Ägypter fordern Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit

Zwei Jahre nach der Revolution: Die Lage hat sich kaum verbessert. Die regierenden Muslimbrüder sorgen sich allein um ihre Anhänger. Die ägyptische Wirtschaft kränkelt.

Das ägyptische Volk ist unzufrieden. Der Machtwechsel hat kaum Besserungen gebracht. Demonstraten protestieren auf der Strasse.

Bildlegende: Das ägyptische Volk ist unzufrieden. Der Machtwechsel hat kaum Besserungen gebracht. Keystone

In Ägypten haben vor zwei Jahren die Massenproteste begonnen. Kurze Zeit später stürzte das Volk den damaligen Diktator Hosni Mubarak. Danach wählte es mit Mohammed Mursi einen Islamisten zum Präsidenten, und das Volk sagte Ja zu einer islamisch geprägten Verfassung.

Heute geht es den Ägyptern wirtschaftlich schlechter als noch unter Mubarak. «Das Land befindet sich in einer Krise», sagt Astrid Frefel. Sie ist Journalistin und lebt in Kairo.

Weniger Touristen, weniger Investitionen

Mehr Arbeitslose, viele Streiks, kein Geld. Für Astrid Frefel sind das die Gründe, warum weniger Touristen nach Ägypten kommen. Ein weiterer Grund: Ausländische Investoren haben das Vertrauen in die ägyptische Wirtschaft verloren. Sie halten sich mit finanziellen Einsätzen zurück.

Die Währung, das ägyptische Pfund, ist schwach. Ein Dollar kostet heute 6,6 Pfund. Vor zwei Jahren kostete er 5,8 Pfund. Zeitgleich schnellen die Preise in die Höhe. Der Lebensstandard werde sich weiter verschlechtern, sagt Frefel.

« Das Schlimmste ist die politische Instabilität »

«Das Schlimmste aber ist die politische Instabilität», sagt die Journalistin. Solange das Land politisch nicht stabil sei, werde die Wirtschaft nicht in Schwung kommen.

Die neue Verfassung birgt Probleme: Sie repräsentiert nur die Sicht der Islamisten. Und nicht die des ganzen Volks.

Enttäuschung

Von der Entwicklung nach der Revolution sind die Menschen mehrheitlich enttäuscht. Und wenn sie auf die Strasse gehen, äussern sie dieselben Forderungen wie vor zwei Jahren: «Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit.»

Die Muslimbrüder aber zementieren ihre Macht. Sie lancierten eine Kampagne unter dem Titel «Wir bauen zusammen Ägypten». Davon profitieren jedoch einzig ihre Anhänger.

Der Prozess von der Diktatur zu einer Demokratie werde noch lange dauern, sagt Frefel in Kairo. «Demokratie beinhaltet nicht nur Wahlen.» Und das müsse erst noch in die Köpfe der Menschen in Ägypten.

Journalistin in Kairo

Astrid Frefel ist seit 1999 Korrespondentin für die arabische Welt in Kairo. Elf Jahre war sie dort für den Tages-Anzeiger im Einsatz. Seit 2010 arbeitet sie als freie Journalistin für Medien in der Schweiz, Österreich und Deutschland.