Zum Inhalt springen

International Acht Malala-Attentäter wieder frei

Ein pakistanisches Gericht hat offenbar acht Männer freigelassen, die verdächtigt wurden, die Kinderrechts-Aktivistin Malala Yousafzai 2012 angegriffen zu haben. Die Männer sollen in einem geheimen Gerichtsverfahren aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden sein.

Malala
Legende: 2012 hatten Taliban-Attentäter die damals 15-jährige Malala lebensgefährlich verletzt. Keystone

Wegen des Anschlags auf die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai sind womöglich weniger Angeklagte verurteilt worden als bisher angenommen. Laut Behördenvertreter wurden nur zwei Taliban-Kämpfer bestraft.

Sie bestätigten einen Bericht der britischen Zeitung «Mirror». «Zwei von ihnen wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, während acht von ihnen freigesprochen wurden», sagte der Polizeichef des Bezirks Swat, Salim Khan Marwat.

Er wisse nicht, wo diese Männer sich aufhalten, sie seien «entweder in Militärgewahrsam oder in Freiheit». Auch der Vize-Generalinspektor der Polizei in der Region Malakand, Azad Khan, sprach von lediglich zwei Verurteilten.

Prozess unter Militäraufsicht

Nach dem Prozess in Malalas Heimatort Mingora im Nordwesten Pakistans Ende April hatten die Behörden mitgeteilt, dass zehn Taliban-Kämpfer wegen des Attentats auf die pakistanische Kinderrechtsaktivistin zu lebenslanger Haft verurteilt worden seien. Der Prozess fand unter Aufsicht des Militärs statt. Medienvertreter waren nicht zugelassen.

Ein ranghoher Justizvertreter zweifelte die offiziellen Angaben am Freitag ebenfalls an. Zwei Täter seien zu 25 Jahren Haft verurteilt worden, was in Pakistan einer lebenslangen Freiheitsstrafe entspreche. Die acht übrigen Beschuldigten seien «aus Mangel an Beweisen freigesprochen» worden.

Ein Vertreter der Sicherheitskräfte in Mingora wies den «Mirror»-Bericht und die Angaben der Polizei zurück. Alle zehn Angeklagten seien tatsächlich zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Schütze und Auftraggeber nicht gefasst

Legende: Video Aus dem Archiv: Proteste nach Angriff auf Malala abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.10.2012.

Mehrere Taliban-Kämpfer waren im Oktober 2012 in den Schulbus gestiegen, in dem Malala sass. Einer der Täter schoss ihr gezielt in den Kopf und verletzte sie schwer. Der Mordversuch löste weltweit Entsetzen aus. Dank einer raschen Notoperation in Pakistan und einer anschliessenden Behandlung in Grossbritannien überlebte die heute 17-jährige Malala.

Im September 2014 gab die Armee die Festnahme von zehn Verdächtigen bekannt. Der mutmassliche Schütze sowie der Auftraggeber der Tat, Pakistans Taliban-Chef Fazlullah, wurden allerdings nicht gefasst. Sie sollen nach Afghanistan geflohen sein.

Malala setzte sich trotz des Anschlags weiter für die Rechte von Mädchen ein. Im vergangenen Jahr wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Mit 17 Jahren war sie die mit Abstand jüngste Nobelpreis-Empfängerin.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Da sieht man wieder, dass ein Nobelpreis des (Westens) in Pakistan fast gar nichts ändert. Der Umbau der Gesellschaft muss zum Grossteil von innen erfolgen. Und zwar im kleinen in der Familie, der Erziehung und der Wertschätzung von Frau und Mann. Wie schwierig ist noch heute die völlige Gleichstellung (auch im Geiste aller Männer) in Europa. Auch bei uns war es ein langer Prozess mit viel Widerstand und beharren auf angeblicher Tradition. Die kath. Kirche lebt noch immer in der Vergangenheit.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen