25 Jahre Tiananmen-Massaker: Lichtermeer in Hongkong

Chinas Führer unterbinden jede Erinnerung an die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989. Dafür sorgt ein massives Polizeiaufgebot in Peking. Mehr als 90 Bürgerrechtler sollen im Vorfeld festgenommen worden sein. Zum Jahrestag hagelt es Kritik an Chinas Führung.

China verhindert am 25. Jahrestag des Pekinger Massakers ein öffentliches Gedenken an die Opfer. Am Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) in Peking bestand ein Grossaufgebot an Polizeikräften. Sie kontrollierten Ausweise und Taschen von Passanten. Auch Autos mussten auf dem Weg zum Platz Polizeisperren passieren. Ansonsten herrschte aber weitgehend normales Treiben chinesischer Touristen.

Kontrollen trotz Touristentreiben

Die Einsatzkräfte verhinderten jegliche Ansammlungen auf dem Platz. Es standen Busse, Polizeifahrzeuge, Krankenwagen und andere Einsatzkräfte bereit. Die Regierung wies internationale Kritik an ihren Menschenrechtsverletzungen scharf zurück. Sie lehnt eine Aufarbeitung des Tian'anmen-Massakers ab.

Während in China jedes öffentliche Gedenken unterbunden wird, ist in der autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong am Abend eine grosse Demonstration geplant. Bereits im Laufe des Tages versammelten sich schon viele Menschen im Victoria-Park zu einer Grossdemonstration. Zu der Mahnwache in der früheren britischen Kronkolonie werden mehr als 150'000 Menschen erwartet. Auch im demokratischen Taiwan ist eine Kundgebung geplant.

Harsche Kritik an der Regierung

UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay kritisierte die Führung in Peking wegen ihres Umgangs mit der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung vom 4. Juni 1989. Im Vorfeld des Jahrestages sollen mehr als 90 chinesische Bürgerrechtler festgenommen, unter Hausarrest, verhört oder eingeschüchtert worden sein.

Alle Aktivisten müssten freigelassen werden, forderte Pillay. Auch müsse es eine sachliche Untersuchung der Vorfälle von 1989 geben. Kritik übte sie ferner an der Blockade aller Google-Dienste und der Internetzensur in China. «Anstatt die Versuche zu unterbinden, der Ereignisse von 1989 zu gedenken, sollten die Behörden eine Diskussion ermutigen und ermöglichen, um das Erbe der Vergangenheit zu überwinden.»

Der ehemalige Studentenführer Wang Dan warnte vor der Entwicklung eines faschistischen Chinas. Nur Druck durch das eigene Volk und andere Länder könnten heute Reformen bringen.

Wirtschaftlicher Wohlstand werde in China nicht zwangsläufig zu einem freieren politischen System führen. «Die chinesische Regierung wird sich niemals ändern, wenn sich das Volk nicht erhebt», sagte der heute im Exil in Taipeh lebende Wang Dan.

Der 45-Jährige kritisierte, dass westliche Regierungen im Umgang mit China nur die Wirtschaft im Blick hätten. Politiker sollten China drängen, sich politisch und nicht nur wirtschaftlich und militärisch zu entwickeln. So habe sich schon Faschismus entwickelt, erinnerte Wang Dan an die deutsche Nazi-Vergangenheit und die Aggression des kaiserlichen Japans.

Politiker sollten nicht darauf warten, «dass es ein drittes Mal passiert», sagte Wang Dan, der heute Geschichte lehrt. Gerade die Deutschen sollten aus dem Zweiten Weltkrieg lernen.