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Das «Zentrum für politische Schönheit» gegen die AfD
Aus SRF 4 News aktuell vom 03.12.2019.
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Aktion gegen die AfD Künstler provozieren mit Asche von Holocaust-Opfern

In Berlin sorgt eine Aktion, die sich gegen die AfD richtet, für Schlagzeilen. Hinterbliebene halten sie für pietätlos.

Was ist passiert? Gegenüber des Reichstagsgebäudes in Berlin haben Künstler des sogenannten «Zentrums für politische Schönheit» (ZPS) eine Säule errichtet. Diese ist gefüllt mit Asche und Knochenresten – angeblich handelt es sich um die menschlichen Überreste von Opfern des Holocaust.

Was will das ZPS damit erreichen? Die Aktion richtet sich an die Abgeordneten von CDU und CSU. Sie werden aufgerufen, auf jegliche Zusammenarbeit mit der AfD zu verzichten. Die Säule mit der Asche von Holocaust-Opfern wurde an einem symbolträchtigen Ort errichtet: dort, wo früher die Krolloper stand. Sie diente den Nazis nach dem Reichstagsbrand 1933 als provisorisches Parlament.

Wieso braucht es dazu die Asche? Das ZPS verweist auf die Aufzeichnungen von Salmen Gradowski, einem polnischen Juden, der 1944 in Auschwitz bei einem Aufstand von Häftlingen, den er selber mitorganisiert hatte, ums Leben kam. Er hatte in seinem geheimen Tagebuch unter anderem Folgendes geschrieben: «Suchet in der Asche. Die haben wir verstreut, damit die Welt sachliche Beweisstücke von Millionen von Menschen finden kann.»

Ein Mann macht ein Handyfoto des temporären Mahnmals vor dem Reichstagsgebäude.
Legende: Ist die Aktion «Sucht nach uns!» eine nötige Provokation oder wird sie instrumentalisiert? Reuters

Mit dem Zitat legitimieren die Künstler ihre Aktion. Sie haben dafür nach eigenen Angaben an 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine über 200 Bodenproben genommen und in einem Labor untersuchen lassen. Fast überall hätten sie Asche und Knochenreste von Holocaust-Opfern gefunden.

Wie wird die Aktion aufgenommen? «Der Spiegel» hat Lea Rosh mit der Aktion konfrontiert. Sie ist Mitinitiantin des Holocaust-Mahnmals südlich des Brandenburger Tors. Sie sagt, die Aktion sei «tiefer, als unser Holocaust-Mahnmal es ist». Sie sei bewegt und berührt. Die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, das Mahnmal möge unappetitlich sein, aber es sei eindrücklich.

Was sagen die Kritiker der Aktion? Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» spricht davon, dass hier das Gedenken instrumentalisiert werde, weil sich die Aktion gegen die AfD und gegen all jene richte, die die AfD nicht explizit verurteilten. Damit werde die NS-Zeit verharmlost, der Konservatismus werde verhöhnt, und schliesslich werde die AfD dadurch nur gestärkt. Kritik gibt es auch vom Internationalen Auschwitz-Komitee, einem Verband, der 1952 von KZ-Überlebenden gegründet wurde. Es spricht von einer pietätlosen Aktion.

Ex-Abgeordneter kritisiert die Aktion

Darauf verweist auch Volker Beck, bis vor zwei Jahren Abgeordneter der Grünen im Bundestag. Er schreibt auf Twitter: «Falls es sich tatsächlich um die Asche von in der Shoah Ermordeten handeln sollte, wäre dies eine strafbare Verletzung der Totenruhe.» Dies könne nur durch Ermittlungen geprüft werden. Er habe deshalb beim Staatsschutz Strafanzeige erstattet. Die Kunstaktion könnte also noch ein juristisches Nachspiel haben.

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