Abdeslam plante wohl weitere Anschläge

Nach Aussagen des belgischen Aussenministers Didier Reynders, soll der Paris-Attentäter Salah Abdeslam von Brüssel aus neue Anschläge geplant haben. Derweil wurden weitere Details zur Rolle von Abdeslam bei den Anschlägen von Paris bekannt.

Abdeslam wird von schwer bewaffneten Einsatzkräften in ein Auto gedrängt.

Bildlegende: Die Festnahme des monatelang gesuchten Terroristen gelang am Freitagnachmittag in Brüssel-Molenbeek. Keystone

Das Wichtigste seit der Festnahme des Paris-Attentäters am Freitag

  • Die belgische Staatsanwaltschaft hat Abdeslam wegen Mittäterschaft an terroristischen Morden angeklagt.
  • Abdeslam soll belgischen Ermittlern gestanden haben, dass er sich am 13. November in Paris im Stade de France in die Luft sprengen wollte, dann aber einen Rückzieher machte.
  • Den belgischen Behörden zufolge lassen die Ermittlungen und Aussagen Abdeslams darauf schliessen, dass er von Brüssel aus weitere Anschläge geplant hatte.
  • Frankreich hat ein Gesuch für eine möglichst rasche Auslieferung Abdeslams gestellt. Nach Aussagen seines Anwalts, wird sich Abdeslam gegen eine Auslieferung wehren.

Nun hat auch der belgische Aussenminister Didier Reynders erste Aussagen des mutmasslichen Paris-Attentäters Salah Abdeslams kommentiert. Die Aussage, dass er sich am 13. November im Stade de France in die Luft sprengen wollte, dann aber einen Rückzieher machte, sei die eine Information. Andererseits habe man die Information, dass er bereit war, «von Brüssel aus erneut etwas anzufangen», so Reynders.

«Das könnte auch tatsächlich so sein, denn wir haben viele schwere Waffen gefunden und gesehen, dass es ein neues Netzwerk um ihn herum gibt», fügte der belgische Aussenminister an. Bisher hätten Belgien und Frankreich herausgefunden, dass etwa 30 Personen an den Pariser Anschlägen vom 13. November mit 130 Toten beteiligt gewesen seien.

Abdeslam wurde am Freitagnachmittag nach monatelanger Fahndung in Brüssel-Molenbeek festgenommen. Wegen einer Beinverletzung war er zunächst in ein Spital gebracht worden.

Am Samstag klagte ihn die belgische Staatsanwaltschaft wegen Mittäterschaft an terroristischen Morden an. Anschliessend wurde er in ein Gefängnis in Brügge gebracht. Zwei der übrigen Festgenommenen kamen am Wochenende wieder frei. Der letzte Verdächtige blieb wegen des Verdachts der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung in Gewahrsam.

Kein sofortiger Auslieferungsentscheid

Der französische Staatsanwalt François Molins erklärte, Frankreich habe einen europäischen Haftbefehl gegen Abdeslam erlassen, um dessen Auslieferung zu beschleunigen. Dieses Verfahren sei unkomplizierter und schneller als eine Ausweisung durch Belgien.

Der französische Justizminister Jean-Jacques Urvoas erklärte unterdessen, spätestens in drei Monaten werde über Abdeslams Überstellung nach Frankreich entschieden. Wegen des vorliegenden europäischen Haftbefehls müsse die endgültige Entscheidung innert 60 Tagen nach seiner Verhaftung erfolgen. Im Falle einer Berufung verlängere sich diese Frist auf 90 Tage.

Abdeslams Anwalt Sven Mary kündigte schon Widerstand gegen die Auslieferung an und will diese verhindern. Auch will er am Montag Klage gegen die Pariser Staatsanwaltschaft einreichen wegen der Preisgabe vertraulicher Informationen. Der Pariser Staatsanwalt Molins habe mit Äusserungen während seiner Pressekonferenz am Samstag «das Ermittlungsgeheimnis verletzt», sagte Abdeslams Verteidiger Mary am Sonntag belgischen Medien.

Terroristen eingeschleust

Dem französischen Staatsanwalt Molins gab weiter bekannt, dass der in Belgien aufgewachsene Franzose islamistische Terroristen nach Europa schleuste und Bombenmaterial besorgte. Dazu hätten mehrere Aufenthalte in Italien, Griechenland, Ungarn, Österreich, Deutschland, den Niederlanden und in Frankreich im vergangenen Sommer und Herbst gedient.

Am 9. September sei Abdeslam mit zwei Begleitern an der ungarisch-österreichischen Grenze kontrolliert worden. Einer von ihnen sei wahrscheinlich der Verdächtige, der am Dienstag bei einem Einsatz der belgischen Polizei im Brüsseler Vorort Forest getötet worden sei. Der zweite Begleiter sei weiterhin flüchtig.

Am 3. Oktober war Abdeslam laut Molins in Ulm mit einem Komplizen unterwegs, der am Freitag bei dem Einsatz in Brüssel-Molenbeek ebenfalls gefasst worden sei.

Zur detaillierten Rolle am 13. November «noch viele Fragen offen»

Der französische Staatsanwalt äusserte sich auch zu den Erkenntnissen zu Abdeslams Rolle bei den Anschlägen vom 13. November in Paris. Der 26-Jährige mietete demnach zwei Autos, eines für die Attentäter am Stade de France und eines für das Kommando im Konzertsaal Bataclan.

Zehn Tage nach den Anschlägen mit 130 Toten war im Vorort Montrouge südlich von Paris ein Sprengstoffgürtel gefunden worden. Offenbar hatte Abdeslam ihn dort abgelegt. Molins sagte zu all diesen Informationen, sie müssten mit Vorsicht aufgenommen werden. Es seien viele Fragen offen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Abdeslam wehrt sich gegen Auslieferung

    Aus Tagesschau vom 19.3.2016

    Nach der gestrigen Verhaftung von Salah Abdeslam – dem mutmasslichen Drahtzieher der Terrorakte von Paris – in der belgischen Hauptstadt Brüssel fordert Frankreichs Präsident Hollande nun dessen Auslieferung. Abdeslam jedoch wehrt sich gegen die drohende Auslieferung.