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International Als die Mafia Italien fast in die Knie zwang

Anfangs der Neunzigerjahre beendete die Mafia ihren blutigen Bombenterror überraschend – möglicherweise kam es zu einer «Waffenstillstands-Verhandlung». Jetzt will Italien die Vergangenheit aufarbeiten.

Mehrere Autowracks auf der Autobahn.
Legende: «Als wäre der Ätna explodiert»: Nach dem Anschlag auf Staatsanwalt Giovanni Falcone bleibt ein Trümmerfeld. Keystone

Im Mai 1992 gipfelte der Kampf zwischen der Mafia und der Italienischen Justiz im tödlichen Bombenanschlag am «Mafia-Jäger» Giovanni Falcone. Er war einer der erfolgreichsten Bekämpfer des organisierten Verbrechens: Im von ihm eingeleiteten «Maxi-Prozess» gegen die Cosa Nostra wurden Hunderte von Mafioso zu Freiheitsstrafen verurteilt. Insgesamt sprachen die Richter Strafen von 2'665 Jahren aus.

Es ist eine Frage, die Italien seither beschäftigt: Ebenso plötzlich, wie die Mafia in den Neunzigerjahren begann, Attentate zu verüben, hörte sie damit auch wieder auf. Italien fragt sich bis heute: Warum hörte der Terror schlagartig auf?

Prozess soll Vergangenheit beleuchten

Der aktuelle Prozess in Palermo soll Licht in diese Angelegenheit bringen. Kritiker behaupten, der Staat und die Mafia hätten im Juni 1992 eine Art «Waffenruhe» ausgehandelt: Unter anderem sollte der Staat den inhaftierten Cosa-Nostra-Bossen Hafterleichterung gewähren – die Mafia wiederum soll versprochen haben, mit dem Bombenterror aufzuhören. Beweise für diese These gibt es bisher keine.

Wesentliche Ergebnisse unwahrscheinlich

Heute Dienstag sagt Italiens Staatspräsident, Giorgio Napolitano, im Prozess in Palermo aus. Napolitano soll in einem Telefongespräch Mitte der Neunzigerjahre über mögliche Verhandlungen zwischen dem Staat und der Mafia gesprochen haben.

Italien versucht ein normales Land zu werden.
Autor: Massimo AgostinisSRF Italien-Korrespondent

SRF-Italien Korrespondent, Massimo Agostinis, hält es aber für unwahrscheinlich, dass Napolitano nennenswerte Aussagen macht. Agostinis glaubt auch nicht daran, dass der gesamte Prozess viel Licht in die Angelegenheit bringen wird: «Ich glaube nicht, dass man in den nächsten zehn Jahren – solange Zeugen noch leben – wesentliches herauskommt. Höchstens Teil-Wahrheiten.»

Im Prozess in Palermo gehe es nicht um den aktuellen Kampf gegen die Mafia, sagt Agostinis, sondern um die Aufarbeitung: «Italien versucht damit ein normales Land zu werden.» Im Kampf gegen die Mafia stehe Italien schlechter da als noch vor 20 Jahren – die Mafia sei heute deutlich stärker.

(muei)

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1 Kommentar

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  • Kommentar von G.Beretta, Bern
    wenn die mafia heute deutlich stärker ist als vor 20 jahren, dann hat man es auch einem gewissen silvio berlusconi zu verdanken. er und seine "picciotti" im und ausserhalb vom parlament konnten ein korruptes land noch korrupter machen. 1994 gegründet Marcello dell'utri die partei forza italia. jetzt sitzt er im gefängnis, wegen was? wegen verbindungen zu cosa nostra, also die gleiche mafia welche die bomben gesetzt hat. zufall ? kaum....
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