Totengedenktag in Niederlanden 3000 Kreuze für Flüchtlingsopfer

Die Niederländer sollten dieses Jahr nicht nur der eigenen Kriegsopfer gedenken. Doch soweit ist es nicht gekommen.

  • Ein Pfarrer und Menschenrechtsaktivist hat im Vorfeld des nationalen Totengedenktags vom 4. Mai in den Niederlanden heftige Proteste ausgelöst.
  • Am «Dodenherdenking» gedenkt die Niederlande traditionellerweise der eigenen Landsleute, die im Zweiten Weltkrieg und anderen Kriegen gefallen sind.
  • Der Pfarrer wollte dieses Jahr jedoch auch der Flüchtlinge gedenken, die auf dem Weg nach Europa umgekommen sind.
  • Insbesondere jüdische Organisationen wehrten sich gegen das Vorhaben.

Der mit Abstand wichtigste Anlass des niederländischen Totengedenktags vom 4. Mai findet auf dem Dam, dem grössten Platz in Amsterdam, statt. Dort kommen jeweils Tausende zusammen, um der eigenen Kriegsopfer zu gedenken.

Politiker halten Ansprachen und die Königin, der König sowie Kriegsveteranen legen Kränze nieder. Die sehr bewegende Feier wird von allen Fernsehstationen live übertragen – mitsamt den zwei Schweigeminuten um Punkt acht Uhr.

Der «Dodenherdenking»

Der Dodenherdenking in den Niederlanden
Der Totengedenktag am 4. Mai ist einer der wichtigsten Feiertage in den Niederlanden. Er wurde vor rund 70 Jahren eingeführt, um der niederländischen Soldaten und Widerstandskämpfer, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren, zu gedenken. Später kamen die niederländischen Opfer der Judenverfolgung hinzu, dann Homosexuelle sowie Sinti und Roma. Seit ein paar Jahren wird auch an niederländische Soldaten erinnert, die bei Friedenseinsätzen im Ausland gestorben sind.

3000 weisse Kreuze für umgekommene Flüchtlinge

Dieses Jahr wünschte sich ein junger Pfarrer, dass der Totengedenktag auch für Flüchtlinge gelten sollte, die in den letzten Jahren auf dem Weg nach Europa umgekommen sind. Um an sie zu erinnern, wollte er am Donnerstagabend auf einem anderen Amsterdamer Platz 3000 weisse Papierkreuze aufstellen.

Sein Plan hatte im Vorfeld jedoch eine grosse Protestwelle ausgelöst. «Der will unseren ‹Dodenherdenking› für Asylsuchende kapern», hiess es. Und ein Politiker erklärte, «am 4. Mai geht es um unseren Krieg, unsere Opfer und unsere Helden».

Jüdische Organisationen alarmiert

Gross war die Empörung auch bei der wichtigsten Judenorganisation. Sie befürchtete, die Bedeutung dieses Tages würde so komplett verwässert.

Angesichts der Breite des Widerstands hat der Pfarrer sein Totengedenken für die toten Flüchtlinge abgesagt. Aber es ist nicht auszuschliessen, dass er im kommenden Jahr einen neuen Versuch starten wird.