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International «Alle Optionen sind auf dem Tisch»

Angesichts der militärischen Eskalation auf der Halbinsel Krim steht Russland am Pranger. Der Ton aus dem Westen wird schärfer. US-Aussenminister John Kerry drohte dem Kreml mit Sanktionen und internationaler Isolation. Sogar ein Ausschluss aus der G8 steht im Raum.

Legende: Video «Wir meinen es todernst» abspielen. Laufzeit 03:00 Minuten.
Aus News-Clip vom 02.03.2014.

Im Konflikt um die Schwarzmeer-Halbinsel Krim verschärft sich der Ton aus dem Ausland. US-Aussenminister John Kerry forderte Russland auf einzulenken.

«Alle Optionen sind auf dem Tisch», sagte Kerry in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender ABC. Auf die Nachfrage, ob er auch konkrete Sanktionen einschliesse, antwortete er: «Absolut.»

Boykott des G8-Treffens als Option

Kerry brachte zudem einen Boykott des G8-Treffens in Sotschi als «klare Möglichkeit» ins Gespräch. Kerry schloss nicht aus, dass Russland am Ende kein Mitglied mehr der Gruppe der acht einflussreichen Industriestaaten sein könnte. Russland müsse begreifen, «dass dies ernst ist», sagte er. «Wir meinen es todernst.»

US-Präsident Barack Obama hatte erklärt, die USA hätten die Vorbereitungen für den anstehenden G8-Gipfel in Sotschi unterbrochen. Er hatte zuvor ungewöhnlich lange – nämlich 90 Minuten – mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin telefoniert.

Obama am Telefon im Oval Office.
Legende: Barack Obama telefoniert mit Wladimir Putin – eine Einigung ist nicht in Sicht. Keystone

In dem Gespräch warf Obama dem Kremlchef nach Angaben des Weissen Hauses eine «klare Verletzung der ukrainischen Souveränität» und einen Bruch internationaler Gesetze vor.

Obama habe klargemacht, dass andauernde Verstösse Russlands Ansehen in der internationalen Gemeinschaft schaden und zu «grösserer politischer und wirtschaftlicher Isolation führen würden».

Putin erklärt Angela Merkel seine Pläne

Am Abend telefonierte Kremlchef Putin ausserdem auch mit Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel. Im Gespräch mit Merkel bezeichnete Putin seine ergriffenen Massnahmen in der Ukraine als angemessen, wie der Kreml nach dem Telefonat verlauten liess.

Angela Merkel wiederum äusserte Putin gegenüber ihre Besorgnis. Dieser habe geantwortet, die Ereignisse auf der Halbinsel Krim und in der Ukraine insgesamt seien eine Gefahr für das Leben russischer Bürger. Ziel sei es, die Lage weiter auf friedlichem Weg zu stabilisieren, so Putins Argumentation

Rasmussen: «Russland verstösst gegen die UNO-Charta»

Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen schaltete sich inzwischen in den Konflikt ein. Unmittelbar vor Beginn eines Krisentreffens des Nato-Rates in Brüssel forderte er Russland zur Deeskalation auf.

Legende: Video SRF-Korrespondenten zum Einfluss der Nato abspielen. Laufzeit 02:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 02.03.2014.

«Was Russland derzeit in der Ukraine tut, verstösst gegen die Prinzipien der UNO-Charta. Es bedroht den Frieden und die Sicherheit in Europa», sagte Rasmussen. «Ganz besonders fordere ich Russland auf, die Spannungen zu entschärfen.» Russland müsse seine Militäraktionen und seine Drohungen stoppen. «Heute werden wir über deren Auswirkungen auf Frieden und Sicherheit in Europa sowie auf die Beziehung zu Russland sprechen.»

Die Ukraine fürchtet angesichts der faktischen russischen Besetzung der Halbinsel Krim einen Krieg mit seinem übermächtigen Nachbarland und hatte den Westen um militärischen Beistand gebeten.

«Eine Spaltung kann verhindert werden»

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier beklagte die zunehmenden Spannungen in dem Konflikt. «Noch ist Umkehr möglich. Noch kann eine neue Spaltung Europas verhindert werden.»

Auch Steinmeier forderte von Russland, die Streitkräfte nur im Rahmen des Pachtvertrages über die russische Schwarzmeerflotte in der Ukraine einzusetzen. Von der neuen Führung in Kiew verlangt er, die russische Minderheit im Land zu schützen.

Die G8

Die Gruppe der Acht (G8) ist ein informelles Forum der Staats- und Regierungschefs aus acht Industrieländern. Sie finden seit 1975 statt. Russland kam 1998 als achtes Mitglied dazu, führt derzeit den Vorsitz und richtet folglich auch den jährlichen Gipfel aus.

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Weißenstadt
    Manche in der Schweiz wünschen sich wohl, dass Putin die ganze Ukraine einkassiert. Entgegen eigener Interessen würde sich dann die Grenzen des Putin-Reiches wieder 1000 km weiter westlich verschieben, ein paar Hundert km zu eigenen Grenzen hin
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  • Kommentar von Hans Peter, Goldach
    Die radikalen die mit Waffengewalt die Regierung gestürzt hat, dass hat überhaupt nicht mehr mit Demokratie zu tun. Ok, jetzt werden einige sagen das Parlament hat Wiktor Janukowytsch als Presidenten abgewählt. Wenn sie Politiker wären und im Parlament sitzen würden und da kommen vermummte Leute mit Waffen und Molotovcocktails und drohen Ihnen, wie würden Sie abstimmen? Das hat überhaupt nichts mehr mit Demokratie zu tun und ist nur wieder eine vom Westen kontrollierter putsch.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      Woher wollen Sie wissen, dass das ein vom Wesen gesteuerter Putsch ist? Das sind doch die übelsten Unterstellungen. Genauso gut könnte man ja behaupten dass das ein Putin-gesteuerter Putsch ist, um die Ukraine zu destabilisieren um damit üble Spielchen zu verschleiern. Verstehe nicht, dass bei der hervorragenden Berichterstattung in der Schweiz derartig abstruse Meinungen kreiert werden. Diese Parteinahme hängt wohl mit verbissenen Aversionen gegen die USA und die EU zusammen
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  • Kommentar von Markus Guggisberg, Busswil
    Tut mir leid, aber den Kerry kann man einfach nicht ernst nehmen !!!
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