Kampf um Mossul Amnesty meldet Tod hunderter Zivilisten

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Das Leiden der Bevölkerung

0:56 min, vom 27.3.2017

  • Im Kampf um die irakische IS-Hochburg Mossul sind nach einer Untersuchung von Amnesty International hunderte Zivilisten bei Luftangriffen getötet worden.
  • Die irakische Regierung hätte die Menschen zuvor aufgefordert, an Ort und Stelle zu bleiben und nicht aus Häusern oder vermeintlich sicheren Orten zu fliehen, wie Überlebende und Augenzeugen der Organisation berichten.
  • Die Menschenrechtsorganisation erhebt schwere Vorwürfe an die Streitkräfte der Koalition. Diese würden nicht genügend unternehmen, um zivile Opfer zu verhindern.

Amnesty International spricht von einer «erschütternden Zunahme» der zivilen Opfer in Mossul in den letzten Monaten. Sowohl die Luftangriffe der US-geführten Koalition als auch die Gefechte am Boden zwischen der irakischen Armee und den Kämpfern der Terrormiliz IS hätten viele Tote gefordert.

Die Menschenrechtsorganisation erklärt in ihrer Untersuchung, dass zu wenig für den Schutz von Zivilisten gemacht werde. Das Beweismaterial aus Ost-Mossul weise auf ein «alarmierendes Muster» hin.

Verstoss gegen Völkerrecht

«Die Koalitionskräfte hätten wissen müssen, dass ihre Angriffe viele zivile Opfer fordern würden, denn die irakischen Behörden hatten die Zivilbevölkerung wiederholt aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben und nicht zu fliehen», sagt Donatella Rovera von Amnesty. Solche unverhältnismässigen und wahllose Angriffe würden gegen das humanitäre Völkerrecht verstossen.

In vielen von Amnesty untersuchten Fällen, hätten Überlebende und Nachbarn erzählt, dass sich IS-Kämpfer in oder in der Nähe der zerstörten Häuser befanden – meist auf dem Dach oder im Garten – oder sich in benachbarten Gebäuden verschanzt hätten.

IS missbraucht Menschen als Schutzschilder

Die UNO hat weitere Gräueltaten des IS in Mossul publik gemacht. Seit Mitte Februar seien 307 Einwohner getötet worden, die von der Terrormiliz als menschliche Schutzschilde missbraucht wurden. 273 weitere Zivilisten seien verletzt worden, teilte UNO-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein mit. Die IS-Kämpfer trieben die Menschen demnach in Gebäuden zusammen, die mit Sprengfallen bestückt worden seien, und feuerten auf Flüchtende. Der Menschenrechtskommissar mahnte, die irakischen Truppen und ihre Verbündeten dürften nicht in diese Falle des IS tappen und müssten Opfer vermeiden.

USA kündigen Untersuchung an

Die USA und der Irak kündigten am Wochenende eine Prüfung von Vorwürfen an, Jets der US-geführten Koalition hätten im Westen der Metropole beim Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat viele Zivilisten getötet. Am Mittwoch waren bei einer gewaltigen Explosion verschiedenen Berichten zufolge mehr als 100 Zivilisten getötet worden.

Das US-Zentralkommando sprach allerdings davon, einen Vorfall vom 17. März untersuchen zu wollen. Ob das US-geführte Bündnis für den Tod der vielen Unbeteiligten verantwortlich ist, blieb zunächst unklar. Ein Aktivist hatte nach der Explosion berichtet, ein Luftangriff habe einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen getroffen. Ein irakischer General erklärte hingegen, der IS habe Häuser mit Sprengladungen versehen, die explodiert seien.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Kampf um Mossul in entscheidender Phase

    Aus 10vor10 vom 14.3.2017

    Die Schlacht um Mossul tritt in die entscheidende Phase, so der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi. Die Bewohner von Mossul flüchten vor den Kämpfen und vor der angeschlagenen Terrormiliz «IS».