus beiden Ländern getötet.

Die beiden Politiker legten am Sonntag zunächst an dem nahe Verdun gelegenen deutschen Soldatenfriedhof von Consenvoye bei Regen einen Kranz nieder. Eine Militärkapelle spielte die Nationalhymnen der beiden früheren Kriegsgegner.

In ihrer Rede appelierte Merkel an die Kraft der Versöhnung: «Wir alle sind dazu aufgerufen, Erinnerung auch künftig wachzuhalten», betonte sie. «Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Lehren aus ihr ziehen und damit dann eine gute Zukunft gestalten.»

Merkel und Holland beschwören einiges Europa

«Rein nationalstaatliches Denken und Handeln würde uns zurückwerfen», betonte Merkel, «das gilt für die Bewältigung der europäischen Staatsschuldenkrise oder für den Umgang mit den vielen Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, wie auch für alle grossen Herausforderungen unserer Zeit.»

Auch Hollande beschwor das Friedensprojekt Europa. «Wir wissen ganz genau, dass die Zeit, um es zu zerstören unendlich viel kürzer wäre als die lange Zeit, die nötig war, um es zu bauen.» Die Europäische Union bleibe eine Referenz für viele Völker, «die von Frieden träumen».

Soldatenfreidhof mit Turm im Hintergrund
Legende: Die Hauptzeremonie fand in der Gedenkstätte von Douaumont statt, wo 130'000 gefallene Soldaten begraben sind. Reuters

Neue Inschrift

Merkel und Hollande entzündeten eine ewige Flamme im Beinhaus von Douaumont, wo die Überreste von 130'000 gefallenen Soldaten liegen, und hielten eine Schweigeminute ab.

Eine neue Inschrift weist nun darauf hin, dass es sich um französische und deutsche Soldaten handelt – ein weiterer Schritt hin zu einer gemeinsamen Gedenkkultur. Auch die von den Politikern eingeweihte, komplett überarbeitete Gedenkstätte von Verdun stellt nun die Erinnerungen beider Seiten dar.

Zuvor hatten die beiden bei strömendem Regen auf dem deutschen Soldatenfriedhof Consenvoye innegehalten und die Stadt Verdun besucht. Bei einem Arbeitsessen berieten die beiden Politiker dann über aktuelle politische Themen wie die Flüchtlingskrise und das anstehende Brexit-Referendum.

Sinnbild für die Grausamkeit des Krieges

Im Nordosten Frankreichs lieferten sich deutsche und französische Truppen von Februar bis Dezember 1916 eine mörderische Auseinandersetzung, ohne dabei strategische Vorteile erringen zu können. Die Schlacht um Verdun gilt als Sinnbild für die Grausamkeit des Ersten Weltkriegs.

Mitterrand und Kohl halten sich vor Kränzen an der Hand
Legende: François Mitterrand und Helmut Kohl gedachten 1984 gemeinsam der Opfer von Verdun. Reuters

Zugleich steht Verdun für einen Meilenstein der deutsch-französischen Freundschaft: Vor dem Beinhaus von Douaumont gedachten 1984 der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Präsident François Mitterrand Hand in Hand der Kriegstoten und besiegelten mit dieser historischen Geste die Versöhnung der einstigen «Erbfeinde» Deutschland und Frankreich.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Während und nach dem 1. WK erstarkten ökonomische Kräfte, die im Krieg lukrative Einnahmequellen und Gelegenheiten erkannten, die Macht über Politiker zu übernehmen. Durch immense Verschuldung der Verliererstaaten wurden die auch in den nächsten WK getrieben. Die Machtübernahme von extremen Kräften (meistens Rechte, aber auch Linke) beschleunigten und ermöglichten die Exzesse im 2. WK. Und am Ende des 2. WK's war die Machtübernahme des Großkapitalist über die Politik wieder einen Schritt weiter.
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  • Kommentar von Enairam Doremi (Enairam Doremi)
    300'000 Tote und sicher so viele Verletzte und auf immer Invalide! Und damals gab's keine Renten, keine Versicherungen für die Opfer und auch kein Opfergeld. Mein Grossvater war einer der invalid Überlebenden und er hatte zu Hause eine Frau und 5 Kinder. Ich werde an diesem Tag besonders an ihn denken.
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    1. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      @ED: Stimmt mich sehr nachdenklich ihr Kommentar. Wieviel Leid und Schmerz ist dadurch entstanden und wieviel Tränen und Entbehrungen mussten die Menschen ertragen. Heute dreht man ja schon im roten Bereich, wenn für ein paar Stunden das Internet ausfällt! Wir wissen von lauter überflüssigem Wohlstand gar nicht mehr, was Entbehrung und Leid bedeutet. Meine Mutter erlebte und überlebte den 2. WK als Kind und ich bin dankbar, dass sie mir davon erzählt hat.
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Es tut gut, nur Worte der Anteilnahme an diesen Menschen zu lesen. Auch das ist uns abhanden gekommen. Mal innehalten und nur dieser Opfer zu gedenken. Aber alles wird sofort verknüpft mit geschichtlichen Aufarbeitungen, das hat an anderen Stellen Platz.
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