Abgas-Affäre kostet VW-Chef doch noch den Kopf

Martin Winterkorn tritt als Konzernchef von Volkswagen zurück. Der 68-Jährige begründet seinen Entscheid damit, dass VW einen Neuanfang brauche. Die Affäre wirft auch ein schlechtes Licht auf die deutsche Regierung. Diese wusste offenbar schon länger von überhöhten Abgas-Werten bei Diesel-Autos.

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Jetzt auch BMW unter Beschuss

0:52 min, aus Tagesschau am Mittag vom 24.9.2015

Martin Winterkorn tritt als Konzernchef von Volkswagen zurück. Der 68-jährige Manager zieht mit diesem Schritt die Konsequenzen aus dem Skandal um manipulierte Abgaswerte in den USA. Winterkorn begründet seinen Rücktritt damit, dass VW einen neuen Anfang benötige.

«Bestürzt» und «fassungslos»

Nach einer Krisensitzung zeigte sich Martin Winterkorn «bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist». Er sei fassungslos, dass «Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren». Gleichzeitig erklärte Winterkorn, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein.

Bereits nach Auffliegen des Skandals waren Rufe nach einem Wechsel auf der Chefetage laut geworden. Die Aktienwerte des Konzerns stabilisierten sich unmittelbar nach Bekanntgabe des Rücktritts.

Bisher keine Rückruf-Aktion

In der Abgas-Affäre hat Volkswagen bisher nicht über eine Rückrufaktion entschieden. Zudem schweigt sich der Autobauer über die betroffenen Modelle aus.

Ob in Europa ebenfalls Abgaswerte von Autos manipuliert wurden, kann auch die EU-Kommission derzeit nicht beantworten. «Es ist heute zu früh, um zu sagen, ob Volkswagen-Fahrzeuge in Europa betroffen sind», erklärte eine Vertreterin der Brüsseler Behörde.

Deutsche Regierung wusste offenbar Bescheid

Die Abgase-Affäre wirft auch ein schlechtes Licht auf die deutsche Regierung. Offenbar wusste diese bereits seit mindestens einem Jahr von vielfach überhöhten Abgas-Werten bei Diesel-Autos.

Man habe seit dem Herbst 2014 belastbare Indizien, dass selbst moderne Euro-6-Diesel erheblich erhöhte reale Stickoxid-Emissionen aufwiesen, schrieb die Regierung im August als Antwort auf eine Mahnung der EU-Kommission.

Mögliche Folgen für die Schweiz

Die VW-Abgas-Affäre könnte auch für die Schweizer Wirtschaft nachteilige Folgen haben. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann befürchtet, dass die Vertrauenskrise den Schweizer Zulieferern für die deutsche Autoindustrie schaden könnte.


Schneider-Amman zum VW-Skandal

1:57 min, aus Rendez-vous vom 23.09.2015

Gegenüber SRF News sagte Schneider-Ammann: «Wir haben ein Rheintal in unserem Land, das ist Komponentenhersteller und Zulieferer für die deutsche Autoindustrie. Sollte in Deutschland jetzt wegen dieser Vertrauenskrise mit irgendeinem Nachfrageeinbruch umgegangen werden müssen, dann heisst das, dass es direkt durchschlagen würde zu den Zulieferern.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Krisensitzung bei Volkswagen

    Aus 10vor10 vom 22.9.2015

    Fast eine halbe Million Dieselfahrzeuge ruft VW in den USA zurück. In ihnen ist eine Software installiert, die die Abgaswerte geschönt hat. Für den Konzern ist der Skandal eine Katastrophe, die Krisensitzungen sind im Gange.

  • FOKUS: Wie war der VW-Skandal überhaupt möglich?

    Aus 10vor10 vom 22.9.2015

    Wie kann in einem Weltkonzert wie VW derart systematisch und vorsätzlich geschummelt werden? «10vor10» sucht in einem Abgas-Testcenter nach Antworten und befragt einen Experten für Wirtschaftskriminalität.

  • Es wird eng für VW

    Aus Tagesschau vom 22.9.2015

    Die VW-Abgas-Affäre – sie wird immer bedrohlicher für den Welt-Konzern. In den USA droht eine Strafanzeige, in Europa mischen sich Behörden und Politiker ein.