15'000 Ausländer kämpfen für den IS

Der Terrormiliz Islamischer Staat haben sich mittlerweile rund 15'000 ausländische Kämpfer angeschlossen. Diese stammen laut der UNO aus mehr als 80 Ländern. Die Organisation spricht von einem Zulauf von «beispiellosem Ausmass».

IS-Kämpfer

Bildlegende: 15'000 Ausländer kämpfen in den Rängen des IS im Irak und in Syrien. Reuters/symbolbild

Tausende Kämpfer aus 80 Ländern haben sich in den vergangenen Jahren der Terrormiliz IS angeschlossen. Gemäss einem UNO-Bericht hat die Zahl ein «beispielloses Ausmass» erreicht.

Den rasanten Zulauf zu Gruppen wie der Terrormiliz IS führen die Vereinten Nationen auch auf den schwindenden Einfluss des Terrornetzwerks Al Kaida zurück.

Während die dogmatische Kommunikation Al Kaidas potenzielle Rekruten eher abschrecke, greife der IS auf effizientere Methoden wie soziale Netzwerke zurück, heisst es im Bericht weiter. Während Al-Kaida-Chef Aiman al-Zawahiri für seine Propaganda weiterhin auf überlange Videonachrichten setze (sein letztes Video dauerte 55 Minuten) begnügten sich die twitternden IS-Terroristen mit 140 Zeichen, um ihre Anhänger zu erreichen.

Der Bericht wurde von einem Gremium des UNO-Sicherheitsrats erstellt, der sich mit der Organisation Al Kaida befasst.

Tausend Ausländer reisen ein – pro Monat

Auch die US-Geheimdienste berichten von einer hohen Zahl an ausländischen Kämpfern, die in das Konfliktgebiet reisen. Gemäss einem Bericht der «Washington Post», der sich auf Aussagen von Geheimdienst-Mitarbeitern bezieht, gelangen jeden Monat rund 1000 ausländische Kämpfer nach Syrien.

Weder die internationalen Luftangriffe noch die Bemühungen der jeweiligen Regierungen, potentielle Dschihadisten an der Ausreise zu hindern, hätten den Strom nach Syrien eindämmen können. In Deutschland ist es beispielsweise möglich, gewaltbereiten Islamisten den Pass zu entziehen.

Die meisten ausländischen Kämpfer in Syrien und im Irak stammen aus dem Maghreb und dem Nahen Osten. Der Organisation «International Centre for the Study of Radicalisation» (ICRS) zufolge stammen aber rund 2800 Personen aus Europa beziehungsweise dem Westen.

Eine Liste der Länder, aus denen die Dschihadisten kommen, enthält das UNO-Papier nicht. Es gebe aber Beispiele von Kämpfern aus Frankreich, Russland und Grossbritannien, die gemeinsam handelten, wie die britische Zeitung «Guardian» aus dem Bericht zitiert.

Herkunft der ausländischen IS-Kämpfer (Auswahl/Schätzungen) Mehr als die Hälfte der ausländischen IS-Kämpfer stammen aus den gleichen fünf Ländern. Die Zahlen zu den europäischen Kämpfern stammen von den Herkunftsländern. Viele sind jedoch wieder zurückgekehrt oder sind getötet worden. Quelle: soufan group, uno, ICSR

Viele Ausländer getötet

Seit dem Beginn der Luftschläge der internationalen Koalition gegen den IS, sind in Syrien mindestens 553 Personen getötet worden. Die grosse Mehrheit der Getöteten sind laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte Kämpfer der IS oder der Nusra-Front. Bei den Angriffen starben aber auch mindestens 32 Zivilisten.

Bei den meisten getöteten Dschihadisten handle es sich nicht um Syrer, sondern um ausländische Kämpfer, die sich der Terrormiliz IS und der Al-Nusra-Front, die Al-Kaida nahe steht, im Land angeschlossen hatten. Die Angaben der Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netz von Informanten in Syrien stützt, sind von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen.

Festnahmen in der Schweiz

Ende März wurden in der Schweiz drei irakische Staatsangehörige verhaftet. Dies bestätigte heute die Bundesanwaltschaft. Sie stehen im Verdacht, die kriminelle Organisation Islamischer Staat (IS) unterstützt und einen terroristischen Anschlag in Europa geplant zu haben. Lesen Sie hier mehr dazu.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die kurdischen Peshmerga-Kämpfer aus dem Norden Iraks auf dem Weg nach der von IS-Milizen bedrohten Stadt Kobane im Norden Syriens.

    Der Kampf gegen IS lässt Peshmerga-Kämpfer zusammenrücken

    Aus Rendez-vous vom 30.10.2014

    Mit Beifall werden die nordirakischen Peshmerga-Kämpfer überall auf ihrem Weg nach Kobane empfangen; sie wollen ihre Brüder im Kampf gegen den «Islamischen Staat» unterstützen. Obwohl: Zu Hause stehen sie den IS-Milizen entlang einer 1000 Kilometer langen Front gegenüber.

    Reportage aus Nordirak.

    Philipp Scholkmann

  • Bislang 55 Schweizer Dschihadisten ausgereist

    Aus Tagesschau vom 15.10.2014

    Laut dem Schweizer Nachrichtendienst sind seit 2001 Dutzende Verdächtige ausgereist – mutmasslich, um in Ländern wie Irak oder Syrien als Dschihadisten zu kämpfen. Einige seien inzwischen zurückgekehrt.