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75 Jahre «Stalingrad» Hitlers folgenreiche Niederlage an der Ostfront

Die Schlacht um die strategisch gut gelegene sowjetische Stadt gilt als Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Die deutsche Wehrmacht erlitt eine schmerzliche Niederlage. Dies bedeutete den Anfang vom Ende des Dritten Reichs.

Der Zweite Weltkrieg wird in Stalingrad entschieden: wenn nicht auf dem Feld, so doch im Kopf. Denn tatsächlich hat die deutsche Wehrmacht grössere operative Niederlagen erlebt.

Zum ersten Mal zeichnet sich nämlich in Stalingrad ab, dass die deutschen Truppen verletzlich sind, dass Hitler im Osten verlieren könnte, und dass ein Drittes Reich mit dem wahnwitzigen Plan auf eine Weltherrschaft scheitern könnte.

Zwei deutsche Soldaten in einem Bombenkrater
Legende: Nach der Hitze der Schlamm, nach dem Schlamm der Schnee. Die Streitkräfte leiden im monatelangen Kampf an argen körperlichen Strapazen. Im Bild zwei deutsche Soldaten, die in einem Bombenkrater Schutz suchen (Dezember 1942). Keystone

Die deutsche Kriegsführung unter Adolf Hitler erklärt Stalingrad zum operativen Ziel ihrer Kriegsführung. Einerseits wegen ihrer industriellen und geostrategischen Bedeutung – die Stadt liegt an der Wolga, rund 400 Kilometer nördlich der Mündung des Flusses ins Kaspische Meer. Andererseits wegen ihres Symbolwerts – 1925 wurde das ehemalige Zarizyn zu Ehren Stalins umgetauft.

Rauch und Trümmer.
Legende: Die Bombardierung der Rüstungswerke von Stalingrad durch deutsche Fliegertruppen (Luftaufnahme vom September 1942). Keystone

Zwischen Hitler-Deutschland und der Sowjetunion unter Stalin besteht seit August 1939 ein Nicht-Angriffs-Pakt.

Doch der «Führer» verfolgt seine Weltmachtpläne weiter und greift im Juni 1941 die Sowjetunion an. Trotz fürchterlichen Verlusten im Winter 1941 und in der irrigen Annahme, die Sowjets seien «am Ende ihrer Kraft», beauftragt Hitler im Spätsommer 1942 General Friedrich Paulus mit der Einnahme von Stalingrad.

Zwei Deutsche, einer mit Fernrohr, der andere schaut durch ein Scherenfernrohr.
Legende: General Friedrich Paulus, Oberbefehlshaber der 6. Armee (rechts) oberserviert durch ein Scherenfernrohr die sowjetischen Linien, aufgenommen am 24. November 1942. Keystone

Zunächst gelingt es den deutschen Verbänden, bis nach Stalingrad vorzudringen. Die Stadt wird während zwei Wochen ununterbrochen von deutschen Flugzeugen aus bombardiert. Doch die Zivilisten geben trotz hohen Verlusten nicht auf und verschleissen die deutschen Truppen und ihre Verbündeten in Häuser- und Strassenkämpfen, dem sogenannten «Rattenkrieg».

Einer russischen Gegenoffensive kann Paulus' 6. Armee dann letztlich nicht standhalten.

Soldaten, Abwehrkanone und Trümmer.
Legende: Deutsche Panzerabwehrkanone in den Vororten Stalingrads (Herbst 1942). Keystone

Nach Angaben verschiedener Historiker sehen sich im November 1942 zwischen 250'000 und 300'000 Deutsche umzingelt von der Roten Armee – und ausser ihnen Zehntausende Hilfssoldaten verbündeter Nationen.

Die Lage der unzureichend versorgten Soldaten ist aussichtslos. Dennoch bestehen Hitler und die militärische Führung auf eine Fortführung der verlustreichen Kämpfe, er verspricht eine Versorgung aus der Luft. Doch dieser Plan entpuppt sich als unmöglich. Die Soldaten hungern und frieren. Trotz der Kälte – die Temperaturen liegen in diesem Winter 1942/43 bei minus 30 Grad Celsius und weniger – dürfen sie nachts kein Feuer anzünden.

Zwei deutsche Soldaten gehen mit erhobenen Händen einem sowjetischen Soldaten voran.
Legende: Zwei Soldaten der deutschen Wehrmacht werden nach einem Häuserkampf von einem sowjetischen Soldaten gefangengenommen (25. Januar 1943). Keystone

Auf ein Verhandlungsangebot der Sowjets Anfang Januar 1943 will sich Hitler nicht einlassen – die Generäle folgen den Anweisungen des «Führers», denn sonst droht die Todesstrafe.

Schliesslich ergeben sich die Truppen der deutschen Wehrmacht doch noch. Rund 10'000 versprengte Soldaten, die sich in Kellern und der Kanalisation versteckt hielten, setzen ihren Widerstand noch bis Anfang März 1943 fort.

Gruppe von Soldaten in Mänteln läuft durch Trümmer.
Legende: Deutsche Soldaten ziehen nach dem Ende der Kämpfe in eisiger Kälte durch die Ruinen der Stadt in sowjetische Kriegsgefangenschaft (31. Januar 1943). Keystone

In den Kämpfen, die bis Februar 1943 dauern, kommen mindestens eine halbe Million russische Soldaten ums Leben. Die Zahlen der deutschen Opfer schwanken nach diversen Quellen zwischen 150'000 und 250'000.

Von den mehr als 90'000 deutschen Soldaten, die in sowjetische Kriegsgefangenschaft kommen, kehren bis 1956 etwa 6000 Überlebende nach Deutschland zurück.

Lange Reihe von Soldaten. Mehrere hundert Mann in einer Linie.
Legende: Heerscharen von Deutschen marschieren in die Kriegsgefangenenlager (26. März 1943). Keystone

Viele der Gefallenen Soldaten werden nach der Schlacht von der Bevölkerung in Massengräber gelegt. Bauarbeiter im heutigen Wolgograd stossen immer noch regelmässig auf sterbliche Überreste.

Leichen im Schnee.
Legende: Berge von gefrorenen Leichen bleiben im Schnee liegen (März 1943). Keystone

Im vergangenen Jahr sind in einem Massengrab etwa 500 Tote exhumiert worden. An den Uniformresten und an den Stiefeln kann man erkennen, dass es sich um deutsche Soldaten handelt.

Auch wenn die Stadt an der Wolga im Rahmen der Entstalinisierung 1961 nochmals einen neuen Namen erhält und heute Wolgograd heisst: Um die grosse Schlacht breitet sich in der Sowjetunion und später in Russland ein Gedenkkult aus, der bis heute auch politischen Zwecken dient. So gibt es Stimmen, die die Rückkehr zum Namen Stalingrad fordern.

Der Verlauf der Schlacht

Mitte August 1942: Die 6. Armee der Wehrmacht unter General Friedrich Paulus eröffnet die Offensive auf die Stadt – unterstützt von der 4. Panzerarmee. Bis Mitte November erobert sie rund 90 Prozent Stalingrads.

19. November: Die Rote Armee beginnt eine zangenförmige Grossoffensive. Drei Tage später ist die gesamte 6. Armee sowie Teile der 4. Panzerarmee eingeschlossen.

24. November: Auf Befehl des Diktators Adolf Hitler dürfen die deutschen Truppen unter keinen Umständen Richtung Westen ausbrechen.

12. Dezember: Die deutsche «Heeresgruppe Don» beginnt einen Angriff, um die eingekesselten Verbände zu befreien. Die Aktion wird nach neun Tagen abgebrochen, der sowjetische Widerstand ist zu gross.

8. Januar 1943: Die Rote Armee überbringt den eingekesselten Deutschen ein Kapitulationsangebot – es wird abgelehnt.

10. Januar: Die Sowjetunion beginnt ihren Generalangriff. Die eingeschlossenen Wehrmachtssoldaten werden in einen nördlichen und einen südlichen Kessel geteilt.

31. Januar: Die Rote Armee erreicht das Hauptquartier der 6. Armee im Südkessel. Die Truppen kapitulieren, Paulus wird Kriegsgefangener.

2. Februar: Obwohl Hitler erwartet, dass sich der Nordkessel «bis zum Letzten» hält, ergeben diese sich und lassen sich gefangen nehmen.

Text der die Postergrafik beschreibt
Text der die Postergrafik beschreibt

20 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    "Wenn's nun anders ausgegangen wär", von Herman van Veen. Sollte jeder mal gehört haben!
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  • Kommentar von Vera Kehrli (Vera Kehrli)
    Vielen Dank an die millionen Russen die gegen Hitler gekämpft haben und damit nicht zuletzt auch die Freiheit der Schweiz erhalten haben.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Erstens mal waren es nicht die Russen allein, die gekämpft haben, sondern vielmehr Angehörige der Roten Armee aus vielen Völkern der UdSSR, die jetzt nicht mehr zu Russland gehören und Putin so tut, als ob ausschließlich die Russen gesiegt haben. Und zweitens war es die westliche Allianz wie die NATO, die nach dem 2. Weltkrieg den nicht von Sowjetrussland besetzten Teil Europas, einschließlich der Schweiz vor weiterem Zugriff Stalins und der UdSSR beschützt haben.
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    2. Antwort von Jonas Ammann (jonas.ammann)
      @ Chauvet: Vladimir Putin hat nie gesagt und auch nie so getan, als ob ausschliesslich Russen in der Roten Armee gekämpft haben. Das unterstellen Sie ihm einfach mal, um ihn leichter angreifen zu können. Kommentieren ist erwünscht, aber bleiben Sie bitte bei den Fakten.
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    3. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @Jonas Ammann: In Putins Rede zum 3.2.17 an der ansonsten nichts auszusetzen ist, ist nur vom "russischem Volk" die Rede und von sonst keinem, wobei ich natürlich nicht in Abrede stellen will, dass er gerne die Leiche Sowjetunion wiederbeleben möchte.
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Das heutige Merkel Regierung, vergessen hat historische Verantwortung welche Deutschland gegenüber Russland hat, finde ich ungeheuer. Geschichte Revisionierung mit neue polnischen Gesetz, oder Geschichte Umschreibung welche in Kroatien und Baltikum stattfindet wie immer laute Behauptungen, "USA hat Europa befreit" sollte auf Wiederstand stossen und sanktioniert werden. Das auf einen KZ Lager in Kroatien kroatische Regierung Ustascha Gruss toleriert hat finde ich beschämend...
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Ja Verehrtester, Putin macht hier zum "Gedenken" der mörderischen Schlacht eine riesige Waffenschau, um seine monströsen hegemonialen Vorstellungen zu unterstreichen. Und dann erdreistet er sich, den Sieg für Russland zu reklamieren. Aber in der Sowjetunion standen in erster Linie andere Völkerscharen an vorderster Front. Putin sollte eher Innehalten und dem Leid der Menschen gedenken, das wäre besser als Kriegswaffen zur Schau zu stellen. Ihre Bemerkung was Merkel betrifft, ist völlig absurd.
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    2. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      Marcel Chauvet Warum darf Russland nicht seiner vielen Opfer gedenken? Weil es eben die Russen sind? Seien wir den Russen dankbar dass sie uns das 3. Reich erspart haben. Die, zugegeben nicht gerade rühmliche Zeit der Sowjets ist vorbei darum, immer diese Russenhetze geht mir verdammt auf den Keks. Alles US Fakes. Dass in einer DE Talksendung ein deutscher Teilnehmer sagen darf: Wir brauchen die Atombombe gegen die Russen sagt schon alles!
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    3. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @Schläpfer: Sie haben nicht richtig gelesen. Gedenken muss sein, aber in Anbetracht des Leids Tausender Opfer verbietet sich die Demonstration martialisch kriegerischer Waffen, was ja letztlich Unfrieden und Weiter so bedeutet, also man in Wirklichkeit nichts dazu gelernt hat.
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