85 vermisste Feuerwehrleute nach Chemieunglück in China

Im chinesischen Tianjin ist die Zahl der Toten ist inzwischen auf 112 gestiegen. Die Opferbilanz könnte sich noch dramatisch verschlechtern, denn 95 Menschen werden noch vermisst. Auch steigt die Gefahr einer Verseuchung durch hochgiftiges Natriumzyanid.

Feuerwehrsleute bei einer Pause

Bildlegende: Nie zuvor sind in China bei einem Unglück so viele Feuerwehrleute ums Leben gekommen wie in Tianjin. Keystone

Vier Tage nach der Katastrophe werden noch 95 Menschen vermisst, davon sind 85 Feuerwehrleute. Die Zahl der Toten ist zwischenzeitlich auf 112 gestiegen, unter ihnen über 30 Feuerwehrleute und Retter. Hunderte Verletzte liegen in Spitälern. Das berichteten die Behörden nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Nie zuvor in der Geschichte der Volksrepublik sind bei einem Unglück so viele Feuerwehrleute ums Leben gekommen wie in Tianjin. Die Feuerwehrleute waren am späten Mittwochabend zu einem Feuer in dem Gefahrengutlager im Binhai Distrikt geeilt und hatten gerade mit Löscharbeiten begonnen, als die Chemikalien explodierten.

Hunderte Tonnen hochgiftiges Natriumcyanid

Aus Angst vor giftigen Gasen riefen die Behörden zur Evakuierung des Hafengeländes in einem Umkreis von drei Kilometern auf. Da das Feuer wegen der gelagerten gefährlichen Chemikalien nicht mit Wasser bekämpft werden kann, wurden 600 Tonnen Sand herangeschafft.

Die Gefahr einer Verseuchung ist gross. In dem explodierten Gefahrgutlager befanden sich nach Angaben der chinesischen Armee unter anderem hunderte Tonnen vom Natriumcyanid. Der hochgiftige Stoff ist hochentzündlich und dürfte die Explosion verursacht haben.

Wer Staub oder Dämpfe von Natriumcyanid einatmet, kann bewusstlos werden, Luftnot bekommen und an Atemlähmung sterben – denn der Sauerstofftransport wird blockiert.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Neue Explosionen in Tianjin

    Aus Tagesschau vom 15.8.2015

    Drei Tage nach den verheerenden Explosionen in der nordchinesischen Hafenstadt ist die Zahl der Opfer auf mindestens 104 gestiegen. Ausserdem ist es am Unglücksort zu neuen Explosionen gekommen.