50 Euro – und niemand hat Wechselgeld

In Griechenland geht das Wechselgeld aus: Einige Bankomaten spucken nur noch 50-Euro-Scheine aus. Dies, weil die 20er Noten bereits aufgebraucht sind. Derweil betrifft die Krise auch Schweizer, die in Griechenland leben.

Menschen in Griechenland warten vor dem Bankomat

Bildlegende: Für Griechen beträgt die Limite am Bankomat 60 Euro. An einigen Orten sind die 20 Euro-Scheine deshalb aufgebraucht. Reuters

Fünf Tage lang sind die Banken in Griechenland schon geschlossen. Nun machen sich Probleme bei kleinen Geldscheinen und Wechselgeld bemerkbar. Auf Kreta und in Athen gaben die Geldautomaten nur noch 50-Euro-Scheine aus. Grund: Die Bürger dürfen seit Montag pro Tag höchstens 60 Euro abheben. Damit gingen schnell die 20-Euro-Scheine aus und die Geldautomaten geben nun vielerorts nur 50er Noten aus.

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Tsipras hält an Nein-Parole fest

1:39 min, aus Tagesschau am Mittag vom 3.7.2015

Bankomaten neu aufgefüllt

«Das Ergebnis ist, dass jeder hier mit 50-Euro-Scheinen herumläuft und die Geschäfte kein Wechselgeld zurückgeben können», sagte Christos Pilatakis, ein Hotelmanager auf der Touristeninsel Rhodos. Das Problem mit den 20-Euro-Scheinen werde im Grossraum Athen nach und nach gelöst. Die Banken hätten am frühen Nachmittag die Geldautomaten mit 20-Euro-Scheinen versorgt, berichtete der griechische Rundfunk.

Für die Feriengäste aus dem Ausland funktionierten am Freitag die Geldautomaten normal. Mit ausländischen Bankkarten konnte man den jeweils geltenden Höchstbetrag des Tages abheben, der bei der National Bank of Greece beispielsweise 500 Euro beträgt.

3000 Schweizer in Griechenland

Schwieriger ist es hingegen für jene, die dem Land – anders als die Urlauber – nicht einfach den Rücken kehren können. So wie für die 3000 Schweizerinnen und Schweizer, die in Griechenland leben. Ihnen versucht der Schweizerclub Athen zu helfen, wo es möglich ist.

Vor fast 125 Jahren gegründet, war der Club ursprünglich ein Netzwerk zur gegenseitigen Unterstützung gewesen, sagte Präsident Konstantinos Kokkinos. «Jetzt ist der Club dabei, genau das wieder zu werden.» Kokkinos ist wie viele Schweizer in Griechenland Staatsbürger beider Länder.

Tickets in die Heimat

In enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft versucht der Schweizerclub, Schweizer Familien zu helfen, die wegen der Krise in Not geraten sind. Im Fokus stehen dabei vor allem ältere Leute. «Einige unserer Mitglieder haben Schweizern sogar angeboten, Flugtickets zurück in die Heimat zu bezahlen», sagte Kokkinos.

Doch gerade für ältere Personen ist eine Rückkehr nicht immer eine Option. «Nach 30 oder 40 Jahren in Griechenland wollen oder können sie nicht mehr zurück in die Schweiz.» Leuten, die beispielsweise nicht mehr selbst zur Bank gehen könnten, um Geld abzuheben, müsse vor Ort geholfen werden.

80 Prozent der jungen Schweizer sind weg

Die jüngere Generation der Schweizer in Griechenland gibt es dagegen kaum mehr. 80 Prozent der 25- bis 30-Jährigen hätten das Land vor zwei oder drei Jahren verlassen, schätzt Kokkinos. Viele andere spielten mit diesem Gedanken. Eine Auswanderungswelle erwartet er dennoch nicht. Es brauche eine gewisse Zeit, um sich zu organisieren.

Kokkinos kritisiert, dass die griechische Regierung das Referendum vom Sonntag überhaupt angesetzt hat. Die Abstimmung führe zu einer Spaltung des Landes. Ausserdem hält der Anwalt das Vorgehen für rechtlich fragwürdig. Der Europarat billige die Abstimmung nicht, sagte er.

Mit seiner Familie in Zürich bedrohe ihn die Lage in Griechenland nicht. Dennoch mache er sich Sorgen. Ein Ja zum Referendum und damit zu Europa sei eine «Notwendigkeit für Griechenland». Aber selbst dann sei nicht klar, was passieren werde.