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International Ägypten erklärt Muslimbrüder zu Terroristen

Ein schwerer Bombenanschlag erschüttert Ägypten. Politiker zeigen im ersten Reflex mit dem Finger auf die Muslimbrüder und stufen diese offiziell als «Terrororganisation» ein. Inzwischen hat sich aber eine Dschihadisten-Formation vom Sinai zu dem Terrorakt bekannt.

Legende: Video Muslimbrüder zur Terrororganisation erklärt abspielen. Laufzeit 0:59 Minuten.
Vom 25.12.2013.

Die ägyptische Führung hat die islamistische Muslimbruderschaft als Terrororganisation eingestuft. Dies hat der ägyptische Vize-Präsident Hossam Issa nach einer Kabinettssitzung mitgeteilt. Alle Mitglieder der Bruderschaft sollen künftig «bestraft» werden. In Zukunft sollen alle Aktivitäten der Muslimbrüder verboten werden, allen voran Demonstrationen.

Die Regierung macht die Muslimbrüder für einen Anschlag im Norden des Landes verantwortlich, bei dem am Heiligen Abend 15 Menschen getötet wurden.

Kurz nach dem Anschlag hatte Regierungschef Hasem Beblawi bereits die Muslimbrüder für den Angriff verantwortlich gemacht. Dies obwohl die Bruderschaft den Anschlag sogleich scharf verurteilt hatte. Auch der abgesetzte Präsident Mohammed Mursi gehört den Muslimbrüdern an.

«Vergeltung für den Krieg gegen die Scharia»

Inzwischen hat sich eine El-Kaida-nahe Dschihadisten-Organisation zum Anschlag bekannt. «Dies war die Vergeltung für den Krieg der gottlosen Herrschaftsordnung gegen die islamische Scharia», hiess es in dem Schreiben der Gruppe Ansar Beit al-Makdis.

Die militante Gruppe forderte Ägyptens Soldaten und Polizisten dazu auf, «ihre Posten zu verlassen», wenn sie nicht Opfer eines weiteren Anschlags werden wollten. Ansar Beit al-Makdis war bislang vor allem auf der Halbinsel Sinai und in der Suezkanal-Region aktiv.

Der Anschlag war das bisher folgenschwerste Bombenattentat seit der Entmachtung der Muslimbruderschaft im vergangenen Juli.

Weitere Demonstrationen

Die ägyptische Muslimbruderschaft will trotz eines Demonstrationsverbots weiter auf die Strasse gehen. Der Protest werde «selbstverständlich» weitergehen, sagte ein Vertreter des Exekutivrats der Organisation. Die Einstufung der Muslimbruderschaft als «Terrororganisation» sei «ungültig».

24 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bundey
    A.Planta,26.12./10:11,nun ja,weiss nicht,über welche Medien Sie sich informieren,aber Mursi war nicht mehr an seinen ursprünglichen Versprechen interessiert,deshalb der Aufstand,so vernahm man doch aus Medien aller Welt.Einmal an der Macht,wollte er die Einführung der Scharia,Fesseln für Frauen,Presse-+Redefreiheit.Und recht haben Sie,vor Profiteuren muss man auf der Hut sein,die kommen aber nicht nur von oben,sondern auch von unten und aussen!Das ist überall so,blind,wer das nicht merkt.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Es war ein Militätputsch und kein Aufstand. Das Militär will wieder eine Mubarakähnliche Regierung installieren.
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Planta - Ägypten ist (noch) nicht demokratiefähig - wie auch, wenn 80 bis 90% der Bevölkerung extrem religiös ist und sämtliche demokratischen Eckpunkte nicht mit dem Dogma des Islam vereinbar sind. All diese arabischen Länder funktionieren noch am besten mit einer semi-säkularen, autokratischen Regierung, die Extemisten wie die Muslimbrüder im Schach hält. Ehe diese Länder nicht eine Aufklärung durchlaufen und die Trennung von Moschee und Staat eingeführt wird, ist Demokratie dort illusorisch.
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    3. Antwort von Albert Planta, Chur
      Wie gut diese semi-säkularen, autokratischen Regierungen funktioniert haben sah man ja beim Mubarak, Ben Ali und Gadhaffi. Solche Systeme basieren auf Günstlingswirtschaft und Korruption. Sobald es dem Grossteil der Bevölkerung wirtschaftlich besser geht ist sie auch an der Religion nicht mehr gross interessiert. Die gleiche Entwicklung machte auch Europa durch.
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    4. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Planta - natürlich war unter Mubarak, Ben Ali und Gaddafi vieles im Argen, aber unter dem Strich funktionierten diese Länder besser als jetzt, wo die Islamisten bzw. Terroristen niemand mehr unter Kontrolle hat. Im Libyen Gadaffis war z.B. der Strom für jeden Haushalt, Schulbildung, inkl. Studieren im Ausland, und die Krankenversicherung für jeden Burger gratis und jedes neu verheiratete Ehepaar bekam vom Staat 50.000 Dollar für ein Haus geschenkt, etc.. Heute versinkt das Land im Bürgerkrieg.
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  • Kommentar von Issa Gerber, Schlieren
    Die Nestbeschmutzer Putschisten von Kairo greifen zum letzten Mittel in dem sie die Muslimbrüder als Terror Organisation erklären, obwohl sich inzwischen Ansar Beit al-Makdis zum Anschlag bekannt hat. Sie versuchen damit alle Oppositionellen als Muslimbrüder abzustempeln, sie betreiben nichts anders als das Schüren der (Islamophobie) Aber auch alle anderen, die diesen Schritt unterstützen - aberkennen damit allen Muslimen das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und zwar nicht nur in Ägypten..
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Gerber - Sie mal wieder mit ihrer komischen Definition von 'Islamophobie' (ein Wort erfunden vom Ayatollah Khomeini, um Islamkritik als rassistisch zu brandmarken). Die Muslimbrüder waren und sind schon immer im militanten Islamismus verwurzelt gewesen - genau deshalb bezeichnet sich z.B. die Hamas in Gaza als eine Schwester-Org der MB. Wenn nun die ägyptische Regierung der MB einen Riegel schiebt und sie zu Terroristen erklärt, wird dadurch nirgendwo die Menschenwürde beeinträchtigt!
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    2. Antwort von Amira Salem, Zürich
      Scheinbar gibt es Leute, die Schwierigkeiten haben bestimmte Begriffe zu verstehen oder zu begreifen, wie Menschenwürde, Menschenrechte, Völkerrecht, UNO Charta, gegenseitiges Respekt , etc. Das liegt bestimmt an Ausbildung obwohl die Schweiz gehört zu den besten Ländern mit gute Ausbildungsmöglichkeiten
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  • Kommentar von Tamer Aboalenin, Bern
    Der Beschluss ist wertlos. Kommt von Putschisten ohne juristische Grundlage und somit hat keine Legitimität. Er ist leicht anzufechten sowohl auf nationale Ebene als auch auf internationale Bühne. Die Putschisten führen das Land ins Chaos, maßen Verhaftungen, jede Art von Menschenrechtsverletzungen werden sofort zur Destabilisierung führen. Die Weltgemeinschaft kann es nicht die Konsequenzen ertragen, wenn es so weiter geht.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Dieser Beschluss ist zumindest ein wichtiges Symbol. Die Muslimbruderschaft ist die ideologische Keimzelle jeder sunnitischen Terror-Org, egal ob PLO, Hamas, Jammat al-Islamiya oder al-Qaida. Dass solche Scharia-Extremisten in Ägypten zu demokratischen Wahlen zugelassen worden sind, obwohl es ihr explizites Ziel war/ist, die Demokratie abzuschaffen und eine Theokratie zu errichten, ist eigentlich ein Witz. Gut, dass dieser mittelalterliche Laden ab sofort wieder Partei non-grata ist.
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    2. Antwort von Amira Salem, Zürich
      @Christen, der Beschluss ist ein Symbol für Rassismus, Diskriminierung und Menschenverachtung, wenn Sie die PLO als religiöse Organisation betrachten, dann zeigt das schon welche Kenntnisse haben Sie von der Region, frohe Weihnachten
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    3. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Salem - wo bitte habe ich die PLO als religiöse Organisation bezeichnet? Die PLO ist eine politische Org, deren Ideologie aber klar islamistisch geprägt ist, wie auch Hamas, al-Queda, etc.. Der Islam war schon immer eine Mischung aus politischer Ideologie und Religion - der islamische Terror fusst auf dem Koran und den Hadithen. Dazu muss man sich nur mal die Charta der Hamas anschauen, speziell Artikel 7, wo die Vernichtung der Juden explizit mit einem Zitat Mohammeds gerechtfertigt wird.
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