Ägyptens Interimspräsident rechtfertigt Gewalt

Adli Mansur, Ägyptens Übergangspräsident, wandte sich in einer Ansprache an die Bevölkerung. Er stellte eine Besserung der Situation in Aussicht.

Adli Mansur

Bildlegende: Mansur ist seit 3. Juli Übergangspräsident in Ägypten. Zuvor war er Vorsitzender des Obersten Verfassungsgerichts. Reuters

Es war seine erste Ansprache im Fernsehen seit seinem Amtsantritt vor zwei Monaten: Darin sicherte Ägyptens Interimspräsident Adli Mansur die Einhaltung des Wahlkalenders zu. Im Fall einer «Verbesserung der Situation» stellte er zudem für Mitte September eine Aufhebung des Ausnahmezustands in Aussicht.

Dieser war nach den Unruhen im August verhängt worden. Mansur rechtfertigte die Massnahme mit der Notwendigkeit zur «Verteidigung der Bürger gegen den Terrorismus».

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Über 500 Tote in Ägypten

8:45 min, aus Tagesschau vom 15.8.2013

Das Militär hatte den gewählten Präsidenten Mursi am 3. Juli gestürzt und eine Übergangsregierung eingesetzt. Die wochenlangen Demonstrationen seiner islamistischen Muslimbrüder wurden am 14. August mit der brutalen Räumung zweier Protestlager gewaltsam beendet. Hunderte Menschen wurden getötet.

Dabei sei die Polizei «gemäss internationalen Standards» vorgegangen, sagte Mansur. Das Schicksal Mursis sei in den Händen der Justiz. Die sei unabhängig und ihre Urteile sollten akzeptiert werden. Auch das Ausland solle sich nicht einmischen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Der neue ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur.

    Ein besseres Ägypten - ein Ägypten ohne Opposition?

    Aus Rendez-vous vom 4.9.2013

    Übergangspräsident Adli Mansur erweckt bei seiner ersten TV-Ansprache den Eindruck, in Ägypten werde in Kürze alles besser: Die Wahlen sollen wie geplant stattfinden, und der Ausnahme-Zustand könnte aufgehoben werden, sobald sich die die Situation verbessere.

    Was verstehen die machthabenden Militärs darunter?

    Astrid Frefel