Albaner fordern Rücktritt des Zentralbank-Chefs

Erst bei einer Inventur in der Zentralbank Albaniens ist der Diebstahl aufgeflogen: Umgerechnet fünf Millionen Euro soll ein Mitarbeiter geklaut haben. Wütende Bürger fordern nun in der Hauptstadt Tirana den Rücktritt des Zentralbank-Chefs.

Ein Mann mit Sonnenbrille steht in einer Menschenmenge und hält ein Plakat in die Höhe.

Bildlegende: «Rücktritt!», fordern wütende Bürger bei Protesten gegen Zentralbank-Chef Fullani anfangs August. Keystone

Nicht der Dieb wird von weiten Teilen der Bevölkerung angefeindet, sondern Ardian Fullani, Chef der Zentralbank seit zehn Jahren. Mit täglichen Protesten und Unterschriftensammlungen in ganz Albanien fordern ihn Bürgergruppen zum Rücktritt auf.

Der Zentralbank-Chef ist zum Symbol für eine arrogante Elite geworden, die sich weder um Verantwortlichkeit noch um Bürger kümmert. Fullani geniesse mit seiner Familie einen luxuriösen Lebensstil sowie politischen Schutz von Regierung und Opposition zugleich, berichten lokale Medien. Immer wieder habe er Familienmitgliedern von Politikern zu lukrativen Jobs in der Zentralbank verholfen.

Ein Porträtbild des albanischen Zentralbank-Chefs Ardian Fullani.

Bildlegende: Symbol einer arroganten Elite: Zentralbank-Chef Ardian Fullani. Keystone/Archiv

Verwaltungsräte im Visier

Verhaftet wurden ursprünglich sieben Mitarbeiter der Bank von Albanien. Einer hat gestanden, die albanischen Lek im Wert von fünf Millionen Euro im Laufe von vier Jahren entwendet zu haben. Das Geld habe er zum Glücksspiel verwendet.

Beobachter in Tirana misstrauen dieser Geschichte. Sie vermuten vielmehr, dass sich der Täter zum Sündenbock erklärt, um Hintermänner zu schützen. Die Staatsanwaltschaft will nun auch die sieben Aufsichtsräte der Zentralbank überprüfen, um deren Verantwortlichkeit beim Bankraub abzuklären. Das Misstrauen in der Bevölkerung wird jedoch nicht schwinden, bis Fullani Konsequenzen zieht und seinen Rücktritt erklärt.