Ägypten bestätigt Todesstrafe für Fussball-Ultras

Ein ägyptisches Gericht hat die Todesurteile gegen elf Fussball-Ultras bestätigt, die an den blutigsten Fan-Ausschreitungen in der Geschichte des Landes beteiligt gewesen sein sollen. Die Auseinandersetzungen im Jahre 2012 mit über 70 Toten waren politisch motiviert.

Mehrere Männer in weisser Uniform sitzen hinter Gitter.

Bildlegende: Die elf zum Tode verurteilten Männer tragen laut Gericht die Hauptverantwortung für die Krawalle in Port Said 2012. Keystone

Im April wurden elf sogenannte Fussball-Ultras in Ägypten zum Tode verurteilt. Nachdem nun der Grossmufti seine Meinung kundtat, haben die Richter ihr Urteil bekräftigt.

Zudem wurden mehrere Dutzend weitere Angeklagte – teilweise in Abwesenheit – zu Gefängnisstrafen verurteilt. Mindestens 21 Beschuldigte wurden vom Gericht freigesprochen. Gegen die Gerichtsentscheide können noch Rechtsmittel eingelegt werden.

Tödliche Fussball-Krawalle 2012

In dem Verfahren geht es um Ausschreitungen im Februar 2012 im Stadion der nordägyptischen Stadt Port Said, bei denen 74 Menschen ums Leben kamen und rund 1000 weitere verletzt wurden.

Fans des örtlichen Vereins Al-Masri waren damals in einer politisch aufgeheizten Situation nach dem Abpfiff mit Flaschen, Steinen, Messern und sogar Pistolen brutal auf Anhänger des Kairoer Clubs Al-Ahli losgegangen. Die Folge war eine Massenpanik. Viele der Todesopfer wurden erdrückt, fielen von den Tribünen des Stadions oder wurden hinuntergestürzt.

Fans von Al-Ahli: Die Speerspitze der Rebellion

Die damaligen Ausschreitungen waren politisch motiviert. Augenzeugen zufolge fühlten sie sich durch Plakate gegnerischer Fans beleidigt. Polizeikräfte schritten damals kaum ein und wurden danach beschuldigt, Al-Ahlis Anhänger wegen ihrer bedeutenden Rolle beim Sturz des früheren Staatspräsident Hosni Mubarak in einer Art Racheakt geradezu geopfert zu haben.

Ultras in Ägypten sind nicht nur Fussballfans, sondern auch politisch aktiv. Sie galten 2011 als Speerspitze der Revolution gegen den damaligen Langzeitpräsidenten Hosni Mubarak. Besonders Fans des Kairoer Traditionsclubs Al-Ahli stellten sich damals der Polizei und den Schlägerbanden des Regimes auf dem Tahrir-Platz entgegen.

Todesurteil für Ex-Präsident Mursi

Ägypten steht derzeit international wegen seiner Todesurteile in der Kritik. In der kommenden Woche steht die endgültige Bestätigung des Todesurteils gegen den früheren Präsidenten Mohammed Mursi an. Die Entscheidung darüber war vergangene Woche verschoben worden.

Höchste Glaubensautorität

Der Grossmufti ist in Ägypten die ranghöchste religiöse Autorität des Landes und muss in solchen Fällen angehört werden. Seine Position ist für das Gericht aber nicht bindend und wird nicht veröffentlicht.