Akihito und das japanische Kaiserhaus – eine grosse Unbekannte

Dass sich Japans zurückgezogener Kaiser überhaupt in einer TV-Ansprache an sein Volk wendet, ist eine kleine Sensation. Hierzulande ist über die japanische Monarchie nur sehr wenig bekannt. Zu unrecht: Kaiser Akihito hat mit einigen Tabus gebrochen und seine Dynastie hält gar einen Weltrekord.

Dass über das japanische Kaiserhaus hierzulande nur wenig bekannt ist, mag nicht weiter erstaunen. Traditionell zeigen sich die japanischen Monarchen sehr öffentlichkeitsscheu und auch ihr politischer Einfluss ist gering. SRF News hat einige interessante Fakten zu Kaiser Akihito und seinem Haus zusammengestellt.

  • «Symbol der Einheit des Volkes»

Artikel eins der japanischen Verfassung von 1947 regelt die Stellung des Kaisers. Seine Rolle wird darin wortwörtlich als symbolisch bezeichnet. Demnach soll «der Kaiser das Symbol der Einheit des Volkes» sein. Das Volk gilt als souveräne Macht und bestimmt auch über die Stellung des Kaisers. Die Verfassung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Druck der amerikanischen Besatzungsmacht verfasst. Zuvor hatten die japanischen Kaiser noch eine Art gottesähnlichen Status inne.

  • Keine politische Macht

Da Japan eine parlamentarische Monarchie ist, hat der Kaiser auch keine Regierungsgewalt. Zu seinen Aufgaben gehören beispielsweise die Abnahme des Amtseides des Ministerpräsidenten oder die Einberufung des Parlaments. Diese Massnahmen folgen jedoch immer nach dem Okay der Politik.

  • Der absolute Weltrekord

Kaum politische Befugnisse, dafür eine lange Tradition. Kaiser Akihito folgte 1990 seinem Vater Hirohito auf den Thron. Damit ist er der 125. Tenno (japanisch für Himmlischer Herrscher) Japans. Seine Vorgänger gehörten alle der gleichen Dynastie an. Damit ist Japan das älteste Kaiserhaus der Welt. Europäische Monarchien, welche immer wieder von anderen Familien geführt wurden, können da nicht mithalten.

  • 22 Jahre bis zur ersten Ansprache an das Volk

Auch in puncto Pulicity unterscheiden sich die Japaner stark von den europäischen Adelshäusern. Traditionsgemäss leben die japanischen Kaiser sehr zurückgezogen. Akihito ist in der Öffentlichkeit jedoch präsenter als seine Vorgänger. So führt er mit seiner Frau Michiko diverse Besuche und Empfänge durch. Mit europäischen Adelshäusern sind die Auftritte des japanischen Kaisers aber kaum zu vergleichen. So mussten ganze 22 Jahre ins Land ziehen, bis Akihito erstmals in einer TV-Ansprache zu seinem Volk sprach. Fünf Tage nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 wandte er sich mit tröstlichen Worten an seine Untertanen. In Japan galt dies als Sensation.

  • Der Besuch im Reich der Mitte

Für Furore sorgte auch eine Reise Akihitos im Jahr 1992. Als erster japanischer Kaiser überhaupt betrat er chinesischen Boden. Er entschuldigte sich dabei für das Leid, welches den Chinesen in den beiden chinesisch-japanischen Kriegen zugefügt wurde.

  • Die bürgerliche Ehefrau

Bereits in jungen Jahren sorgte Akihito für einige Premieren im japanischen Kaiserhaus. 1959 ehelichte er die Bürgerstochter Michiko, die er beim Tennisspielen kennengelernt haben soll. Er war damit der erste Tenno, der eine Bürgerliche heiratete. Akihito war auch der erste Kaiser, der in den Genuss einer universitären Ausbildung kam. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft, jedoch ohne Abschluss. Zudem befasste er sich mit Meeresbiologie und klassifizierte Süsswasserfische.

  • Die fehlenden Männer

Mit Kaiserin Michiko hat Akihito drei Kinder. In jüngster Vergangenheit sorgte die Unruhe um die Thronfolge im Kaiserhaus für Aufsehen. Das Kaiserpaar wollte partout keinen männlichen Enkel geschenkt bekommen. In progressiven Kreisen wurde deshalb schon diskutiert, ob nicht auch eine Frau den Kaiserthron besteigen könnte. Nach der Geburt von Hisahito im Jahr 2006, welcher nun die Nummer drei in der japanischen Thronfolge ist, wurden diese Diskussionen jedoch wieder eingestellt.