Afghanische Regierung gesteht Folter von Gefangenen ein

Mehr als die Hälfte aller Häftlinge in Afghanistan wird gequält. Das zeigt ein UNO-Bericht. Die afghanische Regierung gesteht die Misshandlungen ein.

Schläge, Elektroschocks, das Aufhängen an den Handgelenken und Drohungen mit sexueller Gewalt seien an der Tagesordnung. So steht es in dem 139seitigen UNO-Bericht.

Folter und Misshandlungen alltäglich

Die afghanische Regierung hat nun eingestanden: In den Gefängnissen des Landes wird weit verbreitet gefoltert und misshandelt. Zu diesem Ergebnis sei eine von Präsident Hamid Karsai eingesetzte Untersuchungskommission gekommen, erklärte dessen Büro.

Afghanische Gefangene warten nach dem Hofgang auf ihre Rückführung in die Zellen.

Bildlegende: In den Gefängnissen Afghanistans ist Folter an der Tagesordnung. Keystone

Karsai hatte die Untersuchungskommission eingesetzt, nachdem die UNO-Mission in Afghanistan im Januar einen schockierenden Bericht vorgelegt hatte. Demnach foltern Polizei und Geheimdienst in Afghanistan weiter – trotz Bemühungen zur Eindämmung dieser Praxis.

Frage der Souveränität

Derzeit schicken sich die afghanischen Behörden an, von der Nato-Schutztruppe Isaf die volle Verantwortung für Gefängnisse und deren Insassen zu übernehmen. Vor allem Präsident Karsai dringt auf die volle Verantwortung für die Häftlinge. Er bezeichnet dies als eine Frage der Souveränität Afghanistans angesichts des für 2014 geplanten Abzugs der Nato-Truppen.