Zum Inhalt springen

International Alexander Van der Bellen ist neuer Bundespräsident Österreichs

Es blieb spannend bis zum Schluss – nun steht fest: Der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hat das Rennen um das oberste Staatsamt in Österreich hauchdünn mit 50,3 Prozent der Stimmen für sich entschieden. Kontrahent Norbert Hofer (FPÖ) hat seine Niederlage eingeräumt.

Legende: Video Van der Bellen holt Hofer noch ein abspielen. Laufzeit 3:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.05.2016.

Österreichs neuer Bundespräsident heisst Alexander van der Bellen. Der von den Grünen unterstützte 72-Jährige setzte sich mit 50,3 Prozent hauchdünn gegen den Rechtspopulisten Norbert Hofer (FPÖ) durch. Das teilte Innenminister Wolfgang Sobotka in Wien nach Auszählung der Briefwahlstimmen mit. Van der Bellen steht nun für die nächsten sechs Jahre an der Spitze der Alpenrepublik.

Ich finde, man kann den Gleichstand auch so sehen, wir sind eben gleich. Es sind zwei Hälften, die Österreich ausmachen.
Autor: Alexander Van der BellenDesignierter Bundespräsident

Van der Bellen umriss in seiner ersten Rede nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses sein Programm: «Ich werde Österreich nach aussen und gegenüber Europa, gegenüber der Welt, bestmöglich vertreten und nach innen versuchen, das Verbindende, das Verbindliche, Kooperative in den Vordergrund zu stellen.» Sein Augenmerk wolle er nicht auf die «Polarisierung», sondern auf die «Politisierung» richten.

FPÖ-Kandidat Hofer hatte bereits vor der Verkündung des offiziellen Ergebnisses seine Niederlage eingeräumt. «Natürlich bin ich heute traurig. Ich hätte gerne für Euch als Bundespräsident auf unser wunderbares Land aufgepasst», schrieb der 45-Jährige auf Facebook. Seine Partei kündigte an, am Dienstag über eine eventuelle Anfechtung der Wahl zu beraten.

31'026 Stimmen Unterschied

Nach Berücksichtigung der Urnenstimmen lag am Sonntag Hofer noch vorne – die rund 740'000 Stimmen der Briefwähler wurden allerdings erst heute Montag ausgezählt. Zwischen beiden Kandidaten lag am Schluss eine minimale Differenz von nur 31'026 Stimmen – bei rund 4,6 Millionen abgegebenen Stimmen.

Van der Bellen holte vor allem in den Städten viele Stimmen. In Wien als einem der wichtigsten Bundesländer kam er auf fast 70 Prozent. Auch in allen anderen Landeshauptstädten fand der Wirtschaftsprofessor teils deutlich mehr Zuspruch als der FPÖ-Kandidat. Hofer dagegen punktete vor allem im ländlichen Raum. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,7 Prozent wie Innenminister Sobotka mitteilte.

Erstmals waren in der Stichwahl keine Kandidaten der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP vertreten. Unter anderem wegen des Debakels in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen war Bundeskanzler Werner Faymann zurückgetreten.

Legende: Video Innenminister Sobotka verkündet Wahlresultat abspielen. Laufzeit 0:42 Minuten.
Vom 23.05.2016.

Gratulationen aus Europa

Die denkbar knappe Wahl von Van der Bellen ist international überwiegend positiv bewertet worden. Frankreichs Präsident François Hollande beglückwünschte Van der Bellen und äusserte sich erfreut, mit ihm zusammenzuarbeiten. Premierminister Manuel Valls twitterte: «Erleichterung zu sehen, dass die Österreicher Populismus und Extremismus ablehnen.»

Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck schrieb in seinen Glückwünschen an den Van der Bellen: «Ich freue mich, dass Sie sich als überzeugter Europäer auch im Rahmen Ihrer neuen Aufgabe für eine starke, verlässliche und langfristig auch vertiefte Europäische Union einsetzen wollen.»

Der Co-Vorsitzende der deutschen Grünen, Cem Özdemir, erklärte: «Wir freuen uns, dass unser Nachbarland mit ihm (Van der Bellen) ein Staatsoberhaupt bekommt, das für ein offenes und pro-europäisches Österreich steht.»

126 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Ist mir ein Rätsel, wie die vereinigten Linkspopulisten das österreichische Wahl-Desaster nun als Sieg feiern können. Van der Bellen ist nämlich am Sonntag zum ersten Wahlhelfer der FPÖ aufgestiegen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von László Schink (gegen_links_grün)
    Ich dachte Van der Bellen wäre der Präsident aller Menschen in Österreich? Bereits heute aber macht der angeblich unparteiische Bundespräsident eine Wahlempfehlung gegen die FPÖ, bzw. möchte dieser niemals einen Auftrag zur Regierungsbildung geben. Lupenreine Demokraten sehen anders aus. Van der Bellen hat keine zündende Ideen, keine Visionen und kein Charisma, weniger als Mittelmass, nach SPÖ/ÖVP eine Weiterfahrt im Schlafwagen, viel alter Wein in neuen Schläuchen mit Van der Bellen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Österreich hat in letzter Sekunde ein grosse Schmach abwenden können. Wir müssen den Mut haben, diese rechtsnationalistischen Strömungen kritisch zu hinterfragen und hin stehen, damit wir nicht zu einem Europa der Menschenhasser & Ausgrenzer verkommen. Unsere Nachbarn sind knapp diesem Fiasko entkommen. Es ist Zeit umzudrehen & wieder vernünftige, nachhaltige Politik zu betreiben, statt diesen Demagogen zuzuhören, die keinen Anstand besitzen & Menschen wegen ihrer Herkunft dumm anmachen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Von wegen grosse Schmach abgewendet. Die haben die Österreicher nun, und zwar nicht zu knapp. Die haben sie sich bereits im ersten Wahlgang eingehandelt. Nun ist eine Hälfte gegen Hofer aber trotzdem nicht für van der Bellen, müssen aber trotzdem bereits jetzt über seine ersten unbedachten Äusserungen den Kopf schütteln.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen