41 Ärzte in fünf Jahren

Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine war nach Einschätzung der französischen Ermittler fluguntauglich. Den jüngsten Erkenntnissen zufolge suchte der 27-Jährige, der Flug 4U9525 zum Absturz gebracht haben soll, in den vergangenen Jahren Dutzende Ärzte auf.

Chef-Ermittler Brice Robin

Bildlegende: Informierte zum Germanwings-Absturz: Chef-Ermittler Brice Robin Keystone

Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine war nach Angaben des zuständigen französischen Staatsanwalts fluguntauglich. Andreas L. sei niedergeschlagen, instabil und psychisch krank gewesen, sagte Staatsanwalt Brice Robin in Paris: «Er war nicht mehr in der Lage, ein Flugzeug zu fliegen.»

Sieben Arztbesuche kurz vor dem Absturz

Der Copilot sei im März an zehn Tagen krank geschrieben gewesen. In den vergangenen fünf Jahren habe er 41 verschiedene Ärzte konsultiert. Allein im letzten Monat vor dem Absturz seien es sieben Besuche gewesen.

Der Staatsanwalt kündigte indirekt Ermittlungen auch gegen Lufthansa und Germanwings an. Er werde drei Untersuchungsrichter beauftragen, wegen fahrlässiger Tötung zu ermitteln. Es gebe aber bisher keinerlei Beweise, dass Germanwings oder die Muttergesellschaft Lufthansa Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand des 27 Jahre alten Copiloten gehabt hätten.

Angehörige informiert

Vor der Medienkonferenz hatte Staatsanwalt Robin mehrere Stunden lang Angehörige der Opfer in Paris über den Stand der Ermittlungen informiert.

Der Copilot von Flug 4U9525 soll den bisherigen Ermittlungen zufolge das Flugzeug am 24. März absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Germanwings: Co-Pilot probte Sinkflug

    Aus Tagesschau vom 6.5.2015

    Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hatte bereits auf dem Hinflug nach Barcelona den Sinkflug geprobt. Die französischen Ermittler bestätigen, dass mehrfach eine zu geringe Flughöhe eingestellt worden war.

  • Ermittlungsarbeit nach dem Absturz

    Aus 10vor10 vom 30.3.2015

    Beim Absturz des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen wurde nicht nur das Flugzeug in kleinste Stücke zerrissen, sondern auch dessen Passagiere. Spezialisten versuchen seit Tagen, die Opfer zu identifizieren. Wie eine solche Identifikation abläuft, erklärt ein Schweizer Rechtsmediziner in «10vor10».