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International 20 Schweizer Nachwuchsforscher erhalten EU-Fördergelder

Gute Nachrichten für den Wissenschaftsstandort Schweiz: Von den 325 ausgezeichneten Nachwuchsforschern des Europäischen Forschungsrates arbeiten 20 an Schweizer Hochschulen. Doch im Zuge der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative drohen Schweizer Forscher aus dem Auswahlverfahren zu fallen.

Der Gang der Universität Zürich.
Legende: Ein Teil der EU-Fördergelder fliesst auch an Wissenschaftler der Universität Zürich. Keystone

Der Europäische Forschungsrat hat seine prestigeträchtigen «Starting Grants» vergeben: Von den 325 ausgezeichneten Nachwuchsforschern sind 20 an Schweizer Hochschulen tätig. Sie erhalten für ihre Projekte bis zu 1,5 Millionen Euro.

Mit seinen Beiträgen unterstützt der Europäische Forschungsrat (ERC) junge Talente am Anfang ihrer akademischen Laufbahn. Die Fördergelder ermöglichen ihnen unter anderem den Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe.

Unterstützt werden mit dem «ERC Starting Grant 2016» wie in den vergangenen Jahren Projekte aus den verschiedensten Fachbereichen. So wird unter anderem die Politikwissenschaftlerin Silja Häusermann von der Universität Zürich mit rund 1,5 Millionen Euro unterstützt. Mit ihrem Forschungsvorhaben «Verteilungskonflikte der Sozialstaaten» will sie der Frage nachgehen, wem bei knapper werdenden finanziellen Ressourcen soziale Unterstützung zukommt.

Starting Grant für Schweizer Seismologe

Andreas Fichtner, Assistenzprofessor für rechnergestützte Seismologie an der ETH Zürich, erhält ebenfalls einen «Starting Grant», damit er mit seiner Gruppe die dreidimensionale Auswertung von Erdbebenwellen verbessern kann – und Katrien De Bock, an der ETH Zürich ausserordentliche Professorin für Bewegung und Gesundheit, will mit ihrem ERC-Projekt herausfinden, wie Blutgefässe zum Muskelstoffwechsel und zur Entwicklung von Typ-2-Diabetes beitragen.

Insgesamt gewährte der Europäische Forschungsrat 20 Nachwuchsforschern an Schweizer Hochschulen eine derartige Startfinanzierung. Die Schweiz liegt damit an fünfter Stelle nach Deutschland (61), Grossbritannien (59), Frankreich (46) und den Niederlanden (29).

Die unsichere Situation könnte die besten Köpfe davon abhalten, in die Schweiz zu kommen. Das wäre ein grosser Nachteil für die Schweizer Forschungslandschaft.
Autor: Detlef GüntherETH-Vizepräsident

Gefördert werden unabhängige Forscher beliebiger Nationalität mit zwei bis sieben Jahren Erfahrung nach Abschluss ihrer Promotion. Entscheidendes Kriterium für die Unterstützung ist die «Exzellenz des eingereichten Forschungsprojekts».

Teilnahme für 2017 auf der Kippe

Wie die ETH Zürich in einer Medienmitteilung schreibt, sind die ERC Starting Grants «hochangesehene und hochdotierte Leistungsausweise», die bei Nachwuchsforschern begehrt seien. Ungewiss sei aber nach wie vor, ob die Schweiz auch im nächsten Jahr als vollassoziiertes Mitglied am Forschungsprogramm «Horizon 2020» teilnehmen könne. Die Vollassoziierung ist von der Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien abhängig.

ETH-Vizepräsident Detlef Günther fordert «seitens der Politik pragmatische Lösungen». Es drohe der Ausschluss aus dem europäischen Forschungswettbewerb: «Die unsichere Situation könnte die besten Köpfe davon abhalten, in die Schweiz zu kommen. Das wäre ein grosser Nachteil für die Schweizer Forschungslandschaft.»

3 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Morgenthaler (ChM)
    Hoffentlich lesen die ewigen Stänkerer gegen die EU diesen Beitrag auch.
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    1. Antwort von Lutz Bernhardt (lb)
      Zusammenhänge sind wichtig. Die EU verteilt Geld an schweizer Forscher aus einem Topf, in den die Schweiz vermutlich vergleichbar viel einbezahlt hat. Ein Deutscher stellt sich hin und sagt, diese Forschungs-Zusammenarbeit braucht ihr Schweizer unbedingt. Im Hintergrund die EU-Funktionäre: Wenn ihr Schweizer das weiter haben wollt, müsst ihr: 1. Die MEI begraben. 2. Verträge unterschreiben, die euch nicht gefallen. 3. Euch der EU-Gerichtsbarkeit unterstellen. Sieht nicht wie ein guter Deal aus.
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Klar setzt sich Detlef Günther als Ostdeutscher in der Schweiz für die weitere Annäherung der Schweiz an die EU ein! Argumentiert er im Interesse der Schweiz? Wohl kaum!
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