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International Ägypten hält am harten Kurs gegen Mursi-Anhänger fest

Ein ägyptisches Gericht hat das Todesurteil gegen 22 Unterstützer des ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi bestätigt. Sie sollen eine Polizeistation angegriffen und einen Beamten getötet haben. Bisher wurden über 15'000 Mursi-Anhänger gerichtlich abgestraft.

Bild von zwei Männern hinter Gittern
Legende: Ein Anwalt der Angeklagten kündigte an gegen das Urteil Beschwerde zu erheben. Reuters

Ein Gericht in Ägypten hat 22 Todesurteile gegen Unterstützer des vom Militär gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi bestätigt. Die Entscheidung des Gerichts fand einen Tag vor dem geplanten Urteil gegen Mursi selbst statt. Wegen Vorwürfen, im Dezember 2012 als Präsident die Tötung von Demonstranten veranlasst zu haben, droht Mursi die Todesstrafe.

Die jetzigen Todesurteile waren bereits im März verhängt worden, zwischenzeitlich hatte jedoch noch der Grossmufti, die höchste religiöse Instanz des Landes, seine Zustimmung erteilt.

Angeklagte sollen Polizisten getötet haben

Den 22 Verurteilten wird zur Last gelegt, im Juli 2013 in der Stadt Kerdasa bei Kairo eine Polizeiwache angegriffen und dabei einen Polizisten getötet zu haben. Der Angriff fand am selben Tag statt, an dem der damalige Armeechef und jetzige Präsident Abdel Fattah al-Sisi ankündigte, den Islamisten Mursi nach rund einem Jahr im Amt stürzen zu wollen.

Seit dem Putsch im Juli 2013 gehen die Behörden mit aller Härte gegen Anhänger der Muslimbrüder vor, denen auch Mursi angehört. Seitdem wurden mehr als 1400 Mursi-Anhänger getötet und mehr als 15'000 weitere inhaftiert.

Über 1400 Mursi-Anghänger getötet

Massenprozesse, bei denen im Schnellverfahren hunderte Islamisten zum Tod verurteilt wurden, sorgten international für Proteste. Von den 22 nun endgültig Verurteilten befinden sich 14 in Haft, acht sind auf der Flucht.

Gegen Mursi sind mehrere Verfahren anhängig, die mit einer Verurteilung zum Tode enden könnten. Neben dem angeblichen Tötungsbefehl gegen die Demonstranten wird dem ehemaligen Präsidenten Spionage für feindliche Mächte und der Ausbruch aus dem Gefängnis während der Revolte gegen seinen Vorgänger Husni Mubarak im Jahr 2011 vorgeworfen. Die Urteile für letztere Verfahren werden Mitte Mai erwartet.

Todesurteil gegen Mursi ist nicht ausgeschlossen

Experten zufolge ist ein Todesurteil gegen Ägyptens ersten frei gewählten Staatschef nicht auszuschliessen. Bereits zuvor hatten Gerichte solche gegen ranghohe Mitglieder der inzwischen verbotenen Muslimbrüder ausgesprochen.

1 Kommentar

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  • Kommentar von christian strahm, aarau
    Ob es Ägypten ist, das an diesem harten Kurs festhält, das bleibe dahingestellt. Woran die Verurteilten festhalten, das ist hingegen schon etwas klarer. Jung und schön sind ihre Gesichter. Sie wissen, was Freiheit und soziale Gerechtigkeit bedeuten, welch wichtige Rolle dabei die Demokratie spielt. Herr Sisi braucht noch 25 Jahre, bis er das einsieht.
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