118 Übergriffe auf Asylheime innert 7 Wochen

Brennende Asylunterkünfte, Pöbeleien gegen ankommende Flüchtlinge, jubelnde Schaulustige: Die fremdenfeindlichen Vorfälle in Deutschland sind alarmierend. Die Zahl der Straftaten gegen Asylunterkünfte hat in diesem Jahr bereits einen dreistelligen Bereich erreicht.

Ein Flüchtlingskind läuft an einer beschmierten Wand vorbei. Neben einem Hakenkreuz steht «Raus».

Bildlegende: Dem Fremdenhass ausgesetzt: Hier ein Flüchtlingskind in einer Asylunterkunft in Waltrop (Bild vom Oktober 2015). Keystone

Die Zahl der Anschläge auf bestehende oder geplante Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland ist sprunghaft gestiegen. Immer wieder kommt es auch zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen vor solchen Einrichtungen. Mit Stand bis zum 15. Februar wurden 118 Übergriffe gezählt. Dies teilte das Bundesinnenministerium mit.

Übergriff von rechtsmotivierten Tätern

Unter den insgesamt 118 Straftaten in diesem Jahr waren 17 Brandstiftungen, 1 Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz und 1 Sprengstoffexplosion. Insgesamt wurden bis Mitte Februar 27 Gewaltdelikte verübt. Am häufigsten waren Sachbeschädigungen (43) und Propagandadelikte (31). Mindestens 112 Übergriffe gehen auf das Konto rechtsmotivierter Täter.

Für das vergangene Jahr wurden nach Angaben des Ministeriums 1029 Straftaten gegen Asylbewerberheime registriert, darunter 177 Gewaltdelikte. Hierunter fallen auch 94 Brandstiftungen – was im Schnitt etwa acht pro Monat waren. 2014 waren noch 199 Taten gegen Asylunterkünfte verübt worden, im Jahr 2013 waren es 69.

Straftaten gegen Asylunterkünfte in Deutschland 2015 stieg die Zahl der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte sprunghaft an.

Die jüngsten Vorfälle

Am vergangenen Wochenende sorgten zwei fremdenfeindliche Vorfälle im Bundesland Sachsen für Aufsehen, die in der Statistik noch nicht enthalten sind. So wurde in Bautzen in der Nacht zum 21. Februar in einer Flüchtlingsunterkunft vorsätzlich Feuer gelegt. Alkoholisierte Schaulustige sahen mit unverhohlener Freude zu.

Am 18. Februar versuchte in Clausnitz eine grölende Menge, die Ankunft der ersten Bewohner in einer neuen Einrichtung zu verhindern. Die Polizei steht in der Kritik, weil sie mit Flüchtlingen rabiat umgegangen sein soll.

Die deutsche Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte angewidert auf den Fremdenhass in Sachsen und verurteilte die ausländerfeindlichen Übergriffe mit ungewöhnlich scharfen Worten. «Was da in Clausnitz geschehen ist, ist zutiefst beschämend», sagte etwa Regierungssprecher Steffen Seibert.