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International 16 Festnahmen bei mehreren Razzien in Belgien

Die belgischen Sicherheitskräfte haben im Grossraum Brüssel und in Charleroi in der Wallonie 22 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Salah Abdeslam, der mutmasslich an den Attentaten in Paris beteiligt war, ist weiter flüchtig.

Legende: Video Keine Entwarnung in Brüssel abspielen. Laufzeit 00:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.11.2015.

Im Grossraum Brüssel wurden 19 Hausdurchsuchungen durchgeführt, unter anderem im Quartier Molenbeek und in Anderlecht, wie der zuständige Staatsanwalt sagte.

Zudem seien drei Häuser in Charleroi in der Wallonie durchsucht worden, hiess es. 16 Personen seien festgenommen worden. Salah Abdeslam, der nach den Attentaten von Paris am 13. November mutmasslich von Freunden nach Brüssel gefahren wurde, sei weiter auf der Flucht. Angaben zur Identität der Festgenommenen wollte der Staatsanwalt nicht machen. Waffen oder Sprengstoff seien bisher nicht gefunden worden.

Legende: Video Polizeikräfte sperren verschiedene Strassen im Zentrum Brüssels abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.11.2015.

Mehrere Strassen in der Nähe des zentralen Marktplatzes Grand Place waren während der Polizeiaktion weiträumig abgesperrt worden, wie ein Reporter des belgischen Radios RTBF berichtete. Offenbar wurden Anwohner gewarnt, sich nicht in der Nähe von Fenstern aufzuhalten.

An einer Strasse sei ein Linienbus quergestellt worden, um den Verkehr zu stoppen. Ein Hubschrauber sei über den Häusern gekreist. Die Polizei hatte zum Einsatz eine Nachrichtensperre verhängt.

Höchste Terrorwarnstufe bleibt bestehen

Zuvor teilte der belgische Premierminister Charles Michel nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates mit, dass die höchste Terrorwarnstufe, Stufe 4, in Brüssel weiterhin bestehen bleibt. Die Präsenz von Polizei und Armee werde verstärkt. Die U-Bahn bleibe auch am Montag geschlossen, ebenso Schulen und Universitäten.

Stufe 4 bedeute, dass eine «ernste und unmittelbare» Bedrohung besteht, sagte Michel. Mögliche Ziele seien Geschäftsviertel, Einkaufszentren und der
öffentliche Nahverkehr. «Wir werden die Lage morgen Nachmittag neu bewerten», sagte Michel. Das Ziel sei, so schnell wie möglich zu einem normalen Leben zurückzufinden.

Suche nach zwei Terroristen

In der belgischen Hauptstadt sollen sich zwei gefährliche Terroristen aufhalten, die im Zusammenhang mit den verheerenden Anschlägen von Paris gesucht werden. Dies sagte der Bürgermeister der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek, Bernard Clerfayt, im belgischen Rundfunk RTBF.

«Es gibt diese Gefahr. Wir haben erfahren, dass sich zwei Terroristen auf Brüsseler Territorium befinden und gefährliche Taten verüben könnten», sagte Clerfayt. Deshalb müsse man sehr wachsam bleiben. Auch Belgiens Innenminister Jan Jambon sprach im Radio von «mehreren Verdächtigen».

Derweil war das Medienhaus der flämischen Gruppe Medialaan in Vilvoorde bei Brüssel wegen einer Bombendrohung geräumt worden. Das gesamte Gebäude wurde evakuiert, alle Mitarbeiter mussten ihre Büros verlassen, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Polizisten mit Spürhunden durchsuchten das Haus nach möglichen Sprengstoffen. Am späteren Nachmittag konnte die Polizei wieder Entwarnung geben; das Medienhaus wurde wieder freigegeben.

Brüssel auch sonntags lahm gelegt

In der belgischen Hauptstadt Brüssel gilt seit Samstag die höchste Terrorwarnstufe. Das öffentliche Leben steht weitgehend still. So sind Märkte und Sportanlässe abgesagt worden. Die U-Bahn ist komplett geschlossen, die meisten Busse und Strassenbahnen fahren aber. In den Kirchen fanden die Sonntagsmessen nach Angaben des belgischen Rundfunks RTBF statt. Die Synagogen blieben jedoch geschlossen – zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg.

Möglicher Fahndungsmisserfolg

Unterdessen fahnden die belgischen und die französischen Behörden weiter nach Salah Abdeslam – nach einem der mutmasslichen Attentäter von Paris. Er soll nach den Anschlägen mit zwei Freunden in einem Auto von Paris nach Brüssel gefahren sein. Die beiden Freunde wurden im Brüsseler Viertel Molenbeek festgenommen.

Die Anwältin der beiden Verdächtigen hat nun gegenüber dem französischen Nachrichtensender LC1 pikante Aussagen gemacht. So sollen die drei Männer auf der Fahrt von Paris nach Belgien drei Mal von der Polizei kontrolliert worden sein. Sie hätten aber jedes Mal weiterfahren dürfen.

Abdeslam sei damals zwar noch nicht zur Fahndung ausgeschrieben gewesen. Er habe aber vermutlich eine Sprengstoffweste getragen.

Rätsel um dritten Toten

Nach dem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis bleibt die Identität des dritten Toten ungeklärt. Zwar gibt es laut den französischen Ermittlern eine DNA des Mannes, in der Datenbank aber keine Entsprechung dafür. Die beiden anderen Toten sind Abdelhamid Abaaoud, der mutmassliche Drahtzieher der Pariser Anschläge und dessen Cousine Hasna Aitboulahcen.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Th.Steiner, 9:40 "unsere Intoleranz ist der grösste Nährboden für Terrorismus" Umgekehrt, Muslime grenzen sich selber aus! Ein BG-Entscheid von 2013 lautete: Integration vor Religion. Aber jede Art Verschleierung stellt eine Behinderung der Frauen+Mädchen dar u.markiert Abgrenzung! Wir sind doch hier nicht im Morgenland! Ausserdem lebt kaum eine musl.Familie Religionsfreiheit. Da herrscht Intoleranz bis ins Grab! Dh junge Muslime müssen ihre Beziehungen im engsten 5%-Kreis suchen. Uvam!
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    President Erdogan: Es gibt keinen moderaten Islam, Demokratie ist der Zug auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Moscheen sind unsere Kasernen, Minarette die Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen Soldaten. Ein Geschäften mit dieser Art von Fanatikern inkl Saudis führt nicht zum Ziel, sondern wirkt moralisch gegen den Westen. 20'000 Schäfer in Westeuropa sind ohne Einwanderungsgesetze mit Integrationsverträgen nicht unter Kontrolle zu bringen, es fehlt an Polizisten.
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  • Kommentar von erna schneider (erna's)
    @Lutz Bernhard, das heisst übrigens Fracking und die USA verkauft Waffen an die Saudis-Freunde.
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