Zum Inhalt springen

International Abhörskandal: Vertrauen mit den USA wiederherstellen

Überraschende Wende im Skandal um US-Spionage in Europa: Deutschland und Frankreich werden Gespräche mit Washington führen. Vor Weihnachten werden sie dann den EU-Partnern Bericht erstatten.

Legende: Video Diskussion um Einwanderungsproblem abspielen. Laufzeit 4:46 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 25.10.2013.

Als Reaktion auf den US-Abhörskandal wollen Deutschland und Frankreich die Arbeit der Geheimdienste gemeinsam mit den USA auf eine neue Grundlage stellen. Bis zum Jahresende solle dafür ein Rahmenwerk verhandelt werden.

Paris und Berlin einig im Vorgehen

«Was heute zählt, ist die Gewissheit, dass sich so etwas nicht wiederholt», sagte der französische Präsident François Hollande am frühen Freitagmorgen nach den Gesprächen in Brüssel. Dies sei das Ziel der Initiative: «Deutschland und Frankreich sind sich einig in ihrem Vorgehen», sagte Hollande.

Andere EU-Staaten könnten sich dieser deutsch-französischen Initiative anschliessen, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die 28 EU-Regierungen hatten sich zuvor auf eine Gipfel-Erklärung geeinigt, in der die USA gewarnt werden, dass «ein Mangel an Vertrauen die nötige Zusammenarbeit im Geheimdienstbereich gefährden könnte».

Freihandelsgespräche nicht in Gefahr

Von schärferen Reaktionen sehen die EU-Staaten jedoch ab. Eine Unterbrechung der Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit den USA zum Beispiel sei bei den Gipfel-Beratungen nicht gefordert worden, erklärte Merkel. Das hatte der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, vor dem Treffen ins Gespräch gebracht.

Die EU verhandelt mit Washington seit Sommer über die Schaffung der weltgrössten Freihandelszone mit gut 800 Millionen Einwohnern. Experten hoffen auf bis zu zwei Millionen neue Arbeitsplätze.

«Vertrauen erschüttert»

Merkel betonte, dass die USA weiter ein sehr wichtiger Partner der Europäer seien und man viele Herausforderungen auf der Welt gemeinsam bewältigen müsse. «Diese Partnerschaft muss sich aber auf Vertrauen und Respekt aufbauen.» Dieses Vertrauen sei erschüttert, die EU-Regierungen hätten in ihrer Diskussion «tiefe Besorgnis» über die Berichte geäussert.

Nach dem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama am Mittwoch habe sie den Eindruck, dieser habe verstanden, dass sich etwas ändern müsse.

Schutz der EU-Bürger aufgeschoben

Trotz ihrer Empörung über die US-Datenspionage schraubten die EU-Staaten ihre eigenen Ziele für den Datenschutz der Bürger in Europa herunter. In einem Entwurf der Gipfelerklärung hatte es geheissen, die bereits seit Monaten kontrovers verhandelte EU-Datenschutzreform solle «im nächsten Jahr» angenommen werden. Die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding will die Reform bis zur Europawahl im Mai 2014 unter Dach und Fach bringen.

Nun einigten sich die Staats- und Regierungschefs aber darauf, dass die Reform «rechtzeitig» für die Vollendung des digitalen EU-Binnenmarktes im Jahr 2015 angenommen werden solle. «Wir geben uns da selbst mehr Spielraum», räumte Van Rompuy ein. Die Reform habe auch Auswirkungen auf die Wirtschaft und müsse «sorgfältig» geprüft werden.

Merkel-Späher in US-Botschaft?

An dem vermuteten NSA-Spähangriff auf das Handy von Merkel war möglicherweise die US-Botschaft in Berlin beteiligt. Der Verdacht soll sich aus Unterlagen des Ex-NSA-Mitarbeiters Snowden ergeben. Auf einer Liste soll vermerkt gewesen sein, dass eine Abhöraktion gegen Merkel laufe. Als Operationsbasis sei verschlüsselt die US-Botschaft aufgeführt.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von S.Mosimann, Luzern
    Die EU-Politiker finden stehts ein Weg noch mehr Naivität an den Tag zu legen. Wenn die Amerikaner sagen "wir tun das nicht mehr" dann werden sie es wohl glauben. Statt endlich aufzustehen und die eigene Identität stärken. Wir haben uns zu abhängig gemacht von den US Gesetzen, Rechtssprechungen, Technologien etc. Es ist an der Zeit die Wirtschaft mit 20 Mia zu föderen um eigenständig zu werden. Die aktuellen Systeme basieren alle auf Software von Übersee. Damit keine echte Sicherheit machbar.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Die Politik ist zu konservativ und zu langsam! Ich würde den Amis keine 5 Rappen anvertrauen. Das Vertrauen kann auch nicht einfach so wieder hergestellt werden. Die Politik müsste mal den US-Botschafter nach Hause schicken und die Mc'Donalds Filialen schliessen. Dann könnte sich etwas ändern. Aber allein mit Worten ist nichts zu machen, wir kennen die Amis mit ihren Lügenmärchen, welche das Vertrauen noch weiter untermauern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Was soll das ganze Schauspiel. Die NSA spioniert seit nach dem 2. Weltkrieg hier in Europa - dies mit Wissen der jeweiligen Politiker. Das Personen der Öffentlichkeit ausspioniert werden können, kann ja nicht erstaune. Der US-Päsident weiss längst nicht alles was der NSA so treibt. Das Volk hat ein Recht sich über das Eindringen in die Privatsphäre aufzuregen und auch, dass die Politiker hier einmal mehr ihren Job nicht machen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen