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Mitten in der Hochsaison Abfallberge türmen sich in Athen

Legende: Audio In Athen stinkt es zum Himmel abspielen. Laufzeit 04:16 Minuten.
04:16 min, aus Echo der Zeit vom 24.06.2017.

Tausende Angestellte der Kehrichtabfuhr in Griechenland haben nur befristete Verträge, die nicht verlängert werden sollen. Sie protestieren, indem sie in vielen Städten den Abfall nicht mehr einsammeln.

Mittlerweile stehen vielerorts regelrechte Abfallberge an den Strassen. Und das ausgerechnet jetzt im Sommer, wo sich das Land den Touristen eigentlich von seiner besten Seite zeigen möchte.

Touristen und Einheimische rümpfen die Nase

In der Fussgängerzone der Plaka in der Athener Altstadt ist viel los: Touristen aus der ganzen Welt gehen hier vorbei, um die Akropolis oder den antiken Marktplatz zu besuchen oder um Souvenirs zu kaufen. Doch auch dieses touristische Zentrum der griechischen Hauptstadt bleibt vom enormen Abfallproblem nicht verschont: Die Container sind auch hier überfüllt und daneben stapeln sich weitere Abfallsäcke.

Es riecht schlecht, was den ausländischen Gästen auffällt. Die Situation ist auch für die Einheimischen unangenehm. Ilias Bouzianis hat Verwandte aus den USA zu Besuch. Dass sie neben der Akropolis die Abfallberge antreffen, findet er beschämend: «Das hinterlässt doch einen schlechten Eindruck bei den Touristen. Dabei hat Griechenland gerade jetzt in Zeiten der Krise den Tourismus bitter nötig. Das ist der Sektor, der Geld ins Land bringt. Wir versuchen zwar die Abfallsäcke so lange zu Hause zu behalten, wie es geht, aber wenn der Abfall anfängt zu stinken, müssen wir ihn runter bringen.»

Die Gewerkschaft der städtischen Angestellten Poe-Ota, der auch die Angestellten bei der Abfallentsorgung angehören, ist sich dieser Probleme durchaus bewusst. Trotzdem – oder gerade deshalb – wollen sie mit dem Streik weitermachen, sagt Gewerkschaftler Gorgos Charisis: «Wenn man für etwas kämpft, benutzt man nun einmal die Waffen, die man hat. Der Streik ist unsere letzte Waffe. 10‘000 Kollegen verlieren ihren Job, dabei gab es immer wieder Versprechen der Regierung, dass sie das Thema regeln wird. Wir verlangen eine Lösung. Wenn die Regierung es will, wird ganz Griechenland in zwei Tagen wieder sauber sein.»

Sparmassnahmen der Regierung verbieten Festanstellungen

Der Hintergrund des Streiks: Der oberste Gerichtshof hatte die befristeten Verträge von fast 10‘000 Angestellten bei der Kehrichtabfuhr und deren ständige Vertragsverlängerungen für verfassungswidrig erklärt. Die Richter begründen dies damit, dass Kehrichtmänner eine Arbeit machten, die permanent und nicht nur vorübergehend nötig sei. Deshalb dürfe es keine befristeten Arbeitsverhältnisse geben.

Doch die Sparmassnahmen der Regierung verbieten neue Festanstellungen bei den Gemeinden. Das führt in eine Sackgasse: Die griechische Regierung hat den Angestellten zweimonatige Übergangsverträge angeboten, bis es eine zufriedenstellende Lösung gibt. Ein Vorschlag, den die Kehrichtmänner aber nicht annehmen wollen.

Zu Recht, findet der Souvenirverkäufer Minas Bellos. Obwohl sich auch vor seinem Geschäft ein Abfallberg auftürmt, zeigt er Verständnis: «Die Kehrichtmänner haben vollkommen recht. Sie verlieren ja ihre Arbeit. Dabei haben sie einen der härtesten Jobs überhaupt. Ich finde, die griechische Gesellschaft sollte da ihre Solidarität zeigen. Denn am Ende werden sie es wieder sein, die die Abfallberge wegräumen müssen.»

Die Angestellten bei der Kehrichtabfuhr haben jedenfalls nicht so schnell vor, ihren Streik einzustellen. Sie wollen ihren Protest fortführen, bis ihre Arbeitsplätze gesichert sind und bereiten sich auf ihre nächste Demonstration am kommenden Montag vor.

Rodothea Seralidou

Rodothea Seralidou

Die Journalistin berichtet seit 2011 für SRF und ARD aus Griechenland. Sie lebt in Athen.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Joyce Schmid (jms)
    Ein Streik ist nie den besten Weg einen Streit zu beenden. In dieser Hitze kommen die Ratten zur Abfall, unschuldige Menschen werden krank, Touristen bleiben fern und Griechenland geht's noch schlechter als vorher. Warum können die Menschen nicht an die ganze Auswirkungen schauen anstatt nur ihre eigene Nutze zu sehen?
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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Sollen die Griechen machen was sie wollen, ich fahre dort nicht mehr in Urlaub, mit Sicherheit nicht.
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Europa sollte von China lernen, wie man einen Wirtschaftsraum aufbaut: China baut Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen und Autobahnen in Westchina und schickt Milliardenbeträge an die armen Provinzen, welche nicht gleich wieder an Banken zurück gegeben werden. Das müsste Europa tun in Griechenland, Rumänien, Bulgarien. Das folgende Wachstum dieser Regionen würde Aufträge für Frankreich, Italien und Deutschland bringen. Aber Demokratie ist für langfristige Planung wohl einfach ungeeignet.
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