Amnesty: Griechenland droht humanitäre Katastrophe

Amnesty International hat die europäischen Staaten aufgerufen, sich um das Schicksal von 46'000 in Griechenland gestrandeten Flüchtlingen zu kümmern. Schleuser beginnen unterdessen, Ausweichrouten zu nutzen.

Frauen und Kinder an einem Zaun

Bildlegende: Den in Griechenland gestrandeten Menschen müsse Europa weitaus mehr helfen, fordert Amnesty. Keystone

Die EU-Staaten müssen sich mehr um die in Griechenland gestrandeten Flüchtlinge kümmern, fordert Amnesty International (AI). Seit der Schliessung der Balkanroute sässen die Flüchtlinge unter unwürdigen Bedingungen auf dem griechischen Festland «in der Falle», teilte die Menschenrechtsorganisation in London mit.

Humanitäre Katastrophe vor Augen

«Die Entscheidung, die westliche Balkanroute zu schliessen, hinterlässt 46'000 Flüchtlinge und Migranten in furchtbaren Bedingungen und in einem Zustand permanenter Angst und Unsicherheit», sagte John Dalhuisen von AI in einer Erklärung. Die EU-Staaten hätten die Flüchtlingskrise damit nur verschärft.

Sollten die Europäer bei der Umsiedlung der Asylsuchenden keine entschlossene Hilfe leisten, drohe eine humanitäre Katastrophe.

Start in Ägypten?

Zwar kommen weniger Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland, doch gleichzeitig werden kaum Menschen zurückgeschickt. Die Situation ist festgefahren und gleichzeitig beginnen Schleuser, Ausweichrouten zu nutzen.

Nach Schliessung der Balkanroute weichen die Schleuser von Flüchtlingen auf andere Wege aus. Zuletzt stoppte die griechische Küstenwache südwestlich der Halbinsel Peloponnes ein Holzboot mit 41 Flüchtlingen, das vermutlich von Ägypten Richtung Italien unterwegs war. An Bord seien Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak gewesen, die befragt würden, sagte ein Offizier der griechischen Küstenwache. Sollten sich Herkunft und Ziel des Bootes bewahrheiten, spräche das für eine Reaktivierung alternativer Routen.

Griechenland umschiffen

So könnten Schleuser Griechenland umschiffen und Flüchtlinge und Migranten auf anderen Wegen nach Europa bringen. In Griechenland ist die Lage weiter schwierig. Die Grenzen gen Norden sind geschlossen, im nordgriechischen Idomeni hoffen seit Wochen mehr als 10'000 Menschen darauf, dass sich die Passage doch noch öffnen könnte.

Darüber hinaus können jene Flüchtlinge, die seit dem 20. März von der Türkei aus zu den griechischen Inseln gelangt sind, im Rahmen des Flüchtlingspakts in die Türkei zurückgeschickt werden.

Rückführung gerät in Verzug

Für Asylbescheide fehlt indes das Personal. So gerät auch die Rückführung der Flüchtlinge und Migranten in die Türkei in Verzug. Von den zugesagten 2300 Asylfachleuten, die im Zuge des Flüchtlingspakts aus ganz Europa nach Griechenland kommen sollten, ist bisher nur gut die Hälfte eingetroffen, sagte am Wochenende der stellvertretende griechische Verteidigungsminister Dimitris Vitsas.

Athen will die wilden Flüchtlingscamps am Hafen von Piräus und in Idomeni evakuieren. Die meisten Menschen wollen die Lager laut Vitsas aber nach wie vor nicht verlassen. Viele fürchten, in staatlichen Lagern im Landesinneren «vergessen» zu werden.