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International 100 Milliarden für den Mezzogiorno – ein mutiges Versprechen

Mit viel Geld will Italiens Premier Renzi den maroden Süden aus dem Stillstand holen. Doch wie sollen Wirtschaft und Tourismus wachsen, wenn die nötige Zivilgesellschaft fehlt? Fragen an Italien-Korrespondent Rolf Pellegrini zu den Plänen für den korrupten und mafiaverseuchten Mezzogiorno.

Italiens Premier Matteo Renzi.
Legende: Premier Matteo Renzi will den Süden aus der Dauerkrise holen. Alles nur Propaganda? Keystone/Archiv

Jeder Dritte in Süditalien lebt gemäss einer aktuellen Studie an der Armutsgrenze. Die Arbeitslosigkeit liegt auf dem höchsten Stand seit fast 40 Jahren. Jetzt will der italienischen Premier Matteo Renzi den Wandel in einem Landesteil anstreben, wo Korruption und Mafia bisher fast jegliche Entwicklung erstickten.

SRF News: 80 bis 100 Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren nach Süditalien gepumpt werden. Wohin genau?

Rolf Pellegrini: Die Investitionen sollen in Infrastrukturen gehen: Bahnverbindungen, Strassen, Brücken und Flugplätze. Aber auch in Befestigungen der hochwasser- oder erdbebengefährdeten Abhänge und Ufer. Dazu kommt die Bewahrung von Kunstschätzen und archäologischen Stätten. Es geht auch um die Sanierung verseuchter Gegenden, wo die Mafia Giftmüll eingegraben hat wie etwa um Neapel herum.

Zudem soll sich der Süden besser als Ferien- und Kulturgegend vermarkten. Das Aufholpotenzial ist gigantisch, wie eine 2013 unter der Regierung Monti veröffentlichte vergleichende Studie zeigt: 3,8 Millionen Touristen für 1500 Kilometer sizilianische Küste. Die Balearen mit nahezu gleich viel Küstengebiet hatten über 44 Millionen Touristen.

Woher sollen die Milliarden kommen?

Laut dem Arbeitgeberverband werden Süditalien in den nächsten neun Jahren jährlich rund elf Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Die Mittel stammen aus dem EU-Strukturfonds und nationalen Subventionen. Allerdings war Süditalien bisher unfähig, die bewilligten Mittel zielgerichtet zu verwenden. Sie versickerten in tausend Kanälen und auch im Korruptionssystem.

Wie soll unter diesen Umständen ein Wachstum von zwei bis drei Prozent erreicht werden?

Das ist Propaganda. Renzi will ja immer nur Optimismus verbreiten. Sicher ist, dass es nicht reicht, auf dem Papier einleuchtende Pläne zu entwickeln. Es braucht auch ein Umfeld, das korrekt arbeitet, ohne das Gelder abgezweigt werden – durch Beamte, Politiker und Mafiosi, die häufig Hand in Hand arbeiten. Dieses wirtschaftsgünstige Umfeld ist in Süditalien nicht gegeben. Der Mezzogiorno ist insofern ein zurückgebliebenes Entwicklungsland.

Der Süden soll nun das Internet-Breitband noch vor dem Norden bekommen. Was nützt das den Menschen?

Der rasche Breitband-Internetzugang ist enorm wichtig, damit der Graben zu Norditalien und dem Rest Europas nicht auch auf diesem Gebiet noch grösser wird. Es ist bedeutsam, um Süditalien für Investoren interessant zu machen, auch für ausländische. Der Internetzugang könnte zugleich ein Anreiz für die intelligenten und hochqualifizierten jungen Süditaliener sein, zuhause etwas aufzubauen. Denn die Besten wandern heute aus.

Seit den 1950-er Jahren wurden Milliarden für den Süden ausgegeben. Doch landete das Geld nicht selten in den Taschen korrupter Politiker und der Mafia?

Das ist das Hauptdrama des Südens. Daran kann man wirklich verzweifeln. Es ist eine an Schönheit reiche Landschaft mit Schätzen und Kulturgütern. Aber insgesamt fehlt es an einer zivilen Gesellschaft, die eine wirtschaftliche Modernisierung erst erlauben würde.

Das Gespräch führte Samuel Wyss.

Rolf Pellegrini

Rolf Pellegrini

Rolf Pellegrini war während Jahrzehnten für SRF, früher Schweizer Radio DRS, tätig. Unter anderem leitete er die «Echo»-Redaktion, war Frankreich- und zuletzt während mehr als einem Jahrzehnt Italienkorrespondent. Aktuell unterstützt er die SRF-Berichterstattung aus Italien.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Alberto da Vinci, Pratteln
    Renzi macht das nur in seinem Interesse es geht um Stimmenfang. Was passiert mit dem Geld es verschwindet und keiner weiss wo es ist. Der Hauptsitz der Mafia liegt in Rom. Die Politiker in Italien sind korrupt was erwartet man dann vom Volk. Von wo hat Italien plötzlich 80-100 Milliarden her? Renzi würde das Geld besser in die Bildung und in die Wirtschaft investieren. Italien hat viele Weltbekannte Produkte leider werden diese immer wie mehr ins Ausland verkauft.
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    1. Antwort von Hans Koller, Pratteln
      Es gibt nicht "die" Mafia, sondern die 'Ndrangeta, die Camorra und die Cosa Nostra. Keiner dieser Organisationen hat ihren Hauptsitz in Rom.
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    2. Antwort von Alberto da Vinci, Pratteln
      Richtig Herr Koller diese Clans nennt man dann Mafia. Wobei Sie noch eine vergessen haben.(Sacra Corona Unita) Die grösste Mafia ist la Mafia Politica und der Hauptsitz befindet sich eben in Rom.
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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    100 Milliarden für die Mafia, weil es an einer "zivilisierten Gesellschaft fehlt" ? Es griechelt allenthalben in Europa oder anders ausgedrückt, Dekadenz hin zur unzivilisierten Gesellschaft, das war mal der Untergang Roms..
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    1. Antwort von silvio mazzola, Neustadt
      Das blühende Magna Grecia wahr grossartig. Die Bourbonen haben aber den boden der Mafia vorbereitet: das Leibeigentum. Die Mischung dieser Elemente ist geblieben. Und damit hat Italien eine grosse Last. Der Norden muss den Süden modernisieren. Ob das Renzi schafft? Aber als linker Star hat er viele Parolen die verfangen - und das Geld vom kapitalischischen Europa hilft ihm da auch. Vielleicht eine Hilfe zum Wiederaufbau von Magna Grecia? Den linken Griechen hilft man ja schliesslich auch...
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