Zum Inhalt springen

Amnesty-Bericht zu Rakka «20'000 Menschen sitzen im Kreuzfeuer»

Beim Kampf gegen den IS werden in der syrischen Stadt Rakka Hunderte Zivilisten getötet.

Legende: Audio «Der IS hält 20'000 Menschen als Geiseln» abspielen. Laufzeit 01:36 Minuten.
01:36 min, aus HeuteMorgen vom 24.08.2017.
  • Amnesty-International hat einen Bericht zur Lage in der ostsyrischen Provinzhauptstadt Rakka veröffentlicht.
  • Alle Seiten würden Kriegsverbrechen begehen.
  • Die amerikanisch-kurdische Koalition der Angreifer tue nicht genug, um bei den Angriffen in Rakka zwischen Kämpfern und Zivilbevölkerung zu unterscheiden.
  • Die IS-Kämpfer machten die Zivilbevölkerung zu Geiseln, schätzungsweise 20'000 Menschen sässen in der Innenstadt von Rakka fest.
  • Schwere Vorwürfe erhebt Amnesty auch gegen die syrischen Regierungstruppen und ihre russischen Verbündeten. Sie führen unweit von Rakka einen eigenen Vorstoss und verwendeten dabei auch international geächtete Streubomben.

«Es gibt derzeit wohl keinen schrecklicheren Ort in Syrien als die Innenstadt von Rakka», sagte Jan Egeland, der Syrienbeauftragte für humanitäre Hilfe der Uno letzte Woche. Heute legt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nach, mit einem eigenen Bericht zur Lage in der ostsyrischen Provinzhauptstadt. Dies gestützt auf Satellitenbilder, Eindrücke aus dem Umland von Rakka und eine Vielzahl von Aussagen von Flüchtlingen. Amnesty schlägt ebenfalls Alarm.

Es werden die billigsten Waffen eingesetzt

Die amerikanisch-kurdische Koalition der Angreifer lasse in Rakka grosse Mengen Artilleriegranaten und Bomben auf die Dschihadisten des IS niedergehen und tue dabei nicht genug, um zwischen Kämpfern und Zivilbevölkerung zu unterscheiden, sagt Donatella Rovera, die die Amnesty-Untersuchung vor Ort in Syrien geleitet hat.

Schon in Mosul kam eine von Rovera geleitete Untersuchung zum Schluss, dass die Rückeroberer nicht mit der geforderten Verhältnismässigkeit vorgingen. Das Zentrum von Mosul liegt nach dem Bombardement in Trümmern. Tausende Zivilisten wurden getötet. Im syrischen Rakka wiederhole sich nun offensichtlich das Muster.

Als Beispiel nennt Rovera ungelenkte Artilleriewaffen, die nicht präzise genug seien, um in einem solchen Häuserkampf zivile Opfer möglichst zu vermeiden. Sie würden wohl eingesetzt, weil sie billiger seien als Präzisionsgeschosse, vermutet die Amnestyexpertin.

Der IS ist ein extremer Gegner

Andererseits stehen die kurdischen Milizen und ihre amerikanischen Anführer auch in Rakka einem extremen Feind gegenüber, die IS-Kämpfer machen die Zivilbevölkerung zu Geiseln. Die schätzungsweise zwanzigtausend Menschen, die in der Innenstadt von Rakka noch festsitzen, im Kreuzfeuer, werden von den Dschihadisten gezielt an der Flucht gehindert. Auch darin stimmen die Zeugenaussagen überein.

Rovera bestreitet nicht die Extrembedingungen dieses Kampfs, auch sei keineswegs jeder Angriff in Rakka unverhältnismässig. Aber zu viele seien es. Die Amnestyexpertin sieht darin nicht nur einen Verstoss gegen internationales Recht. Sondern auch gegen die politische Vernunft.

Das Vertrauen in die Befreier sei schnell verspielt, wenn die Menschen sähen, wie Familienangehörige und Nachbarn schuldlos im Hagel der Granaten stürben. Schwere Vorwürfe erhebt Amnesty auch gegen die syrischen Regierungstruppen und ihre russischen Verbündeten. Sie führen unweit von Rakka einen eigenen Vorstoss und sie verwendeten dabei auch international geächtete Streubomben.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Seitdem V. Putin seine Bomber und Spezialeinheiten nach Syrien geschickt hatte, fühlt sich dort der Gotteskrieger unwohl, die Lebenserwartung sinkt täglich. Zurück nach Tadschikistan, Tschetschenien oder Kirgisistan können sie nicht, da sie dort direkt und für immer im Knast landen. Zum Glück gibt es die europäischen Staaten. Hier sind alle herzlich willkommen, gemäss "Refugees welcome". Nur im schlimmsten Fall droht ein Luxus-Gefängnis, sonst ist eine Vollversorgung garantiert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    In der NYT ist vor drei Wochen unter dem Titel Behind the Sudden Death of a $1 Billion Secret C.I.A. War in Syria ein Bericht erschienen, wonach Trump den während Jahren unter Obama geführten geheimen Krieg (Operation Timber Sycamore) nun scheinbar gestoppt hat. Radikale Islamisten wurden von der CIA mit einer Milliarde Dollar unterstützt, trainiert, mit Kriegsmaterial versorgt. Ich finde, darüber sollte hier auch mal informiert werden. Denn ohne diese Machenschaften gäbe es diesen Krieg nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Angela Nussbaumer (Angela N.)
    Es ist nicht mehr auszuhalten, was dort geschieht. Ich kann es nicht begreifen, wie "Menschen" soviel Leid und Zerstörung verursachen. ...und doch kann ich es wieder. Wir haben als Menschheit offenbar kein bisschen gelernt. Es ist wirklich unerträglich, besonders weil sich einfach keine Lösung abzeichnet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen